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Früheres Baulager soll Wohngebiet werden

Weil ein Riesaer bei der Suche nach einem Eigenheimplatz nicht recht fündig wurde, ist er selbst Investor geworden.

Die Trinitatiskirche im Blick: Auf der Brache im Vordergrund soll in absehbarer Zeit ein neues Baugebiet entstehen – und das schon sehr bald.
Die Trinitatiskirche im Blick: Auf der Brache im Vordergrund soll in absehbarer Zeit ein neues Baugebiet entstehen – und das schon sehr bald. © Foto: Eric Weser/Montage: SZ

Riesa. Eine Nacht mussten er und seine Frau darüber schlafen, sagt Ronald Kühne. „Dann haben wir gesagt, wir machen es.“ Nach kurzer Pause fügt der Riesaer noch an: „Ohne wirklich zu wissen, was auf uns zukommt.“ Mehr als ein Jahr ist es her, dass das Paar sich entschied, unter die Investoren zu gehen – obwohl sie eigentlich nur ein Grundstück zum Bauen gesucht hatten.

Doch von vorn: Schon länger hatten Ronald Kühne und seine Frau sich nach einem Haus umgesehen. Einige Grundstücke seien auch infrage gekommen. Doch so richtig vorwärts sei es auch nach mehreren Anläufen nicht gegangen, erinnert sich der 48-Jährige. Irgendwann habe er mit einem Bekannten gesprochen, der erzählt habe, dass seine Familie schon seit einigen Jahren ein großes Grundstück an der Riesaer Bebelstraße verkaufen wolle. Eine 5.000-Quadratmeter-Brache, keine 200 Meter von der Trinitatiskirche entfernt.

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Das Luftbild zeigt die Lage des geplanten Baugebietes. Die diagonal durchs Bild verlaufende Straße ist die Bebelstraße. Das Grundstück zwischen Baugebiet und Bebelstraße ist auf der Aufnahme noch unbebaut; inzwischen steht dort aber ein Eigenheim.
Das Luftbild zeigt die Lage des geplanten Baugebietes. Die diagonal durchs Bild verlaufende Straße ist die Bebelstraße. Das Grundstück zwischen Baugebiet und Bebelstraße ist auf der Aufnahme noch unbebaut; inzwischen steht dort aber ein Eigenheim. © Quelle: Geoportal SN, Grafik: SZ

Das Problem: In ein Baugebiet kann das vor Jahren noch als Baulager genutzte Areal nur verwandelt werden, wenn jemand die Fläche aufteilt und die so entstehenden Parzellen auch noch mit den allen nötigen Medien erschließt – also Abwasser, Trinkwasser, Strom, Telekommunikation.

Die früheren Eigentümer der Fläche, eine Erbengemeinschaft, hätten das nicht machen wollen, erzählt Ronald Kühne. Auch ein beauftragter Makler nicht. Ronald Kühne und seine Frau haben diesen fehlenden Part nun übernommen: Vor einem Jahr kaufte das Paar der Erbengemeinschaft die Fläche ab. Inzwischen ist die Neuaufteilung gelaufen und die Brache in sechs Grundstücke aufgeteilt: eine Zufahrtsstraße und fünf künftige Baugrundstücke mit einer Größe von je 770 bis 1.200 Quadratmeter.

Gute Nerven und gesunder Schlaf

Einen der Bauplätze in spe hat Ronald Kühne für seine Familie reserviert. Für die übrigen Vier gebe es schon einige Bewerber, erzählt der Riesaer. Vorverträge habe er aber mit niemandem abgeschlossen. Er habe erst abwarten wollen, dass der Stadtrat dem Vorhaben seinen Segen erteilt.

Das ist Anfang September geschehen. Mit der Stadt kann damit jetzt ein sogenannter städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werden, der Details zur Erschließung regelt. Wenn das geschafft ist, soll es an die endgültige Vermarktung der vier verbliebenen Bauflächen gehen. Die passiere gemeinsam mit der Sparkasse, die auch den Flächenkauf finanziert habe, erzählt Ronald Kühne. Trotz bestehender Bewerberliste könnten sich aber nach wie vor Interessenten melden.

Beim Baulandpreis könnte mancher allerdings schlucken, sagt Ronald Kühne. Der liege im Bereich von 100 bis 150 Euro je Quadratmeter – und damit über dem, was anderswo aufgerufen werde. Das liege einerseits an gestiegenen Bodenrichtwerten. Aber auch an gestiegenen Baupreisen: Für die Erschließungsstraße sei der Preis binnen weniger Monate von einer fünf- auf eine sechsstellige Summe geklettert, sagt Ronald Kühne, der mit dem Baugebiet nach eigenem Bekunden selbst kein Geld verdienen will. „Nur die Kosten für die Straße will ich auf alle Fälle wieder rein haben.“

Für ihn als jemanden, der nicht vom Bau sei, habe das Vorhaben einige Überraschungen bereit gehalten, blickt der Mitarbeiter einer Riesaer Handelsfirma zurück. Vieles habe vor allem: gedauert. Die Behördenmühlen würden teils sehr langsam mahlen. „Dann muss man da noch ein Dokument bringen und dort noch eins.“ Das koste neben Zeit auch oft einiges an Geld. Es brauche Nerven und einen gesunden Schlaf, sagt Ronald Kühne. „Aber ich sage mir immer wieder: Wir haben hier nicht für überteuertes Geld Acker gekauft, sondern eine Fläche mitten in der Stadt.“ Ein Stück Land also, das einmal erschlossen seine Abnehmer finden werde. Zumal ringsum alles in fußläufiger Entfernung da sei: Einkaufsmärkte, Ärzte, Kitas, Schulen.

Dass die geplante Zufahrtsstraße mit 3,50 Meter schmal sein wird und die Mülltonnen deshalb zur Bebelstraße gebracht werden müssen, hält Ronald Kühne für verschmerzbar. Dafür werde es im Wohngebiet sehr ruhig sein. In den nächsten drei Monaten will der Riesaer Nägel mit Köpfen machen und den Grundstücksverkauf voranbringen. An der Stelle zahlen sich für den Investor die Mühen auch ein klein wenig aus – immerhin kann er sich auch seine künftigen Nachbarn heraussuchen.

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Im ersten Quartal 2021 könnte es dann mit der Erschließung losgehen, schätzt der Riesaer, der mit Blick auf „sein“ Eigenheimgebiet ein klares Ziel vor Augen hat: In zwei Jahren, wenn seine kleine Tochter Schulanfang habe, wolle er hier auf seiner neuen Terrasse sitzen und sich, wie an diesem Septembernachmittag, die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

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