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Gedenken an Reichspogromnacht

Auf der Hauptstraße in Riesa ist an den Beginn der Judenverfolgung im NS-Deutschland vor 82 Jahren erinnert worden. Und nicht nur dort.

Rosen und Kerzen auf der Hauptstraße in Riesa erinnern an die Reichspogromnacht von 1938.
Rosen und Kerzen auf der Hauptstraße in Riesa erinnern an die Reichspogromnacht von 1938. © Eric Weser

Riesa. Drei weiße Rosen, drei Kerzen: Damit ist am Montagabend auf Riesas Hauptstraße an die Reichspogromnacht von 1938 erinnert worden. In der Nacht von 9. zum 10.  November hatte es damals zahlreiche, vom NS-Staat organisierte Gewaltakte gegen Juden gegeben. Das markierte den Übergang von der Diskriminierung jüdischer Bürger hin zu ihrer Verfolgung. Diese mündete wenige Jahre später in den  Holocaust – die systematische Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten.

Erinnert wurde an die oft auch als "Reichskristallnacht" bezeichneten Vorgänge am Montag in Riesa vor dem Standort des einstigen Kaufhauses Troplowitz an der Hauptstraße 19. Es gehörte einst der jüdischen  Kaufmannsfamilie Lenczynski.  "Hier wohnten Berta und Fritz Lenczynski. 1938 aus Riesa vertrieben. 1943 ins KZ Auschwitz deportiert und dort umgekommen", informiert die Inschrift der Tafel über das Schicksal von Mutter und Sohn. 

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Die Gedenktafel war vor zehn Jahren in den Boulevard eingelassen worden. Am 9. November 2010 wurde sie mit einem Gedenkakt übergeben; teilgenommen hatten an der Feier damals 150 Menschen, darunter die seinerzeitige Riesaer Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer, Schüler und etliche weitere Vertreter aus der Stadtgesellschaft. 

Am Montag fiel das Erinnern deutlich kleiner aus. Blumen und Kerzen an der Tafel waren von drei Vertretern der Initiative "AfD? Adé!" niedergelegt beziehungsweise aufgestellt worden, teilte diese auf SZ-Nachfrage mit. Die Initiative, die sich als Teil der "antifaschistischen Aktion" versteht, hatte zuvor beim Kurznachrichtendienst Twitter zum gemeinsamen Gedenken aufgerufen. 

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Riesaer Stadträte gedachten am Montag indes auf dem Poppitzer Platz der Reichspogromnacht. Als Zeichen des Gedenkens wurden am Ehrenmal Blumen niedergelegt. 

CDU-Fraktionschef Helmut Jähnel, Bürgermeisterin Kerstin Köhler, Linken-Fraktionschefin Uta Knebel und Annett Schön (AfD) beim Gedenken am Poppitzer Platz.
CDU-Fraktionschef Helmut Jähnel, Bürgermeisterin Kerstin Köhler, Linken-Fraktionschefin Uta Knebel und Annett Schön (AfD) beim Gedenken am Poppitzer Platz. © Stadt Riesa/Uwe Päsler

Vor Ort waren laut Stadtverwaltung mehrere Stadträte aus verschiedenen Fraktionen, darunter CDU, Linke und AfD. Finanzbürgermeisterin Kerstin Köhler vertrat den in Corona-Quarantäne befindlichen Oberbürgermeister Marco Müller (CDU).

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