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Corona: mit 25 auf die Intensivstation

Ein junger Riesaer infiziert sich mit Corona - und muss zeitweise beatmet werden. Trotzdem kann er nicht jede Maßnahme gegen das Virus verstehen.

Das Elblandklinikum in Meißen ist der Standort, an dem Corona-Patienten behandelt werden.
Das Elblandklinikum in Meißen ist der Standort, an dem Corona-Patienten behandelt werden. © Claudia Hübschmann

Riesa. Er ist schon drei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen, aber der Husten bleibt Marcel Reimanns ständiger Begleiter. "Der wird wohl auch noch eine Weile bleiben", sagt Reimann Anfang Dezember am Telefon. Eine Corona-Infektion hatte den Riesaer, der eigentlich anders heißt, Mitte November außer Gefecht gesetzt. So schwer, dass er zwischenzeitlich sogar auf der Intensivstation behandelt werden musste.

Marcel Reimann ist dabei eine eher seltene Ausnahme. Denn der Riesaer ist erst 25 Jahre alt - und damit deutlich jünger als die meisten Covid-Fälle, die im Krankenhaus auf der Intensivstation behandelt werden müssen. "Das Durchschnittsalter der Corona-Patienten auf ITS beträgt ungefähr 72 Jahre", erklärt eine Sprecherin der Elblandkliniken auf Nachfrage. Der Anteil an Personen unter 30 Jahren, die dort behandelt werden müssen, sei "sehr gering".

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Corona-Test nach anderthalb Wochen

Als er Ende Oktober erstmals Halsschmerzen verspürt, denkt Marcel Reimann jedenfalls nicht direkt an Corona. "Die erste Woche blieb es bei Husten und Halsschmerzen." Dann allerdings seien Magen-Darm-Beschwerden dazu gekommen. Fieber habe er nicht gehabt, sagt er. Doch mit jedem Tag seien die Beschwerden schlimmer geworden. "Ich war nur noch am Erbrechen, permanent." Mit dem Krankenwagen sei es schließlich ins Krankenhaus in Riesa gegangen. Das Klinikpersonal testet ihn auf Corona. "Der Schnelltest war erst negativ." Erst der PCR-Test habe dann ein positives Ergebnis gebracht. Von Riesa wird der 25-Jährige in die Klinik in Meißen verlegt, anderthalb Wochen nach den ersten Krankheitssymptomen.

Er habe schon einmal eine schwere Lungenentzündung gehabt, erzählt der junge Riesaer. Ob das den schweren Corona-Verlauf begünstigt hat, bleibt offen. Ebenso die Frage, wie er sich überhaupt angesteckt hat. "Ich war derzeit krankgeschrieben, bin eigentlich nur für die Reha außer Haus gegangen. Und im Taxi hatte ich immer die Maske auf." Ob er sich dort infiziert hat oder bei einem Familienmitglied, weiß er bis heute nicht. Denn nach der Diagnose mussten zwar alle Mitglieder des Fünf-Personen-Haushalts in Quarantäne. Getestet wurde aber niemand, vermutlich, weil niemand sonst in der Familie Symptome zeigte. "Eigentlich müsste doch in solchen Situationen gleich getestet werden", ärgert sich Reimann.

Während seine Familie in Isolation bleiben muss, wird der 25-Jährige im Klinikum geröntgt - und danach direkt auf die Intensivstation verlegt. "Durch das ständige Husten war die Lunge noch zusätzlich angegriffen." Sein Zustand sei so schlecht gewesen, dass die Ärzte zwischenzeitlich auch erwogen, ihn ins künstliche Koma zu versetzen. Stattdessen wird er intravenös mit Medikamenten versorgt und zusätzlich mit Sauerstoff versorgt. Dazu kommen tägliche Blutentnahmen und Stuhlproben. Viel mehr bleibt nicht vom Tag. "Ich habe viel geschlafen oder es zumindest versucht." Reimann ist müde, mittlerweile hat er auch mehr als 39 Grad Fieber.

Es dauert zwei bis drei Tage, ehe sich sein Zustand verbessert. Nach einer Woche, am 12. November, wird er auf die normale Corona-Station des Krankenhauses verlegt, drei Tage später darf er das Meißner Klinikum verlassen. "Ich war dann allerdings noch bis 2. Dezember in Quarantäne, weil ich positiv getestet wurde."

Kritik an Geschäftsschließungen

Besonders große Angst habe er trotzdem nicht verspürt, sagt der Riesaer heute. Er sei im Vorfeld skeptisch gewesen, was die Warnungen vor dem Virus angeht. Das habe sich geändert. "Ich weiß jetzt, dass es Corona gibt." Einen Teil der Maßnahmen im Zuge der Krise sieht er aber nach wie vor sehr kritisch. "Wieso man auf einmal die Läden zumachen musste, kann ich nicht nachvollziehen." Er habe ja schließlich auch aufgepasst, sich am Ende aber trotz allem infiziert - außerhalb eines Geschäfts. Im Gespräch, kurz vor dem dritten Advent, fürchtet er, dass kurz vor den Schließungen gerade viele Menschen in die Geschäfte gehen und einkaufen werden. Eine Sorge, die zu dem Zeitpunkt mancher teilt, die sich am Ende aber als eher unbegründet erweist.

Auch die Art und Weise, wie getestet wird, hält er für undurchdacht. "Meine Familie war zwei Wochen in Quarantäne und durfte dann raus. Aber ich hatte fünf Wochen lang Corona." Er fragt sich: Hätten die Familienmitglieder das Virus nicht nach der Quarantäne noch unbemerkt weitertragen können? Das Problem sei, dass es auf viele Fragen einfach keine exakten Antworten gebe - und viele Maßnahmen deshalb einen planlosen Eindruck erweckten. "Jede Woche gab es zuletzt etwas anderes", sagt er und meint damit die verschiedenen Verordnungen. Auf die Frage, welche Maßnahmen er denn sinnvoll findet, überlegt er kurz. "Die Maskenpflicht, die kann ich verstehen. Aber nicht, dass alles geschlossen wird." Außerdem spricht er sich für eine Einkaufswagen-Pflicht in den Supermärkten aus, "damit an der Kasse die Abstände eingehalten werden und wirklich nur eine bestimmte Zahl Leute im Laden ist".

Von der Infektion habe er sich auch nach der Entlassung nur langsam erholt, sagt Marcel Reimann. Der Reizhusten ist nur eins der Symptome, die erst langsam abklingen. Bis Anfang Dezember hatte er noch Probleme mit der Luft, selbst beim Sprechen sei er kurzatmig gewesen. "Beim Treppensteigen komme ich mir noch vor, als wäre ich gerade einen Marathon gerannt." Dass sich viele, gerade ältere Menschen Sorgen machen, könne er verstehen. Aber Panik sei auch fehl am Platz. "Mein Körper hat's verkraftet. Jüngere Leute und solche, die nicht vorerkrankt sind, können die Krankheit gut wegstecken."

Update, 23.12.2020, 17:28 Uhr: Im Gespräch mit dem Patienten war es zu einer Reihe von Missverständnissen gekommen, was den Ablauf der Behandlung und ein Zitat am Ende des Textes angeht. Wir haben die betreffenden Stellen angepasst.
In einer älteren Version des Textes hatte es geheißen, der Patient sei künstlich beatmet worden. Er bekam aber nur unterstützend Sauerstoff. Wir bitten die Ungenauigkeit zu entschuldigen

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