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Rücksichtsvoller Dieb plündert Gärten

Aus einer Riesaer Kleingartensparte verschwinden 30 Wasserhähne. Der Täter denkt dabei auch an die Gärtner. Und macht offenbar weiter.

Da fehlt doch was: In diesem Riesaer Garten stahl jemand jetzt zwei Wasserhähne aus Messing - und bei zwei Dutzend Nachbarn in der Sparte ebenfalls.
Da fehlt doch was: In diesem Riesaer Garten stahl jemand jetzt zwei Wasserhähne aus Messing - und bei zwei Dutzend Nachbarn in der Sparte ebenfalls. © Eric Weser

Riesa. Was ist das für ein Mensch, der für einen Euro Materialwert pro Wasserhahn nachts durch Gartensparten schleicht und Dutzende Kleingärtner bestiehlt? Offenbar ein rücksichtsvoller: Denn bei einer Diebestour durch die Sparte "Waldfrieden" nahe der Riesaer Teigwaren-Fabrik ging der Täter in der Nacht zu Montag sehr bedacht vor. Bevor er etwa 30 Messing-Hähne von den Leitungen schraubte, drehte er den Hauptwasserhahn zu - sonst wären etliche Kubikmeter Trinkwasser sinnlos versickert. "Insgesamt 25 Gärten sind betroffen", sagt Spartenchefin Sonja György. "Der ganze Weg Richtung Park."

Nur: Wer weiß denn, wo sich in einer Gartensparte der Hauptwasserhahn befindet? Im konkreten Fall liegt er unter einer Eisenplatte an einer Wegkreuzung. Darauf muss man erst mal kommen. "Der Täter hat danach wohl lange gesucht", sagt Riesas Polizeichef Andreas Wnuck. Darauf deute die Spurenlage hin.

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Ohnehin hat der Täter sich wirklich Mühe gegeben. "In einem Garten wurde vom Wasserhahn der Schlauch abgeschraubt, sorgfältig aufgerollt und dagelassen", sagt die Spartenchefin. Ein Gärtner zeigt, wo bei ihm zwei Hähne demontiert wurden. "Bei einem war die Kupplung für den Schlauch noch dran. Die hat der Dieb abgeschraubt und ordentlich hingelegt", sagt der Pächter. Der Täter habe wohl nicht mehr Schaden anrichten wollen als unbedingt nötig.

Die Polizei schätzt den Schaden in der Sparte auf 300 Euro. Wobei der Wert der Beute für den Täter nur bei einem Zehntel dafür liegen dürfte: Für Messing zahlt ein Riesaer Schrotthändler zwei bis drei Euro pro Kilo, ein Wasserhahn wiegt etwa ein halbes Kilogramm. "Aber die Händler müssen doch misstrauisch werden, wenn da jemand mit 30 Wasserhähnen ankommt", sagt Sonja György.

Das sieht auch Riesas Revierleiter so. "Aber wie in jeder Sparte gibt es auch bei Schrott-Ankäufern Leute mit Gewissen und Leute ohne", sagt Andreas Wnuck. Dabei kennen seine Beamten längst die Schrotthändler in Riesa und Umgebung: Denn für sie ist das Thema "Wasserhahn-Diebstahl aus Gartensparten" nicht wirklich neu. Erst 2017 hatten sie einen Riesaer ermittelt, der insgesamt 493 Wasserhähne aus 16 verschiedenen Anlagen gestohlen hatte. Zuletzt hatte der seine Beute - unter anderem auch Kanaldeckel mit der Aufschrift "Stadt Riesa" - bei einem Magdeburger Schrotthändler einlösen wollen, weil die Beamten längst bei sämtlichen Ankäufern der Region vorstellig gewesen waren.

Der Dieb von damals wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und hat einige Zeit hinter Gittern verbracht. Seit einem Monat ist er allerdings wieder draußen. Ob er jetzt auch für die neuen Taten im Visier ist, verrät Riesas Polizeichef nicht. "Die erfahrenen Kollegen wissen, was zu tun ist." Seinerzeit spielte beim Ermittlungserfolg auch eine Wildtierkamera eine Rolle, die jemand in seinem Kleingarten angebracht hatte. So eine hat auch mindestens ein Gärtner in der Sparte "Waldfrieden".

Denn für die Kleingärtner selbst geht es um mehr als den bloßen Euro Materialwert ihres Wasserhahns: Zehn bis 20 Euro sind für ein neues Exemplar schon zu investieren. Dazu kommt der Ärger darüber, dass jemand nachts im eigenen Garten herumstapft, den man vielleicht schon Jahrzehnte pflegt. Zudem kann das Wasser in der Sparte nun erst wieder angestellt werden, wenn alle Gärtner wieder Hähne montiert haben.

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Der Täter macht unterdessen offenbar weiter: Nachdem in der Nacht zu Montag die Sparte an der Merzdorfer Straße dran war, fehlten Dienstag früh fünf Wasserhähne aus einer Sparte an der Alleestraße - im selben Stadtteil. Auch hier drehte der Dieb zuvor den Haupthahn ab. Und einen Messinghahn, der an einem anderen Strang hing und noch Wasser führte, war am nächsten Morgen nur verdreht: Offenbar hatte der Täter Skrupel, ihn mitzunehmen - ein Dieb mit Gewissen.

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