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Fernbeziehung kommt nicht in Frage

Riesa erhält bald eine neue Pfarrerin. Und auch ihr Mann könnte eine der vielen vakanten Stellen in der Region Riesa-Großenhain besetzen.

Luise-Catharina und Jan Quenstedt freuen sich schon auf ihre neue Arbeit in Riesa und Zeithain.
Luise-Catharina und Jan Quenstedt freuen sich schon auf ihre neue Arbeit in Riesa und Zeithain. © privat

Riesa. Sonntag vor einer Woche hat sich die künftige Riesaer Pfarrerin unerkannt in die Trinitatiskirche begeben. Da wurden die frisch gewählten Kirchenvorstände vorgestellt und eingesegnet. Für die allermeisten Gottesdienstbesucher waren Luise-Catharina Quenstedt und ihr Mann Jan zwei Fremde in der Kirchenbank, die man hier noch nie gesehen hat. Nur ein paar Wenige wussten Bescheid und begrüßten das Paar.

"Mir war es wichtig, an diesem Tag in Riesa zu sein", sagt die 30-Jährige. "Schließlich sind die Kirchenvorstände die Leute, mit denen ich in den nächsten Jahren zu tun haben werde." Und bei diesem Besuch erhielt sie gleich die ersten Eindrücke von ihrer künftigen Arbeitsstelle. "Es scheint eine junge Kirchgemeinde zu sein", sagt sie. Zumindest habe sie in den Bankreihen auch viele Kinder entdeckt.

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Ab 1. März beginnt Luise-Catharina Quenstedt ihre allererste Pfarrstelle in Riesa. Am 7. März soll sie in der Trinitatiskirche ordiniert werden. Dass der damit verbundene Festgottesdienst auf einen Tag vorm Frauentag fällt, hat durchaus Symbolkraft. Denn Frauen als Pfarrer sind auch in der evangelisch-lutherischen Kirche noch stark in der Minderheit. Von den momentan 31 besetzten Pfarrstellen im Kirchenbezirk Meißen-Großenhain sind gerade mal acht mit Frauen besetzt. Luise-Catharina Quenstedt wäre die neunte Pfarrerin im Meißner Land.

Nachfolgerin für Pfarrer Odrich

Sie folgt auf Pfarrer Gunter Odrich. Der 63-Jährige war nach sieben Jahren Dienstzeit in Riesa am 1. Mai in den Vorruhestand getreten. Damit war die Lücke in der Riesaer Trinitatiskirchgemeinde noch größer geworden, als sie vorher schon war. Von den drei hiesigen Pfarrstellen aktuell, sind zwei vakant. Eine davon wird momentan in Vertretung vom Glaubitzer Pfarrer Martin Scheiter ausgefüllt. Die zweite vakante Stelle soll Luise-Catharina Quenstedt übernehmen. Der dritte Pfarrer im Riesaer Trio ist der Strehlaer Pfarrer Johannes Grasemann, der sich aber neben seiner Heimatkirchgemeinde auch um die Stauchitzer Kirchen kümmert. Auf die 30-Jährige kommt also viel Arbeit zu.

Viel weiß die gebürtige Osterzgebirglerin noch nicht von ihrem künftigen Zuhause. Riesa verbindet sie in erster Linie mit der Eisenbahnstrecke Dresden-Leipzig und der Bezeichnung "Sportstadt". Und immerhin weiß sie auch, dass es hier eine Bobanschubbahn gibt. Das habe ihr ihre Schwester erzählt, die Biathletin in Altenberg war und dort wohl einigen früheren Riesaer Bobsportlern begegnet ist.

"Riesa hat auch viele Seniorenheime", sagt Luise-Catharina Quenstedt. Das hat sie bei ihren ersten Erkundungen bemerkt. In ihrer aktuellen Kirchgemeinde in Leipzig, wo sie ihr Vikariat macht, begleite sie ein Projekt für einsame Menschen und Obdachlose. So was könnte sie sich auch in Riesa gut vorstellen. "Aber natürlich will ich für jeden da sein, egal ob alt oder jung", sagt sie. Die 30-Jährige freue sich schon auf die Aufgaben, die sie hier erwarten.

Rückkehr in die Heimatregion

Das Glück der Riesaer Kirchgemeinde ist gleichzeitig auch ein Hoffnungsschimmer für andere Kirchgemeinden im Umfeld. Denn mit der neuen Pfarrerin zieht im März noch ein "Gemeindehirte" in spe in die Region. Ehemann Jan Quenstedt ist Doktor der Theologie und könnte hier in naher Zukunft eine der vakanten Pfarrstellen besetzen. Davon gibt es gerade im Norden und Westen des Landkreises Meißen einige. So werden neben Riesa auch in Gröditz, Wildenhain und Leuben händeringend Pfarrer gesucht.

Der 32-Jährige hat sein Vikariat erst im Herbst in Leipzig begonnen und soll es ab März in der Vereinigten Christuskirchgemeinde Zeithain fortsetzen. Zwei Jahre lang soll er von der dortigen Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg auf die Praxis als Pfarrer vorbereitet werden. Dass er in der Region bleibt, ist sehr wahrscheinlich. "Denn meine Frau und ich sind keine Freunde von Fernbeziehungen", sagt er. Zudem ist er ein gebürtiger Großenhainer und der jüngere Bruder des dortigen Wirtschaftsförderers Tom Quenstedt. Er kennt sich also hier bestens aus.

Für Grit Skriewe-Schellenberg kommt die Verstärkung zur richtigen Zeit. Denn ab dem 1. Januar 2021 gehen die evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden aus Riesa, Strehla, Stauchitz, Hirschstein und Zeithain ein sogenanntes Schwesternkirchverhältnis ein. Die Kirchgemeinden bleiben zwar autonom, wollen aber in einigen Dingen enger zusammenrücken und mehr zusammenarbeiten, wo sich die Gelegenheit dazu bietet. Grit Skriewe-Schellenberg sieht das pragmatisch: "Das, womit sich Kommunen schon seit einiger Zeit beschäftigen, kommt nun auch auf die Kirchgemeinden zu." Verwaltungen werden auf absehbare Zeit kleiner und unterstützen sich gegenseitig.

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