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Wie das Boofen reglementiert werden soll

Nationalpark und Bergsportler verhandeln über schärfere Regeln für das Freiübernachten in der Sächsischen Schweiz. Was bisher dazu bekannt ist.

Von Dirk Schulze
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Boofe in der Sächsischen Schweiz: Offenes Feuer ist wegen der Waldbrandgefahr generell verboten.
Boofe in der Sächsischen Schweiz: Offenes Feuer ist wegen der Waldbrandgefahr generell verboten. © Mike Jäger

Angekündigt waren sie schon länger, nun sollen sie tatsächlich kommen - schärfere Beschränkungen für das Boofen in der Sächsischen Schweiz. Das Umweltministerium des Freistaats will noch in diesem Jahr ein Ticketsystem für das Freiübernachten im Nationalpark einführen, wie Sächsische.de bereits berichtete: Einen legalen Schlafplatz in einer Boofe bekommt dann nur noch, wer vorher online ein Ticket gebucht hat. Die Tickets sind kostenlos, aber in der Menge begrenzt. Wer keins vorweisen kann, riskiert ein Bußgeld.

Regeln für das Boofen existieren schon heute. Auf dem Gebiet des Nationalparks ist das Draußenschlafen nur an 58 speziell dafür ausgewiesenen Stellen erlaubt. Feuer machen ist - wie überall im Wald - verboten, Zelte aufschlagen ebenso. Und: Boofen darf eigentlich nur, wer auch klettert. Daran halten sich in den vergangenen Jahren freilich immer weniger Gäste. Längst ist das Übernachten in der Felskulisse an sich zur Attraktion geworden, befeuert durch unzählige Social-Media-Posts und Magazin-Artikel.

Die Nationalparkverwaltung geht davon aus, dass heute weniger als zehn Prozent der Freiübernachtungen einen Bezug zum Klettersport haben. Immer öfter wird anstelle in den gekennzeichneten Boofen auf Felsriffs mit Aussicht campiert. An schönen Sommerwochenenden können die Nationalpark-Ranger der Erzählung nach Strichlisten führen, was an Bierkästen in den Wald geschleppt wird. Die Folgen sind bekannt: Waldbrände durch illegale Lagerfeuer, Müll, Fäkalien, zerlatschte Natur, und immer weniger Ruhe für die Tiere im Wald.

Pläne zur Sperrung einiger Boofen

Der Nationalpark will das Boofen nun auf ein "mit dem Schutzzweck vereinbares Maß" zurechtstutzen, wie es in einer aktuellen Mitteilung heißt. "Unser Ziel ist es, die negativen Auswirkungen des Boofens auf geschützte Tierarten und die Vegetation zu reduzieren, die Gefahr von illegalen Feuern zu minimieren, sowie eine Lösung zu erarbeiten, die die Tradition des Bergsports und des damit verbundenen Boofens weiterhin ermöglicht", erklärt Nationalparkchef Ulf Zimmermann.

Generell ist es eine Besonderheit der Sächsischen Schweiz, dass das Übernachten im Freien in einem Nationalpark überhaupt gestattet ist. Rechtlich ist dies in der 2002 verabschiedeten Bergsportkonzeption des Nationalparks geregelt, in der auch die Liste der legalen Boofen festgeschrieben ist. Wenn sich daran etwas ändern soll, haben die Bergsportverbände ein Mitspracherecht.

Ebenfalls schon heute nicht erlaubt: Zelten in der freien Natur im Nationalpark.
Ebenfalls schon heute nicht erlaubt: Zelten in der freien Natur im Nationalpark. © Mike Jäger

Ein erstes Treffen zwischen Klettervertretern, Nationalparkverwaltung und Umweltministerium gab es laut einem Bericht im Umweltheft "Sächsische-Schweiz-Initiative" des Sächsische Bergsteigerbunds (SBB) schon im April 2021. Die Bergsportler wurden demnach darüber informiert, dass 15 Boofen komplett gesperrt werden sollen. Als Gründe werden Müll und Erosionsschäden angeführt sowie nächtliche Unruhe in der Natur, was unter anderem die Brut von sensiblen Vogelarten wie dem Wanderfalken oder dem Schwarzstorch stört.

Mehr Personal für Kontrollen im Nationalpark

Die Kletterer kritisieren an den Sperrplänen vor allem, dass dadurch das Problem des Übernachtens außerhalb der zugelassenen Boofen nicht gelöst würde. "Im Gegenteil, denn durch Sperrungen wird das Problem lediglich verlagert und in Zukunft noch öfter an ungenehmigten Plätzen übernachtet", schreibt Autor Johannes Höntsch. Schon jetzt seien die Kontrollen ein personelles Problem. Sperrungen zum Schutz brütender Vögel hingegen würden die Bergsteiger akzeptieren. Sie schlagen deshalb temporäre Sperrungen von Boofen vor, analog dem Konzept der Horstschutzzonen, bei dem bestimmte Kletterfelsen während der Brutzeit nicht begangen werden.

Zudem fordern SBB-Vertreter ein Kommunikationskonzept, um die illegalen Boofer zu erreichen. Die bestehenden Regeln müssten offensiver kommuniziert werden. Die Bergsteiger selbst sollten mit gutem Beispiel vorangehen, und nur im Zusammenhang mit dem Klettern draußen schlafen, nicht als Gaudi mit Freunden.

Die Nationalparkverwaltung kündigt unterdessen an, dass im Zuge des neuen Gesamtkonzepts für das Boofen auch die Nationalparkwacht gestärkt werden soll. Das hieße: mehr Personal für Kontrollen. Noch vor Weihnachten haben Umweltministerium und Nationalparkverwaltung sowie Wander- und Bergsportverbände die offenen Fragen in einer Onlinekonferenz diskutiert. Weitere Gespräche soll es in Kürze mit Naturschutzverbänden, dem Tourismusverband Sächsische Schweiz und den Kommunen geben. Der Nationalpark geht davon aus, dass die neuen Regeln für das Boofen noch in der ersten Jahreshälfte 2022 in Kraft treten.