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Bob-WM und Corona – wie geht das?

Altenberg sorgt in diesen Tagen für ein Novum im Sport und zudem für viele Fragen. Hier die wichtigsten Antworten.

Das Foto stammt aus dem Jahr 2008, hat an Aktualität aber nichts verloren. Thomas Kirsten ist unverändert Altenbergs Bürgermeister, Maskottchen Bobby noch aktiv. Auch die Botschaft passt.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2008, hat an Aktualität aber nichts verloren. Thomas Kirsten ist unverändert Altenbergs Bürgermeister, Maskottchen Bobby noch aktiv. Auch die Botschaft passt. © Archiv: Egbert Kamprath

Altenberg. Und der Sieger ist: Chris Spring. Der kanadische Zweierbobpilot hat im ersten Training der Bob- und Skeleton-WM in Altenberg am Dienstag die schnellste Zeit erzielt, was bestenfalls ein Indiz für die Entscheidung am Wochenende sein könnte. Selten zeigen die Favoriten im Training ihr ganzes Können.

Viel spannender ist diesmal die Startliste: Wer drauf steht, hat den ersten von vier Corona-Tests dieser WM überstanden – mit negativem Ergebnis. Das trifft für alle insgesamt gemeldeten 48 Männer- und Frauenbobteams zu. Die Frage aber, wie diese bis zum 14. Februar andauernde WM in Altenberg und die Corona-Lage im Osterzgebirge mit dem Inzidenzwert von – laut Landkreis – 215 zusammenpassen, steht dennoch. Hier die wichtigsten Antworten.

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Warum findet die WM nach 2020 schon wieder in Altenberg statt?

Es ist ein Novum in der über hundertjährigen Geschichte des Bobsports: zwei Weltmeisterschaften in Folge auf der gleichen Bahn. Geschuldet ist das einem weiteren Novum: Corona. Eigentlich sollte im US-amerikanischen Lake Placid gefahren werden, neben Altenberg die schwierigste Strecke der Welt. Doch aufgrund der Pandemie strich der Weltverband IBSF sämtliche Rennen in Nordamerika, die WM inklusive.

Als Ersatzorte kamen neben Altenberg auch St. Moritz, Innsbruck und Königssee infrage. Weil an den deutschen Verbandssitz aber schon die Rodel-WM verlegt wurde (anstelle des kanadischen Whistler) und die Funktionäre aufgrund der Kürze der Zeit inmitten der weltweit angespannten Lage auf die deutschen Organisationsweltmeister nicht verzichten wollten, erhielt erneut Altenberg den Zuschlag.

Die Corona-Situation ist unverändert kritisch. Wie ist da diese WM möglich?

Ein weiteres Kriterium, als im September 2020 über die WM-Verlegung entschieden wurde, war das Infektionsgeschehen – und vor einem halben Jahr speziell der Osten Deutschlands ein weitgehend weißer Fleck auf der Pandemie-Karte. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert.

Trotz der immer wieder neuen Corona-Schutzverordnungen, die seit 1. November 2020 in Sachsen gelten, stand eine WM-Absage nie zur Diskussion – genauso wenig wie für den Rodel-Weltcup Anfang Dezember in Altenberg und den Ski-Weltcup am Dresdner Elbufer eine Woche später.

Diese Veranstaltungen zählen wie auch Handball-, Volleyball-, Basketball- und Eishockeyspiele der höchsten zwei deutschen Ligen sowie der Fußball in den Ligen eins bis drei zum Profisport, für den Ausnahmen gelten verbunden mit strengen Hygiene-Auflagen. Bei der Umsetzung setzen alle Beteiligten auf eine weitere oft beschworene deutsche Tugend: die Gründlichkeit.

Organisatorisch bleibt es aufgrund der Begleitumstände ein Kraftakt. „Im vergangenen Jahr konnten wir Dinge gestalten, diesmal reagieren wir auf sich regelmäßig ändernde Verordnungen“, sagt Bahn- und WM-Chef Jens Morgenstern.

Welche Corona-Regeln gelten während der WM?

Insgesamt zehn dicht beschriebene DIN-A4-Seiten umfasst das Hygienekonzept. Darin festgelegt sind Zutrittsregeln zur Bahn, das Verhalten im Start- und Zielbereich sowie beim Athletiktraining und der Physiotherapie bis hin zur Personenzahl pro Team. Den Hauptteil der Vorbereitungen, so Morgenstern, nimmt die Corona-Testung ein. „Ohne negativen Test kommt keiner an die Bahn, egal ob es der Weltmeister ist oder ein Bahnarbeiter“, betont er.

Am Montagnachmittag gab es die erste Testreihe für alle an den Zweierbob-Entscheidungen beteiligten Personen (Sportler, Trainer, Betreuer, Kampfrichter, Bahnarbeiter), eine weitere folgt am Donnerstag. Nächste Woche, wenn Viererbob und Skeleton hinzukommen, wiederholt sich das Prozedere. Macht in Summe etwa 2.500 Tests.

„Wir halten uns an die Verordnungen und setzen die Maßnahmen konsequent um“, erklärt Morgenstern und stellt fest: „Letztes Jahr war schöner.“ Er meint das vor allem atmosphärisch. Denn Zuschauer sind diesmal strikt verboten. Auch das bei solchen Veranstaltungen übliche Rahmenprogramm fällt aus.

Eine Eröffnungsveranstaltung gibt es am Donnerstagabend dennoch – virtuell, mit einem gut 20-minütigen Video. Um 20.21 Uhr wird IBSF-Präsident Ivo Ferriani die WM dann offiziell für eröffnet erklären.

Kann man die WM-Entscheidungen dennoch miterleben?

Ja, zum einen im Fernsehen. ARD und ZDF sind bei Entscheidungen live dabei, entweder im Hauptprogramm oder mit Internet-Livestreams. Zum anderen werden Sächsische Zeitung und Sächsische.de aktuell und hintergründig von der WM berichten, unter anderem mit dem Podcast Dreierbob. Los geht es am Donnerstag.

Wer sind die Favoriten – außer den Deutschen mit ihrem Heimvorteil?

Heimvorteil? Francesco Friedrich widerspricht entschieden. Ohne Fans sei das keine Heim-WM. „Na klar kenne ich die Bahn in- und auswendig, das gilt aber auch für viele andere Bahnen“, sagt der Rekordweltmeister aus Pirna, der im Vorjahr im Zweier mit großem Vorsprung gewann und sich im Vierer denkbar knapp durchsetzte. Diesmal ist Friedrich nach zuletzt 15 von 16 möglichen Weltcup-Siegen mehr denn je der Favorit.

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Bei den Frauen, die am zweiten WM-Wochenende zudem erstmals im Monobob antreten, sind die beiden US-Amerikanerinnen Kaillie Humphries und Elana Meyers Taylor die Hauptkonkurrentinnen für die vier deutschen Pilotinnen Kim Kalicki, Laura Nolte, Stephanie Schneider und Mariama Jamanka. Weitgehend offen sind dagegen die Entscheidungen im Skeleton, die ab nächste Woche Freitag fallen.

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