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„Zuschauer in den Play-offs sind nicht mein Thema“

Alexander Waibl will mit den DSC-Volleyballerinnen ins Finale, sieht im Interview eine mögliche Fan-Rückkehr in Dresden aber kritisch.

Grüßt man noch? Auf den Tribünen sieht Alexander Waibl derzeit nur ein paar wenige Zuschauer, die auch in die Spieltagsorganisation eingebunden sind.
Grüßt man noch? Auf den Tribünen sieht Alexander Waibl derzeit nur ein paar wenige Zuschauer, die auch in die Spieltagsorganisation eingebunden sind. © kairospress

Dresden. Geht es nach den Optimisten, müssen die Volleyballerinnen des Dresdner SC nur noch einmal gewinnen. Dann stünden sie im Finale um die deutsche Meisterschaft. In der ersten von maximal drei möglichen Partien hat sich die Mannschaft von Trainer Alexander Waibl vergangenen Samstag beim Angstgegner SC Potsdam mit 3:1 durchgesetzt. Das zweite und womöglich schon entscheidende Spiel ist für Mittwoch, 17.30 Uhr, in der Margon-Arena angesetzt. Verliert der DSC allerdings, steht am Donnerstag ein drittes Entscheidungsspiel erneut in Dresden an.

Das Play-off-System ist coronabedingt ebenso gewöhnungsbedürftig wie die gesamte Saison. Die Aussicht auf Zuschauer ist zumindest dem Trainer jetzt aber egal, wie er im Interview erklärt.

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Herr Waibl, am vergangenen Mittwoch haben Berlins Bundesliga-Volleyballer im Play-off-Halbfinale gegen Düren im Rahmen eines Modellprojekts vor 800 Zuschauern gespielt. Wie stehen Sie dazu?

Für mich ist klar: Es existieren Hygienekonzepte, die sind von allen eingeführt, da haben sich alle Mühe gegeben. Wenn es also so eine Möglichkeit gibt, muss man die nutzen. Ansonsten wird ein relativ normales Leben in nächster Zeit nicht mehr stattfinden.

Ist das ein Aufruf an Dresden, auch ein solches Modellprojekt zu starten?

Nein, gar nicht. Mir ist das für den Rest der Saison wirklich wurscht. Wenn wir jetzt plötzlich Zuschauer in der Halle haben, ist das auch plötzlich total ungewohnt. Mir ist es natürlich nicht egal für unsere Fans, aber in der jetzigen Phase der Saison sehe ich Vor- und Nachteile. Ich kann für meine Mannschaft nicht einschätzen, ob es gut oder schlecht wäre – deshalb ist es mir egal. Natürlich wünschen wir uns mittelfristig alle, dass wieder Menschen bei Kultur- und Sportveranstaltungen dabei sein dürfen. Das ist in den Play-offs nicht mein Thema. Für uns ist das nichts, mit dem wir uns jetzt auseinandersetzen.

Ihre Mannschaft hat die Bundesliga-Hauptrunde als Spitzenreiter abgeschlossen. Dennoch sagen Sie, dass es jetzt im Play-off-Halbfinale keine Favoriten mehr gibt. Weshalb?

Weil ich nicht sage, dass wir besser besetzt sind als Potsdam. Der SC hat eine sehr teure, sehr ausgeglichene, erfahrene Mannschaft. Für mich sind jetzt alle vier Teams – Stuttgart und Schwerin im anderen Halbfinale eingeschlossen – auf Augenhöhe. Potsdam hat Stuttgart aus dem Pokal geworfen und gegen Schwerin immer enge Spiele geliefert. Das Pokalfinale muss man nicht werten, da hat Potsdam ohne erste Zuspielerin agiert. Das ändert nichts daran, dass wir gern ins Finale wollen. Als Außenseiter würde ich uns jetzt nicht bezeichnen. Potsdam ist aber auch kein Underdog.

In der Hauptrunde hat der DSC gegen Potsdam 0:3 verloren und 3:0 gewonnen. Lassen sich daraus überhaupt wichtige Rückschlüsse ziehen?

Ich glaube nicht. Die Spiele fanden in Phasen statt, in der eine der Mannschaften nicht in guter Verfassung war. Wir hatten Potsdam hier in der Weihnachtszeit, in der sie nicht gut drauf waren und mit einer Zuspielerin agierten, die sie jetzt nicht mehr haben. Sie haben uns direkt nach der Vorbereitung erwischt, in der wir eine zweiwöchige Quarantäne überbrücken mussten.

Ihre Kapitänin Lena Stigrot hat gesagt, dass in den Duellen gegen die stärksten Teams der Liga die Tagesform entscheidet. Was kann man als Trainer dafür tun, dass die stimmt?

Viele Faktoren kann man nicht beeinflussen. Das hängt davon ab, wie sich die eine oder andere Spielerin an dem Tag gerade fühlt, wie es im Training davor gelaufen ist und auch, wie man in das Spiel findet. Einige Spielerinnen hängen an dem, was vorher war, andere weniger. Was wir tun können: Für die nötige Frische sorgen, also im Training nicht allzu viel zu machen, um dann vielleicht müde in so eine Partie zu gehen. Auf der anderen Seite, und das macht die Aufgabe so schwer, brauchst du im Vorfeld die nötigen Kontakte, um die Sicherheit am Ball zu haben und damit ein gutes Gefühl, wenn du den Ball spielen musst. Dazwischen bewegt sich das.

Ihr Team wirkte zuletzt in Potsdam frisch und mental topfit. Wie haben Sie das gemacht?

Wir haben nach dem letzten Viertelfinale gegen Aachen zwei Tage freigegeben – und sind am Dienstag wieder eingestiegen. Wir versuchen, die Sprungbelastung im Training zu reduzieren und etwas kürzer zu trainieren, um die Beine frisch zu halten.

Vor dem souverän gewonnenen Viertelfinale gegen Aachen sprachen Sie von einem erheblichen Nachteil, dass ihr Team als besser platzierte Mannschaft zuerst auswärts antreten muss. Sehen Sie das immer noch so?

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Das sieht niemand anders, und das bestreitet auch keiner, dass es ein Nachteil für die bessere Mannschaft ist. Zwischen Spiel eins und zwei gegen Potsdam liegt jetzt jedoch kein Nachteil. Ein großes Problem hätten wir, wenn wir das erste Spiel nicht gewonnen hätten. Denn dann musst du innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Siege einfahren. Wenn du das erste Spiel gewonnen hast, kannst du mehr Nutzen daraus ziehen. Der Sieger schläft immer auch ein bisschen besser als der Verlierer. Fairer wäre sicherlich, wenn zwischen dem zweiten und möglichen dritten Spiel ein Tag Pause läge. Aber darüber müssen wir nicht diskutieren. Die Situation ist jetzt so, wie es ist, wir nehmen sie an.

Das Gespräch führte Alexander Hiller.

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