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Das lange Warten des Dynamo-Neuzugangs

Pascal Sohm stand für die Dresdner in der 3. Liga noch keine Minute auf dem Platz und fürchtet, dass er beim Kampf um einen Stammplatz deshalb Nachteile hat.

Pascal Sohm muss auch im Training einstecken – wie hier bei der Vorbereitung im Camp in Heiligenstadt.
Pascal Sohm muss auch im Training einstecken – wie hier bei der Vorbereitung im Camp in Heiligenstadt. © Lutz Hentschel

Dresden. Erst, als das Dresdner Gesundheitsamt keinerlei Einwände hatte, konnte Dynamos Mannschaftsbus am Freitagvormittag starten. Siebeneinhalb Stunden dauert die Fahrt ins Saarland zum Auswärtsspiel beim 1. FC Saarbrücken – ohne Stau. Dass die Partie beim Aufsteiger und Tabellenführer am Samstag angepfiffen werden kann, war lange unklar. Nach zwei positiven Corona-Tests am Dienstag kam am Donnerstag ein weiterer dazu. Allerdings soll es sich dabei um „eine Person aus dem Umfeld der Drittliga-Mannschaft“ handeln, also einen Trainer oder Betreuer. Wohl auch deshalb legte die Behörde kein Veto ein.

Pascal Sohm saß mit im Bus. Es könnte zumindest für einen Kurzeinsatz reichen. Er erlebte bei seinem neuen Verein eine Situation, die völlig ungewohnt für ihn war. Vergangene Saison hatte der Stürmer, da noch beim Halleschen FC unter Vertrag, zwei Drittliga-Partien verpasst, in der Spielzeit davor sogar nur eine. Nun sind es schon acht. 17 Minuten zum Auftakt beim Pokalsieg gegen den Hamburger SV stand Sohm auf dem Platz und sah eine Gelbe Karte. Das ist sein kompletter Arbeitsnachweis seit dem Wechsel nach Dresden.

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„Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt“, sagt der 29-Jährige, der am Montag seinen Geburtstag gefeiert hatte. „Der Start war schwierig.“ Nach seinem Kurzeinsatz gegen den HSV saß er bei den ersten beiden Punktspielen auf der Bank. Danach bekam er im Training einen Schlag auf den Knöchel, knickte um. Markus Kauczinski zählte ihn stets auf, wenn der Trainer nach dem Personal gefragt wurde, das beim nächsten Spiel nicht zur Verfügung steht. Sprunggelenksprobleme hieß es immer zur Begründung.

Das klingt ein wenig nebulös, aber vor allem nicht so, dass man deshalb mehr als einen Monat ausfällt. Mit MRT, Ultraschall und Röntgen wurde versucht, die Ursache für die Schmerzen zu finden. „Gerissen oder gebrochen war nichts. Allerdings hat er sich ein Knochenödem zugezogen, also eine Art blauer Fleck im Knochen. Das entstehende Druckgefühl ist sehr schmerzhaft“, erklärt Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi. „Außerdem kam es dadurch zu biomechanischen Veränderungen im Fußskelett, die durch unsere Physiotherapie behoben wurden.“ Und das brauchte Zeit, erforderte Geduld. „Ich musste das aussitzen und warten, bis ich komplett schmerzfrei war. Hätte ich vorher angefangen, hätte ich die Sache nur verzögert“, meint Sohm. „Die Ungewissheit, wann der Zeitpunkt kommt, machte es vom Kopf her schwierig und war ein bisschen frustrierend.“

Mit 29 nur einmal länger verletzt ausgefallen

Seit dieser Woche trainiert Sohm wieder mit der Mannschaft. Überstürzen will er jedoch nichts, sondern schauen, „wie der Körper reagiert“. Mit 29 hat er da reichlich Erfahrung gesammelt. Zudem ist er quasi vom Fach. Nach dem Abitur, als Fußball noch nicht Beruf, sondern nur Hobby war, studierte er an der Uni Stuttgart Sportwissenschaften. Das Hintergrundwissen helfe ihm generell bei seiner Karriere, findet er. „Ich weiß dadurch, welche Prozesse im Körper ablaufen und welche Faktoren begünstigend wirken.“ So achtet er sehr auf seine Ernährung, auf die Erwärmung vor dem Training und auf die Behandlungen danach. Womöglich ist das ein Grund, warum er in seiner Karriere nur einmal wirklich länger ausfiel, als er sich 2015, damals noch bei Sonnenhof Großaspach aktiv, das Syndesmoseband anriss.

Bei Dynamo ist die Ausfallzeit nun wesentlich kürzer, dafür der Zeitpunkt am Beginn einer Saison ungünstig. Das ahnt Sohm. „Wenn sich die Mannschaft gefunden und eingespielt hat, könnte es für mich schwerer werden, da einen Platz zu finden.“ In den ersten Wochen spielen sich Automatismen ein. Da lernt man, welche Art von Pässen die Nebenleute mögen und welche nicht. „Wenn man da nicht Teil der Mannschaft sein kann, nicht im Gefüge drin ist, wird es schon schwierig.“

Die Frage ist auch, wo genau Sohms Platz bei seiner Rückkehr ist. In der Vorbereitung hatte ihn Kauczinski fast ausnahmslos als rechten Flügelstürmer aufgeboten, auf der Position also, die bisher meist Agyemang Diawusie besetzt hatte und zuletzt auch Ransford-Yeboah Königsdörffer. Marvin Stefaniak könnte dort ebenfalls spielen. An Konkurrenz mangelt es also nicht – Sohm aber auch nicht an Selbstbewusstsein. „Ich werde natürlich um einen Stammplatz kämpfen. Diesen Anspruch hat jeder im Kader“, sagt er.

Helfen könnte ihm dabei seine Flexibilität. In Halle stürmte er in einer Doppelspitze. Sohm wäre also auch eine Alternative, wenn Kauczinski das System mal umstellen sollte. Ihn zeichne aus, dass er „in der Offensive variabel einsetzbar ist und sowohl über einen starken Abschluss als auch ein gutes Auge für seine Mitspieler verfügt“, hatte Sport-Geschäftsführer Ralf Becker den Neuzugang im Juli gelobt.

Zuletzt hatte der in Künzelsau geborene Württemberger mehr Freizeit. Langweilig wurde ihm aber nicht, selbst wenn Freundin Alisa, eine Yoga-Lehrerin, nicht mit nach Dresden gezogen ist und die Corona-Regeln die Freizeitaktivitäten einschränken. „Ich passe schon auf, dass mir die Decke nicht auf den Kopf fällt“, sagt er.

Die unter Fußballern beliebten Computerspiele mag er nicht so, dafür Bücher, besonders Fachliteratur. „Ich versuche, mich im Sport auf dem Laufenden zu halten, nicht zu stagnieren“, erklärt er. „Es gibt da immer neue Studien und auch eine Zeit nach der Profikarriere.“

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Beendet ist die aber noch lange nicht. Möglichst bald will Sohm sein 172. Spiel in der 3. Liga bestreiten. Schmerzfrei.

Hier der Liveticker vom Spiel am Samstag ab 14 Uhr.

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