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Das sagt der Handball-Torwart zu seinem Dresden-Abschied

HC-Elfblorenz-Torhüter und -Kapitän Mario Huhnstock sagt: „Ich wäre gerne hiergeblieben“ und erklärt die Hintergründe seines Abschieds.

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Ach du Schreck: Kapitän Mario Huhnstock wurde von den Personalplanungen seines HC Elbflorenz offenbar überrascht.
Ach du Schreck: Kapitän Mario Huhnstock wurde von den Personalplanungen seines HC Elbflorenz offenbar überrascht. © Archiv: Lutz Hentschel

Dresden. Am späten Mittwochabend zog der Verein endlich nach und bestätigte, was der Kapitän über seine Social-Media-Profile fünf Tage zuvor verkündet hatte. Mario Huhnstock, Kapitän des Handball-Zweitligisten HC Elbflorenz, geht nach der laufenden Saison von Bord und mithin in die Vorbereitung auf die letzte Halbserie mit dem ambitionierten Verein, bei dem er seit 2017 spielt.

Der Klub stellte am Donnerstag postwendend den Nachrücker vor: Marino Mallwitz kommt im Sommer vom Liga-Rivalen DJK Rimpar. Der 25-Jährige unterzeichnete einen Vertrag bis 2025. Grund genug, beim quasi ausgemusterten Vorgänger Huhnstock (35) nachzufragen.

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Mario Huhnstock, weshalb verlassen Sie nach der Saison den Verein?

Ich wäre gern hiergeblieben, das ist auch kein Geheimnis. Das war nicht meine Entscheidung.

Das heißt, Sie haben kein neues Angebot für Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag erhalten?

Es gab ein Angebot des Vereins, das habe ich nicht angenommen. Wir konnten uns nicht einigen.

Das lässt Interpretationsspielraum: Hat der Klub sein Angebot reduziert?

Das haben Sie jetzt gesagt. Ich werde mich dazu nicht äußern. Ich kann nur sagen, dass ich nicht weiß, wo die Beweggründe sind. Das offizielle Statement ist, das wurde mir auch so gesagt, dass sich der Verein auf der Position verjüngen will. Bei einem Torhüter, der bald 35 wird, ist das ein Argument. Ich persönlich sehe das anders.

Wie denn?

Natürlich ist die Perspektive, wenn man mit einem 36-jährigen Torhüter plant, vielleicht begrenzter oder risikobehafteter, als wenn man mit einem Schlussmann antritt, der Mitte 20 ist. So oder so kann man dauerhaft verletzt sein und wenig Spiele machen. Ich sehe aber ein paar wichtige Fakten, die für mich sprechen würden: Ich habe nicht wirklich irgendwelche Spiele aufgrund von Verletzungen verpasst. Zumindest was die körperlichen Werte angeht, bin ich sehr weit vorn. Aber das sind zwei Seiten: Die perspektivische Ausrichtung des Vereins – die Sicht des Spielers. Ich tue mich schwer damit und denke, dass man einen Weg gefunden hätte. Solche Entscheidungen muss man akzeptieren.

Wollen und werden Sie Ihre Profi-Karriere fortsetzen?

Ich finde, dass ich aktuell noch jeder Zweitliga-Mannschaft helfen kann. Meine letzte Saison war meine beste hier – und auch das halbe Jahr, in dem ich auf meiner Position teilweise allein durchgegangen bin, war nicht schlecht, glaube ich. Immer wenn man bedenkt, dass man Spiele auch durchspielen muss, selbst wenn man nicht ganz so gut drauf ist. Ich bin mit den Statistiken dieser Serie nicht unzufrieden – besser geht es natürlich immer. Deshalb tue ich mich schwer damit, als Profi aufzuhören. Richtig und wichtig ist auch, dass ich eine Tochter habe, die in Dresden an die Oberschule geht, und ich Alternativen neben dem Profisport in Betracht ziehe. Was für mich feststeht: Ich will im Jugendbereich im Handball als Trainer meine Trainerscheine und -ausbildungen weitermachen. Dann gucken wir, ob das mit Profihandball vereinbar ist. Das Gesamtpaket muss stimmen. Ich höre auf meinen Bauch und mein Herz, was der richtige Weg ist.

Sie hatten in Ihren Abschiedszeilen verkündet, dass Ihre Zeit als Spieler beim HC Elbflorenz diesen Sommer enden wird. Sie betreuen auch ein Jugendteam des Vereins. Bleiben Sie in Dresden?

Mit dem Verein gab es noch keine Gespräche in diese Richtung. Die Familie spielt eine große Rolle. Unsere große Tochter Martha ist wie gesagt erst vor einem halben Jahr auf die Oberschule gewechselt, ich würde mich sehr schwertun, sie für kurzfristige Sachen hier herauszureißen. Meine Frau arbeitet hier, unsere kleine Tochter Ida ist gebürtige Dresdnerin.

Sie sind Kapitän der Mannschaft, wollen Sie das Amt unter den neuen Umständen weiter ausfüllen?

Ich bin nicht als Kapitän bestimmt worden, was ich gut finde, das war hier mal anders, sondern ich bin von der Mannschaft gewählt worden. Es gibt keine Gründe, weshalb ich die Vertretung des Teams nicht weiter wahrnehmen sollte.

Ihr Team rangiert auf Platz neun. Was erhoffen Sie sich sportlich von Ihrer letzten Halbserie beim HC Elbflorenz?

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Fakt ist, dass wir einen Tick unter unseren Möglichkeiten geblieben sind, ein paar Punkte verschenkt haben. Es gibt ein paar Sachen, in denen wir uns weiterentwickeln wollen, an denen wir direkt am zweiten Trainingstag auch schon gearbeitet haben. Ich hoffe einfach, dass das Zusammenspiel insgesamt ein bisschen besser wird, weil das im letzten Jahr unsere große Stärke war – der Balltransport auch unter Druck. Das hat ein bisschen gelitten. Mit ein, zwei geschlossenen Bausteinen kannst du die knappen Spiele gewinnen.

Das Gespräch führte Alexander Hiller.

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