merken
PLUS Bob-WM 2021

Fünf Geheimnisse von Rekordweltmeister Friedrich

Seine Anfänge mit Bruder David, das Missgeschick von St. Moritz, dazu die Handschuhe, der Aufkleber und die neue Sirene: Der Bobpilot aus Pirna packt aus.

Die Liste seiner Erfolge und Rekorde wird immer länger, und oft genug ist davon geschrieben worden. Es gibt aber auch Geschichten, die Francesco Friedrich bislang eher für sich behalten hat.
Die Liste seiner Erfolge und Rekorde wird immer länger, und oft genug ist davon geschrieben worden. Es gibt aber auch Geschichten, die Francesco Friedrich bislang eher für sich behalten hat. © dpa (2), Screenshot, Förster

Altenberg. Am Tag nach seinem Triumph taucht der Rekordweltmeister ab. Raus aus Altenberg, Abstand gewinnen, sich fallen lassen, zumindest ein paar Stunden mal nicht an Bob denken, so gut das bei einem Perfektionisten wie ihm eben geht. Francesco Friedrich verlässt das Teamhotel in Oberbärenburg und fährt nach Hause, was bei der Heim-WM praktischerweise gerade mal gut 50 Kilometer bedeutet.

In Pirna bei seiner Frau Magdalena und den zwei Söhnen verbringt er den Montag. „Meine Familie gibt mir Kraft“, hat er vor einiger Zeit schon gesagt, und viel mehr ist ihm dazu auch nicht zu entlocken. Geht es um die Familie, wird Friedrich einsilbig. Beruf und Privates trennt er konsequent.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Doch selbst im Sport gibt es ein paar Dinge, die Friedrich bislang eher für sich behalten hat und die vom Ausnahmeathleten noch nicht so bekannt sind. Fünf Punkte, die über die Auflistung seiner vielen Rekorde und Bestleistungen hinausgehen.

Mit Bruder David zu Silber bei der Junioren-WM

Schon als Zweijähriger, das hat er kürzlich dem MDR erzählt, saß der gebürtige Pirnaer zum ersten Mal im Bob. Beim Spaziergang mit den Eltern in Zinnwald krabbelte Friedrich in den dort stehenden Schlitten, natürlich gleich bis nach ganz vorne an die Lenkseile, sein vier Jahre älterer Bruder David dahinter. Es ist der Beginn einer großen Leidenschaft von beiden.2011, bei der Junioren-WM am 6. Februar in Park City, gewinnen die Brüder zusammen die Silbermedaille im Viererbob. Tags zuvor fährt der 20-jährige Francesco seinen ersten internationalen Titel ein: Junioren-Weltmeister im Zweier.

Bruder David, mittlerweile sächsischer Skeleton-Landestrainer, hat seine Bobpiloten-Karriere zu diesem Zeitpunkt allerdings schon hinter sich. Im Dezember 2005 stürzte er beim Training in Altenberg, erlitt schwere Kopfverletzungen und lag mehrere Tage im Koma. Im Jahr darauf beginnt Francesco – mit Vollendung des dafür notwendigen 16. Lebensjahres – seine Ausbildung zum Bobpiloten.

Erst dieses Missgeschick in St. Moritz, dann der Triumph

Altenberg, das gehört zum Bobgrundwissen, ist das Mekka der Sportart (erst recht, wenn Zuschauer an die Bahn dürfen). Die Wiege aber steht in St. Moritz, der weltweit einzigen noch betriebenen Natureisbahn. Passt also, dass Friedrich hier am 21. Januar 2011 seinen ersten Weltcup-Einsatz haben soll. Zusammen mit Jannis Bäcker steht er am Start – und wird schon wenige Meter danach disqualifiziert.

Anschieber Bäcker rutscht beim Loslaufen aus, schafft es nicht mehr in den Bob, der deshalb dann auch in der Bahn hin und her rutscht. Nur macht Friedrich dafür einen anderen Grund aus: „Das Eis sah anders aus als im Training, ich dachte, es sei einfach rutschiger“, erzählt er rückblickend. Erst als Bahnarbeiter und Trainer im Ziel eindringlich signalisieren, das Tempo zu drosseln, wird er stutzig: „Ich habe mich umgedreht und festgestellt, dass Jannis nicht da ist. Also bin ich nach hinten gewechselt und habe gebremst. Das war verrückt, das werde ich nie vergessen.“

Am nächsten Tag im Vierer klappt es besser: Platz zehn. Und ein Jahr später beginnt die Siegesserie, die bis heute anhält: Friedrich wird – angeschoben von Bäcker, der später auch sein Trauzeuge ist, im Februar 2013 Zweierbob-Weltmeister, mit 22 Jahren und 270 Tagen als Jüngster in der Geschichte der Sportart. Sein Kommentar damals: „Was soll ich sagen, ist halt so.“

Markenzeichen: schwarzer und weißer Handschuh

Olympia 2014 ist ein einschneidendes Erlebnis für Friedrich: Seine Form mag noch stimmen. Das Material aber passt gar nicht, nur wirklich darum gekümmert hatte er sich auch nicht, es war damals mehr Verbandssache. Chancenlos fährt er hinterher, belegt die Plätze sechs (Zweier) und acht (Vierer) und schwört sich: Nie wieder von anderen abhängig sein – auch nicht vom Glück, schon gar nicht vom Aberglauben.

Der schwarze Handschuh, den er seit dieser Saison immer rechts trägt, und der weiße an der linken Hand sind daher mehr Markenzeichen als Glücksbringer. „Das ist spontan entstanden. Ich wollte nicht so sein wie die anderen und fand, das sieht witzig aus“, erklärt der 30-Jährige. Die Handschuhe sind Spezialanfertigungen des Verbandsausrüsters Seiz, und Friedrich hat gleich ausreichend bestellt.

Finanzielle Unterstützung für einen Österreicher

Bobfahren ist ein kostspieliges Unterfangen. Ein Zweier kostet bis zu 50.000 Euro, der Vierer fast das Doppelte, Kufen nicht eingerechnet. Friedrich, angestellt bei der Bundespolizei, hat ein Sponsorennetz aufgebaut, wird von der Sporthilfe unterstützt und auch vom deutschen Verband.

In Österreich ist das anders – und Friedrich deshalb jetzt Förderer seines Konkurrenten Benjamin Maier. „Benni hat vor zwei Jahren ein Crowdfunding Projekt gestartet, um weiter Bobfahren zu können. Da habe ich zu ihm gesagt, wenn du den Aufkleber vom Bobteam Friedrich auf deinen Schlitten machst, unterstütze ich dich“, erzählt Friedrich.

Aus einer fixen Idee und anfänglich, so ist zu hören, 1.000 Euro ist längst mehr als eine offizielle Kooperation geworden. „Was anfangs ein Support für einen Nachwuchspiloten aus Österreich war, ist heute ein guter Freund, mit dem es Spaß macht, sich zu messen“, sagt Friedrich. Und er gibt Entwarnung, nachdem Kumpel Benni im roten Zweier mit dem markanten schwarz-rot-gelben Aufkleber bei der WM gestürzt war: „Alles gut. Im Vierer ist er wieder dabei, das wird ein richtig enges Rennen.“

Neue Sirene: Bahn frei, der Rekordweltmeister kommt

Der Ton ist nicht zu überhören. Genauso soll es sein, sagt Friedrich über die Musik aus dem Film „The Purge“, die jetzt immer gespielt wird, wenn sein Team am Start steht. Ertönt jene Sirene, so die Handlung des Thrillers, ist für zwölf Stunden alles erlaubt. „Das fanden wir gut. Wenn die Sirene an der Bahn läuft, haben wir uns überlegt, sollen alle wissen: Team Friedrich ist da, jetzt gibt es für die anderen nichts zu gewinnen“, erzählt der Pilot.

Weiterführende Artikel

„Besser hätte es für uns nicht laufen können“

„Besser hätte es für uns nicht laufen können“

Bob-Rekordweltmeister Francesco Friedrich aus Pirna zieht Bilanz und sagt, was bei Olympia 2022 in Peking drin ist. Ein Gespräch nach einer besonderen Saison.

Chinas Heimvorteil kann Friedrich stoppen

Chinas Heimvorteil kann Friedrich stoppen

Als erster Bobpilot will er zwei Olympiasiege wiederholen. In Peking hat ausgerechnet ein Deutscher etwas dagegen. Corona hilft den Chinesen auch.

Bob-WM: Friedrich triumphiert doppelt

Bob-WM: Friedrich triumphiert doppelt

Rekordweltmeister Francesco Friedrich ist eine Klasse für sich. Mit seinem Vierer-Team fährt er in Altenberg seinen elften WM-Sieg ein - trotz einiger Fehler und Missgeschicke.

Warum Friedrich seinem größten Konkurrenten hilft

Warum Friedrich seinem größten Konkurrenten hilft

Der Bob-Rekordweltmeister aus Pirna unterstützt einen Österreicher, der seine WM-Siegesserie jetzt beenden könnte. Der Bundestrainer reagiert gelassen.

Der Effekt ist tatsächlich eingetreten, wie Bundestrainer René Spies bestätigt hat: Läuft die Sirene, rollen die anderen Trainer mit den Augen und drehen ab. Denn dann kommt der Rekordweltmeister. Das nächste Mal zu erleben am Samstag in Altenberg.

Mehr zum Thema Bob-WM 2021