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Warum leuchten hier Pilze, Herr Gille?

Knicklichter sind schön bunt, aber giftiger Sondermüll. Es geht auch anders mit dem Leuchten.

Mystisch grünes Leuchten im Labor. Es ist ein Pilz. © Thomas Kretschel

Herr Gille, Sie bringen Pilze zum Leuchten, die meisten anderen essen sie lieber. Gehen Sie regelmäßig auf Pilzsuche?

Nein, eigentlich nicht. Ich fahre regelmäßig mit meinem Fahrrad durch den Wald, da steige ich aber eigentlich selten gewollt ab.

Wie sieht denn so ein leuchtende Pilz überhaupt aus?

Es ist oft Holz, das man sieht. Der Pilz ist darin und darauf. Es handelt sich dabei oft um ein vom Pilz zerfressenes, ziemlich morsches Holz, weil der Pilz sich von dem Holz ernährt und leuchtet. bei uns im Labor haust er in einer Petrischale.

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Kann man so einfach auf Leuchtpilzsuche gehen und wird fündig in unseren Wäldern?

Das schon, wenn man sehr genau hinschaut, aber es wird dann auch immer ziemlich spät. Da verzichte ich lieber drauf. Ich brauche meinen Schlaf.

Und wo genau findet man solche Pilze?

Unserer ist meist an Eichen zu finden. Diese Pilze leuchten aber nie bunt, sondern immer grün. Mit so einem richtig schönen Hexen-Giftgrün.

Mal ehrlich: Wie kommt man auf so ’ne Idee, in ein Knicklicht einen leuchtenden Pilz hineinzupacken?

Es gab schon auch noch andere Überlegungen: Wir hatten zunächst an Glühwürmchen gedacht. Aber das wäre nicht vegan gewesen, daher der Pilz. Mit denen kennen sich die Kollegen auch viel besser aus.

Nun hat ja so ein Pilz keinen Schalter, wie bekommen Sie den dann überhaupt zum Leuchten?

Wir müssen uns da in der Tat noch was einfallen lassen. Aber wir wissen bereits, dass das Leuchten nur bei bestimmten Bedingungen stattfindet. Fehlen sie, leuchtet nichts. Und damit haben wir schon eine Art Schalter gefunden.

Wie lange leuchtet so ein Pilz überhaupt?

So lange es ihm gut geht und er genügend Nahrung, also Holz, hat.

Was sind die größten Herausforderungen, bis es das Pilzknicklicht im Handel gibt?

Den Pilz erst einmal so weit zu bekommen, dass er möglichst hell leuchtet und nicht nur vor sich hin schimmert.

Wann kann ich solch ein Licht erstmals im Outdoorladen kaufen?

Ich schätze so etwa in anderthalb Jahren können wir ein paar Probesets hinbekommen.

Foxfire heißt das Forschungsprojekt, kommt da außer dem Leuchtpilz noch ein weiteres Pilzprodukt?

Im Moment haben wir schon damit genug zu tun. Aber genug Ideen haben wir.

Sven Gille ist Wissenschaftler der TU Dresden. Seit 2015 arbeitet er als Produktentwickler an der Professur für Holztechnik.

Interview: Stephan Schön

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Skurriler geht's kaum. 50 Sekunden im Fahrstuhl aufwärts, es bleiben genau elf Stockwerke Zeit, eine wichtige Erfindung oder Idee vorzustellen. Wir haben es bei Sächsische.de im Dresdner Haus der Presse gefilmt. Dann öffnet sich die Fahrstuhltür, und nichts geht mehr. Schnitt, aus. Der Elevator-Pitch mit den Erfindern ist hier im Video zu sehen. Seinen Ursprung hat das Ganze darin: Erst mal muss man eine richtig gute Idee haben, und dann zufällig eine wichtige Person im Fahrstuhl treffen. Es bleibt genau diese Zeit, um von der Idee oder dem Produkt zu überzeugen. Kommt der Fahrstuhl an, verabredet man sich auf einen Termin oder sieht sich zu diesem Thema halt nie wieder.

Erfinder-Meetup

Die Erfinder treffen, in der Pitch-Show zuhören, mit ihnen reden und die Produkte testen - zum Erfinder-Meetup mit Wissens-Show im Haus der Presse (Dresden, Ostra-Allee 20). Die Dachterrasse vom SZ-Hochhaus mit Blick auf Dresden ist dann geöffnet, und wir stellen erstmals den neuen Newsroom von Sächsische.de und Sächsischer Zeitung vor.

Ankommen, hinschauen, staunen - am 17. Juni im Haus der Presse ab 19 Uhr in Dresden, Ostra-Allee 20. Mit der S-Bahn oder dem Auto (Parkplätze sind von der Devrientstraße aus reserviert.)

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