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Wilsdruff: Kinder in Gefahr

Die Lkws nerven und gefährden Wilsdruffer und Limbacher. Dass der Kreis Tempo-30-Zonen eingerichtet hat, finden sie gut. Das reicht aber nicht, sagt der Ortsvorsteher.

Marko Neumann vor dem neuen Tempo-30-Schild in Limbach. Das findet er gut, reicht ihm aber nicht. Er fordert den Bau eines Zebrastreifens.
Marko Neumann vor dem neuen Tempo-30-Schild in Limbach. Das findet er gut, reicht ihm aber nicht. Er fordert den Bau eines Zebrastreifens. © Egbert Kamprath

Es wirkt fast wie bestellt. Marko Neumann steht an der Hauptstraße, die durch sein Heimatdorf Limbach führt. Es dauert nur ein paar Minuten, und dann fährt ein Lkw nach dem anderen durchs Dorf. Jetzt die Straßenseite zu wechseln, ist schwierig. Für kleine Kinder und ältere Menschen ist das fast unmöglich, sagt der 42-Jährige.

Solche und ähnliche Situationen gab es hier wie in benachbarten Wilsdruff in den letzten Wochen immer wieder. Der Grund ist die Autobahn, die in hörbarer Nähe am Dorf vorbeiführt. Kracht es dort, dauert es nicht lange, und die Autos und Lkws weichen auf die S36 aus, die hier in Limbach, aber auch in Wilsdruff eine Ortsdurchfahrt bildet.

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Dass das Landratsamt die Ortsdurchfahrt vorige Woche zu einer Tempo-30-Zone gemacht hat, findet Neumann gut. "Ob das reicht, wird sich zeigen." Noch mehr könnte ein Zebra-Streifen helfen, die Straße hier im Dorf sicherer zu überqueren. "Das ist ein gutes Mittel", sagt Neumann, der auch im Ortschaftsrat seines Dorfes arbeitet. Denn vor Zebra-Streifen haben viele Autofahrer Respekt. "Sie gehen vom Gas."

Werden die Limbacher den Plan unterstützen?

Die Idee mit dem Zebrastreifen hat er schon seit einigen Monaten. Nun geht er damit an die Öffentlichkeit, um eine möglichst große Zahl von Limbachern dafür zu begeistern. Denn die dürften sich über die Situation genauso ärgern. "Einheimische halten schon mal an, wenn Kinder oder andere die Straße überqueren wollen", sagt er.

Doch es gibt auch die anderen, die - genervt vom Stau - das nicht tun. "Da kann es schon mal vorkommen, dass man mehrere Minuten warten muss, um auf die andere Straßenseite zu kommen."

Wenn es auf der Autobahn A4 zu Staus kommt, dauert es nicht lange, bis es ähnliche Bilder auch in Limbach gibt. Die S36 ist als Ausweichstrecke bekannt. Geeignet ist sie dafür nicht.
Wenn es auf der Autobahn A4 zu Staus kommt, dauert es nicht lange, bis es ähnliche Bilder auch in Limbach gibt. Die S36 ist als Ausweichstrecke bekannt. Geeignet ist sie dafür nicht. © privat

Marko Neumanns Ziel: "Ich möchte es Kindern, die jetzt oder in den kommenden Jahren in die Schule kommen, erleichtern, in Stoßzeiten die Straße zu überqueren." Aus Sorge sind die Eltern derzeit immer noch dabei, auf Nummer sicher zu gehen. Früher sei das nicht notwendig gewesen. Er möchte auch nicht, dass immer mehr Eltern ihre Kinder zu den Bushaltestellen bringen müssen. Doch genau das könnte passieren. Denn die Bevölkerungsstruktur ändert sich - Limbach wird jünger.

Immer mehr Familien ziehen in die ländlichen Ortsteile der Stadt Wilsdruff - so auch nach Limbach. Deshalb hat hier die Zahl der Kinder zugenommen. Doch nicht nur hier sollte ein Zebra-Streifen eingerichtet werden, fordert Neumann, sondern auch in Wilsdruff, auf Höhe der Grundschule. Es sei schon merkwürdig, dass es diesen an der Oberschule gibt. Aber da, wo kleine Kinder die Straße überqueren müssen, fehlt ein geschützter Übergang.

Nicht nur Kindern würde der Zebra-Streifen helfen

Nicht nur den Kindern, sondern auch den Älteren würde so ein Zebrastreifen entgegenkommen, ist sich Marko Neumann sicher. Denn gerade die, die kein Auto besitzen oder es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren dürfen, steigen in den Bus, um nach Wilsdruff zu kommen. Für die wäre ein Übergang eine Hilfe.

Neumann hofft, dass seine Ortschaftsratskollegen das Anliegen mittragen, wenn er es in der nächsten Woche dort erläutert. Er würde sich auch freuen, wenn sich möglichst viele Limbacher Bürger der Forderung anschließen würden.

Ortsvorsteher Dieter Kriegelstein habe bereits seine Unterstützung zugesichert. Erleichtert habe Neumann auch zur Kenntnis genommen, dass Bürgermeister Ralf Rother (CDU) offenbar in die Pläne eingeweiht ist. Denn in seiner Stellungnahme zum Einrichten der Tempo-30-Zonen in Limbach und auf der Nossener Straße in Wilsdruff - die ebenfalls zur Verkehrssicherheit beitragen soll -, schloss sich der Rathauschef indirekt der Forderung aus Limbach an.

"Jetzt müssen noch sichere Überwege folgen", sagt Rother. Marko Neumann hofft, dass man das bei den zuständigen Behörden auch so sieht und dann schnell handelt. Denn sichere Übergänge werden auch in Zukunft gebraucht, sagt er. Jetzt sorgen die Arbeiten an den beiden Autobahnbrücken zwischen dem Dreieck Nossen und der Auffahrt Wilsdruff für Unfälle, Staus und das Ausweichen des Verkehrs auf die anderen Straßen. In naher Zukunft wird es die geplante Verbreiterung der Autobahn sein.

Landratsamt: Wir prüfen jeden Einzelfall

Im Landratsamt sind die Forderungen, einen beziehungsweise zwei Zebra-Streifen zu errichten, bislang nicht bekannt, sagt die Leiterin des Straßen- und Hochbauamtes, Martina Aurisch. Um diese Übergänge einzurichten, müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Erforderlich wären unter anderem Gehwege auf beiden Seiten der Straße und eine gute Straßenbeleuchtung.

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Außerdem müsse ein solcher Übergang von den Auto- und Lkw-Fahrern frühzeitig erkannt werden können, so Aurisch. Fußgänger und Fahrzeugführer müssen sich gut sehen können. Ob diese Voraussetzungen in Limbach erfüllt werden, müsse im Einzelfall geprüft werden.

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