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Stromrabatt bei gutem Wind in Sachsen

Der sächsische Energieversorger Envia-M bietet einigen Kunden Rabatt, wenn sie ihre Elektroautos nicht gleich abends aufladen. Das senkt auch Kosten für den Netzausbau.

Solche Stromzähler sind Auslaufmodelle. Neue zeigen den Verbrauch genauer - und machen es möglich, Energie dann zu kaufen, wenn viel davon im Netz ist und der Preis sinkt.
Solche Stromzähler sind Auslaufmodelle. Neue zeigen den Verbrauch genauer - und machen es möglich, Energie dann zu kaufen, wenn viel davon im Netz ist und der Preis sinkt. ©  dpa/Jan Woitas

Limbach-Oberfrohna. Der nächste Schritt der Energiewende kommt erst einmal als Test für wenige Sachsen: In der Zliner Straße in Limbach-Oberfrohna gelten künftig unterschiedliche Strompreise desselben Unternehmens. Der Energieversorger Envia-M bietet über seine Tochterfirma Mitnetz den Kunden in dieser Straße intelligente Messsysteme - sowie Preisrabatte zu Zeiten, zu denen viel Strom im Netz ist.

Projektleiter Tino Noske sagte am Dienstag, über ein Standardkabel mit 100 Hausanschlüssen könnten zwar bis zu 400 Autobatterien aufgeladen werden. „Aber wenn alle gleichzeitig Strom brauchen, kann es eng werden.“

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Es sei aber auch nicht sinnvoll, nun viele Straßen aufzureißen und zusätzliche Kabel für das Niederspannungsnetz zu verlegen. Stattdessen will das Unternehmen „das Stromnetz entlasten“, indem der Stromverbrauch gut verteilt wird. Dabei sollen die Besitzer von Elektroautos und von elektrischen Wärmespeicherheizungen helfen.

Getrennte Preise wie früher bei Nachtspeicherheizung

Anwohner mit einer Ladebox für Elektroautos an der Straße im Süden von Limbach-Oberfrohna können von Mitnetz eine App bekommen. Laut Noske wohnen dort bereits einige E-Auto-Fahrer, daher sei diese Region ausgewählt worden. Die App zeigt an, zu welchen Zeiten Strom günstig ist.

Die Preise an der Strombörse fallen nämlich, wenn viele Sonnen- und Windkraftanlagen gleichzeitig laufen, also vor allem bei gutem Wind. Bisher spürten das nur die Energiefirmen, aber die Preise für die Kunden blieben gleich. Künftig soll es Anreize über unterschiedliche Verbrauchspreise geben. Das gab es früher schon einmal bei Nachtspeicherheizungen. Die galten zeitweilig als Stromverschwender, werden laut Mitnetz aber durch Ökostrom wieder interessant.

Laut Noske müssen die Kunden künftig nicht ständig die Preise vergleichen. Besitzer von Elektroautos geben in ihrer App beispielsweise ein, dass sie um sechs Uhr losfahren wollen. Die Technik regelt dann das Aufladen der Elektrobatterie im Auto - über die Nacht verteilt, sodass es nicht zu einer Überlastung des Stromnetzes kommen soll.

Zur Höhe des Preisrabatts hielt sich Envia-M bedeckt. Anke Tallig, Projektleiterin für die Wärmespeichersteuerung, sprach auf Nachfrage von vielleicht drei bis fünf Cent Nachlass pro Kilowattstunde. Kunden könnten ihre Wunschtemperatur einstellen. Bis zu 15 Prozent des Stromverbrauchs einer Wärmespeicherheizung ließen sich erfahrungsgemäß durch effizientes Laden einsparen.

Bürgerversammlung folgt

Die Zliner Straße in Limbach-Oberfrohna wurde für den einjährigen Test ausgewählt, weil sie laut Noske mit ihrer Stadtrandlage "typisch ist für ein Gebiet, in den E-Mobilität erwartet wird". Es gab dort auch schon einen Vor-Test. Ein Service-Center von Mitnetz liege in der Nähe. Der Test soll in diesem März beginnen und ein Jahr dauern.

Die Anwohner haben bereits Faltblätter mit Informationen erhalten und sollen noch zu einer Bürgerversammlung eingeladen werden. Die Teilnahme am Test soll freiwillig sein und nichts kosten. Wer eine Ladebox für ein Elektroauto für einige Hundert Euro neu installieren muss, kann laut Noske damit rechnen, sie nach dem Test "für vielleicht 100 Euro" übernehmen zu dürfen. "Verschenken dürfen wir sie nicht."

Limbach-Oberfrohnas Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) unterstützt den Versuch. Die Stadt ist wie viele Kommunen an Envia-M beteiligt, Haupteigner ist allerdings der Eon-Konzern. Vogel sagte, Limbach-Oberfrohna habe schon viel zum Klimaschutz unternommen. Beispielsweise seien Straßenlampen und die Notbeleuchtung in öffentlichen Gebäuden auf LED umgestellt worden.

Im Gewerbegebiet Süd sei geplant, die Stromlieferverträge der Anlieger zu bündeln und möglichst gemeinsam Ökostrom zu nutzen. Für den Oberbürgermeister ist es "eine moralische Frage, dass wir wieder mehr Respekt vor der Natur haben". Dafür müsse das technisch Mögliche ausgeschöpft werden.

Zukunftshaus für Dresden-Johannstadt geplant

Mitnetz rechnet zunächst mit etwa 20 Teilnehmern an dem Versuch mit intelligenten Messsystemen in Limbach-Oberfrohna. Ein oder zwei Häuser an der Straße haben laut Noske auch Solaranlagen - deren Stromausbeute kann den Test zusätzlich interessant machen.

Bei der Sachsen-Energie in Dresden mit ihren Marken Drewag und Enso ist zwar derzeit kein Pilotprojekt wie in Limbach-Oberfrohna geplant. Allerdings hat auch dieses Unternehmen begonnen, neue Zähler zu installieren - über das Gemeinschafsunternehmen Digimeto. Im Dresdner Projekt Matchup will die Sachsen-Energie mit Partnern "intelligente, saubere Städte schaffen", die den Herausforderungen des Klimawandels begegnen können.

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