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Bauern und Minister wollen Schlachthof

In Sachsen streiten Landwirte und Ministerium zwar heftig über Dünger und Agrarreform. Aber bei einem Gipfeltreffen haben sie denselben Wunsch.

Sächsische Schweine allein reichen nicht aus, um die Nachfrage nach Fleisch und Wurst zu erfüllen. Aber es gibt keinen großen Schlachthof mehr im Freistaat.
Sächsische Schweine allein reichen nicht aus, um die Nachfrage nach Fleisch und Wurst zu erfüllen. Aber es gibt keinen großen Schlachthof mehr im Freistaat. © dpa/Sina Schuldt

Dresden. In der kalten Jahreszeit, wenn Bauern kaum aufs Feld können, ist normalerweise die Zeit für Konferenzen, Grüne Woche und Forderungen an die Politik. Zwischen Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) und dem Landesbauernverband schienen dabei zuletzt die Zeichen auf Streit zu stehen: Mit Treckerdemos und bösen Briefen protestierten Bauern dagegen, dass sie auf vielen Feldern künftig das Düngen einschränken müssen - zum Schutz des Grundwassers.

Doch am Montag signalisierten beide Seiten Einigkeit zu einem anderen Thema: Nach einem "Schlachthofgipfel" gab es genau gleichzeitig gleichlautende Pressemitteilungen von Bauernverband und Ministerium. Bauern und grüner Minister sind demnach einig, dass Sachsen wieder mehr Schlachtmöglichkeiten braucht. Nach der Schließung der letzten großen Schlachthöfe in Naunhof bei Radeburg und in Chemnitz waren die Transportwege für Schweine und Rinder weiter geworden.

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"Die Schlachtkapazitäten in Sachsen reichen seit Jahren nicht aus", sagte Minister Günther. Er kündigte an, mit Geld aus dem Konjunkturprogramm "Nachhaltig aus der Krise" die Konzeption und modellhafte Umsetzung von Maßnahmen zur Viehschlachtung zu unterstützen. Der Landesbauernverband hatte mehrfach angekündigt, dass er selbst die Vorplanung für einen Schlachthof übernehmen würde - aber dafür benötige er Fördergeld.

Hoffnung auf steigende Fleischpreise

An dem ersten sächsischen Schlachthofgipfel nahmen im Internet rund 40 Experten teil, darunter außer dem Minister und Sachsens Bauernpräsident Torsten Krawczyk auch die Landesinnungsmeisterin des sächsischen Fleischerinnungsverbandes, Nora Seitz. Krawczyk sagte, damit sei es gelungen, "alle wesentlichen Akteure der gesamten Wertschöpfungskette zusammenzubringen".

Laut Günther spüren wegen der Corona-Pandemie sowohl die Schweinehalter als auch Fleischereibetriebe und Handel eine gestiegene Nachfrage nach regionalen Qualitätserzeugnissen. Dabei spiele die Transparenz von Herkunft, Haltung, Transport und Verarbeitung eine Rolle für die Kunden.

Der Bedarf an Schweinefleisch in Sachsen könne derzeit jedoch nur zu rund einem Drittel aus heimischer Tierhaltung gedeckt werden. Dabei sei nicht die Verarbeitung das größte Problem, sondern der Mangel an Schlachtmöglichkeiten in der Nähe. Im sächsischen Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien die Förderung regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien vereinbart.

Lediglich die Färber GmbH in Belgern deckt noch einen regionalen Anteil an Schlachtkapazitäten im nordsächsischen Raum ab. Der geplante neue Schlachthof soll nach früheren Angaben eher im Raum Mittelsachsen entstehen und kein sehr großer Betrieb wie etwa Tönnies in Weißenfels werden. Zusätzlich ist von mobilen Schlachteinrichtungen die Rede, die auch kleineren Bauernhöfen nützen. Erst einmal ist nur von Schweineschlachten die Rede.

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