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Chip-Riese TSMC kommt nach Dresden

Der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC kündigt eine Milliarden-Investition in Sachsen an. In Dresden sollen Mikrochips für die Autoindustrie entstehen. Der Produktionsstart wird für 2027 angestrebt.

Von Nora Miethke
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TSMC will ein neues, großes Werk in Dresden bauen.
TSMC will ein neues, großes Werk in Dresden bauen. © TSMC

Dresden. Die Ansiedlung des Chipkonzerns TSMC mit einem Werk in Dresden ist beschlossene Sache. Der Vorstand des taiwanesischen Unternehmens hat am Dienstag auf seiner Sitzung grünes Licht für das strategische Investitionsprojekt gegeben. Die Landeshauptstadt wird der erste Standort des Marktführers in Europa sein. Damit könnte Silicon Saxony - schon jetzt Europas größter Chipstandort - auch international ein Topplayer werden.

TSMC will gemeinsam mit den Partnern Infineon, Bosch und NXP im Dresdner Airportpark hinter dem Bosch-Werk eine Fabrik errichten auf dem 50 Hektar großen Grundstück, das ursprünglich der Zigarettenhersteller Philip Morris für die Produktion von Tabakstäbchen zum Erhitzen erworben hatte.

Auf diesen 50 Hektar im Dresdner Norden soll das neue TSMC-Werk gebaut werden.
Auf diesen 50 Hektar im Dresdner Norden soll das neue TSMC-Werk gebaut werden. © Ronald Bonß

Die Taiwanesen haben das Grundstück Philip Morris bereits abgekauft. Dort sollen auf der Grundlage der 22- bis 28-Nanometer-Technologie Mikrochips überwiegend für die Autoindustrie produziert werden. Laut Studien wird bis 2030 eine Verdopplung des Bedarfs an Halbleitern erwartet.

Vorgesehen ist nach jetzigem Planungsstand eine Jahresproduktion von 40.000 Wafern mit 300 Millimeter Durchmesser.
Vorgesehen ist nach jetzigem Planungsstand eine Jahresproduktion von 40.000 Wafern mit 300 Millimeter Durchmesser. © dpa

Vorgesehen ist nach jetzigem Planungsstand eine Jahresproduktion von 40.000 Wafern mit 300 Millimeter Durchmesser. Bislang liegt der Umsatzanteil von TSMC mit Chips für die Automobilindustrie bei sieben bis acht Prozent. Er soll nach oben gehen.

Neue Dresdner Chipfabrik löst Jubel in Sachsen aus

Die Ansiedlung von TSCM in Dresden lässt Sachsens Regierung jubeln. Die Entscheidung sei ein "großer Gewinn und eine wunderbare Nachricht für Sachsen, Deutschland und ganz Europa", kommentierte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Ankündigung am Dienstag. "Ich bin froh und stolz, dass der Freistaat mit seinen Standortvorteilen überzeugen konnte und mit TSMC einer der weltweit führenden Chiphersteller sein erstes europäisches Halbleiterwerk in Sachsen errichten will."

"Der Bau einer komplett neuen Halbleiterfabrik wird Europas größtes Mikroelektronikcluster, Silicon Saxony, und den gesamten Wirtschafts- und Technologiestandort Sachsen weiter stärken und so für einen kräftigen Wachstumsschub sorgen", erklärte Kretschmer. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Europäische Kommission nun rasch den Weg dafür freimacht, damit die Fördermittel des Bundes für diese Zukunftsinvestition fließen können.

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Nach den Worten von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) wird das Halbleiterwerk die größte Einzelinvestition eines Unternehmens in Sachsen seit 1990. "Die Entscheidung von TSMC ist die Nachricht des Jahres - nicht nur für Sachsen, sondern auch für die Bundesrepublik und ganz Europa. Das Industrieland Sachsen schreibt mit dieser Ansiedlung seine erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte fort und wird mit TSMC zum globalen Halbleiterstandort." Zugleich stärke die Investition im Herzen Europas den gesamten Kontinent, der sich unabhängiger von Chip-Importen aus den USA und Asien mache.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bezeichnete die Ansiedlung als "Turbo-Boost" für den Standort. "Wenn sich ein Weltmarkt- und Technologieführer im globalen Wettbewerb für Dresden entscheidet, sagt das auch viel über die bisherige Entwicklung und Bedeutung unseres Hochtechnologiestandortes. Unser einzigartiges Ökosystem aus hochinnovativen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen hat eine immer stärkere Anziehungskraft entfaltet."

Sachsen muss dreistelligen Millionenbetrag investieren

In dem Gemeinschaftsunternehmen - Infineon, NXP und Bosch halten jeweils zehn Prozent der Anteile - sollen 2.000 Arbeitsplätze entstehen. TSMC will zehn Prozent der Arbeitskräfte selbst mitbringen, also rund 200. Das Unternehmen und seine deutschen Partner planen, bis zu zehn Milliarden Euro in den Standort Dresden zu investieren. der Spatenstich ist für 2024 vorgesehen. Wenn alles gut läuft, könnte ab Ende 2027 die Produktion starten.

Die Bundesregierung hat Subventionen von bis zu fünf Milliarden Euro zugesagt, die aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes finanziert werden sollen. Eine Kofinanzierung der Fördermittel durch den Freistaat ist nach eigenen Angaben nicht notwendig, da die Genehmigung der Förderung über den EU Chips Act läuft, das gerade beschlossene Europäische Chip-Gesetz.

In der sächsischen Staatskanzlei wird jedoch darauf hingewiesen, dass der Freistaat in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau der Infrastruktur investieren muss. Das umfasst vor allem die Energie- und Wasserversorgung und ein Ausbildungszentrum für die Chipindustrie.

Silicon Saxony rechnet mit weiteren Ansiedlungen

Das Branchennetzwerk Silicon Saxony rechnet mit einer Sogwirkung. "Mit der Ansiedlung von TSMC wird das Renommee Sachsens als europäisches Zentrum der Halbleiterhochtechnologie weltweit gestärkt. Das Engagement von TSMC wird weitere internationale Unternehmen und vor allem auch weitere Fachkräfte anziehen", erklärte Dirk Röhrborn, Vorsitzender des Präsidiums von Silicon Saxony.

In diesem Zusammenhang wäre Sachsen auch eine Headquarter-Adresse für das in Gründung befindliche Designunternehmen von Bosch, Infineon, Nordic Semiconductor, NXP Semiconductors und Qualcomm.

Habeck: TSMC-Chipwerk in Dresden wichtig für Halbleiter-Versorgung

Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wird der geplante Bau in Dresden substanziell zur Versorgung Deutschlands und Europas mit Halbleiterchips beitragen. Das erklärte der Grünen-Politiker am Dienstag in Berlin in einer Mitteilung.

Die Investitionsentscheidung zeige, dass Deutschland ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Standort sei, gerade auch bei Schlüsseltechnologien wie der Mikroelektronik, so Habeck. Nötig seien aber weitere Bemühungen, man arbeite etwa an beschleunigten Genehmigungsverfahren und Bürokratieabbau.

"Eine robuste heimische Halbleiterproduktion ist von besonderer Bedeutung für unsere globale Wettbewerbsfähigkeit, denn Halbleiter halten unsere Welt am Laufen und machen die Transformation hin zur Klimaneutralität erst möglich: Ohne sie läuft kein Computer, fährt kein Auto, können weder Wind- noch Solaranlagen Energie produzieren", betonte Habeck. Klimaneutralität bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als auch wieder gebunden werden können.

Das Vorhaben sichere qualifizierte Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland. "Gleichzeitig profitieren von einer Investition dieser Größenordnung viele Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette sowie die Anwenderindustrien, von den großen Unternehmen bis zum Mittelstand", erklärte Habeck. Die Bundesregierung werde die Pläne im Rahmen des Europäischen Chip-Gesetzes unterstützen, was wegen des internationalen Wettbewerbsdrucks schnell gehen müsse. "Daher haben wir einen beschleunigten Beginn für das Projekt ermöglicht."

Die EU-Kommission muss diese staatliche Beihilfe noch genehmigen. Da zügige Verfahren bei Halbleitern zentral für Investitionen seien, habe das Ministerium mit einer Ausnahmegenehmigung ermöglicht, dass das Unternehmen mit den Baumaßnahmen beschleunigt beginnen könne, hieß es in der Mitteilung. Der European Chips Act sieht das Ziel vor, dass bis 2030 Europas Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion auf 20 Prozent ausgebaut wird. Er liegt jetzt unter zehn Prozent. (mit dpa)