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Reisemesse in Dresden: Die Sachsen zieht es wieder in die Ferne

Nach zwei Jahren Pause findet wieder die Dresdner Reisemesse statt – auch zur Freude von Ausstellern wie Frank Schulz.

Von Steffen Klameth
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Hoch im Norden: Wanderer genießen die Aussicht auf die Fjordlandschaft der Lofoten.
Hoch im Norden: Wanderer genießen die Aussicht auf die Fjordlandschaft der Lofoten. © schulz aktiv reisen

Als Ein-Mann-Unternehmen hat vor 33 Jahren alles angefangen. Heute ist Schulz Aktiv Reisen der älteste ostdeutsche Spezialveranstalter für Natur- und Erlebnisreisen. Wir sprachen mit dem Gründer, Inhaber und Namensgeber Frank Schulz.

Herr Schulz, wie steht es um die Reiselust der Sachsen?

Sehr gut, wenn ich auf unsere aktuelle Buchungslage schaue. Es kommen täglich so viele neue Anfragen wie im Vor-Corona-Jahr 2019.

Wie haben Sie die Pandemie erlebt?

Es war eine Berg-und-Tal-Fahrt. 2020 und 2021 brach der Umsatz jeweils auf fast ein Viertel ein. Erst im vorigen Jahr ging es wieder bergauf. Allerdings haben auch da die meisten Leute nur kurzfristig gebucht – man wusste ja, wie schnell es wieder zu Einschränkungen kommen kann.

Und jetzt?

Viele Kunden planen schon für den Sommer. Und es gibt sogar schon Buchungen für den nächsten Winter. Außerdem haben wir viele neue Kunden gewonnen. Das stimmt uns optimistisch.

Welche Ziele sind besonders beliebt?

Das hat sich in den vergangenen Jahren etwas geändert. 2022 waren Reisen nach Madeira, Italien und Polen sehr gefragt. Momentan wollen viele Kunden ins winterliche Finnland reisen, danach sind das portugiesische Festland, die Azoren und Island stark im Kommen, ebenso Albanien und die Türkei. In Portugal bieten wir zum Beispiel eine Tour auf dem Fischerpfad entlang der Atlantikküste an – das ist einer unserer Renner. Bei den Fernreisen beobachten wir eine steigende Nachfrage für Tansania, die Seychellen, Bolivien und Marokko.

Und Deutschland?

Deutschland hat während der Corona-Krise stark zugelegt. Hier waren zum Beispiel die Sächsische Schweiz und die Rhön sehr beliebt. Das scheint sich jetzt zu verändern.

Vielleicht, weil Deutschland inzwischen ziemlich teuer geworden ist?

Die Unsicherheit, ob und wohin man reisen kann, ist weg. Die Leute haben wieder Mut gefasst für Reisen in die Ferne. Aber ja, auch das Geld könnte eine Rolle spielen. Die Preise sind allerdings nicht nur hierzulande gestiegen, sondern überall auf der Welt.

Was bedeutet das für Ihre Angebote?

Wir mussten die Preise für fast alle Reisen anheben, im Schnitt um fünf bis acht Prozent. Es ist gerade unheimlich schwer, die Reisen zu planen und die Kosten seriös zu kalkulieren. Manche Ziele geraten inzwischen auch an ihre Kapazitätsgrenzen. Madeira zum Beispiel hatte voriges Jahr so viele Besucher wie nie. Die Folge: Hotelbetten werden knapp und teuer. Auf Mallorca können Restaurants nicht öffnen, weil sie kein Personal haben.

Gibt es Abstriche an den Leistungen?

Wir versuchen natürlich, die Programme effizienter zu gestalten. Also mal eine Fahrt weniger, wenn man ein adäquates Highlight auch ohne zusätzlichen Transfer erreichen kann. Das ist ja letztlich auch ökologischer.

Wie reagieren die Kunden auf die höheren Preise?

Die gute Nachfrage betrachte ich mal als Akzeptanz. Was auffällt: Kunden legen auch mal zwei Reisen zusammen, um den Urlaub zu verlängern und Reisekosten zu sparen.

Wer ist eigentlich der typische Kunde von Schulz Aktiv Reisen?

Unsere Kunden sind zwischen 30 und 75 Jahre alt, neugierig auf fremde Kulturen und gern in der Natur unterwegs. Unsere Reisen bieten einen guten Mix an Aktivität und Erholung. Ein goldenes Sportabzeichen ist da keine Bedingung.

Nach Corona kam der Krieg in der Ukraine. Wie sehr hat das Ihr Geschäft getroffen?

Reisen nach Russland waren sehr beliebt, weil wir dort schon seit Jahrzehnten unterwegs sind und viel Erfahrung haben. Zuletzt haben wir zehn Prozent unseres Umsatzes mit Russland realisiert. Damit ist natürlich seit dem 24. Februar 2022 Schluss. Das heißt, alle Reisen nach Russland liegen auf Eis. Das Gleiche gilt derzeit für die Ukraine, China und Taiwan.

Nächste Woche findet nach zwei Jahren Pause wieder die Reisemesse Dresden statt. Die Schulz-Aktiv-Reisetage fehlen diesmal auf dem Programm. Warum?

Dafür brauchen wir viele Monate Vorlaufzeit. Und es war lange nicht abzusehen, ob es wieder Corona-Auflagen geben wird. Deshalb legen die Reisetage eine Pause ein. Stattdessen laden wir jeden Nachmittag zu halbstündigen Vorträgen ein, bei denen vor allem neue Ziele und Reisen wie nach Indonesien und Portugal vorgestellt werden.

Wo machen Sie in diesem Jahr Urlaub?

Das weiß ich noch nicht genau, aber vermutlich fahre ich ins Baltikum. Ich war schon ein paar Mal dort und bin immer wieder verzaubert.

Frank Schulz (64) hat 1990 als Einzelunternehmer mit Stadtrundfahrten begonnen. Heute beschäftigt er 30 Mitarbeiter.
Frank Schulz (64) hat 1990 als Einzelunternehmer mit Stadtrundfahrten begonnen. Heute beschäftigt er 30 Mitarbeiter. © Steffen Klameth

Die Dresdner Reisemesse findet vom 27. bis 29. Januar auf dem Messegelände im Ostra-Gehege statt. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr.

Informationen zu Reisezielen gibt es an allen drei Messetagen auch bei zahlreichen Vorträgen.

Zum Programm gehören erneut die „Camping + Caravan Days“ in Halle 1. Neu sind die „ebike-days“ – mit neuen Modellen vom Pedelec bis zum Lastenrad und einem Testparcours.

  • Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Am Freitag gibt es eine Rentnerkarte für 7 Euro. Kinder unter 15 Jahren haben freien Eintritt in Begleitung Erwachsener.
  • www.reisemesse-dresden.de