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Drei Tiroler Bergdörfer, viele aktive Möglichkeiten - Der Reisetipp Österreich

In der Region Serfaus-Fiss-Ladis locken Klettersteige, Wanderwege, Biketrails, Freizeitparks und Sommerrodelbahn. Wir haben einige Abenteuer ausprobiert.

Von Andreas Pfitzner
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Foto: Serfaus-Fiss-Ladis/Marketing GmbH
Foto: Serfaus-Fiss-Ladis/Marketing GmbH © Serfaus-Fiss-Ladis/Marketing Gmb

Ein paar Meter stapfe ich durch Felsgestein, dann geht es nur noch steil bergauf. „Nicht mit den Armen hochziehen! Nutz’ die Kraft der Beine!“ Bergführer Christian Schlatter klettert hinter mir und weiß, worauf es hier oben ankommt.

Erst den einen Karabiner umhängen, dann den zweiten. Und mit der anderen Hand immer schön am Seil festhalten. So komme ich Stück für Stück voran. Und das bei knapp 30 Grad. Das Stahlseil ist heiß, die Sonne brennt im Genick.

Nur nicht nach unten gucken

Hoppla, was ist das denn? Eine Hängebrücke am Fels? Meine Füße tasten sich auf dem wackeligen Ding vorwärts. Nur nicht nach unten gucken! Doch, einmal wenigstens. Die Aussicht ist großartig, nur genießen kann ich sie nicht richtig. Nach einer knappen Stunde ist es geschafft.

Unser Autor hat es geschafft - Schweißperlen auf der Stirn inklusive.
Unser Autor hat es geschafft - Schweißperlen auf der Stirn inklusive. © Christian Schlatter

Schweißperlen auf der Stirn darf ich mir erlauben, schließlich zähle ich nicht mehr zu den Nachwuchshoffnungen am Berg. „Gar nicht schlecht“, meint Christian, der mit seinen 64 Jahren unwesentlich älter ist als ich. „Beim nächsten Mal nimmst du den schwierigeren Pfad.“ Meint er das ernst?

Seit 43 Jahren begleitet Christian Schlatter nicht nur Wanderer, sondern auch Kletterer auf Touren in seiner Heimat Tirol. Allein geht’s aber auch. Die Steige am Felsen der Burg Laudeck mit den drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden stehen jedem offen.

Bergführer Christian Schlatter.
Bergführer Christian Schlatter. © Andreas Pfitzner

Die Burg aus dem 12. Jahrhundert im 536-Seelen-Dorf Ladis ist heute in Familienbesitz. Den Großonkel des jetzigen Burgherren Krischan von Moeller animierte in den 1960er-Jahren eine Zeitungsanzeige mit dem Titel „Angebot für eine Ruine in Tirol“.

Sein Traum von einem ungewöhnlichen Sommersitz in den Bergen ging nach umfangreichen Sanierungsarbeiten in Erfüllung. Einmal wöchentlich ist die Burg für Besucher geöffnet.

Hoch oben auf dem Schieferfelsen mit den Klettersteigen thront die Burg Laudeck im kleinen Dörfchen Ladis.
Hoch oben auf dem Schieferfelsen mit den Klettersteigen thront die Burg Laudeck im kleinen Dörfchen Ladis. © Andreas Pfitzner

Sie ist aber nur eines der vielen Angebote und Attraktionen in der Tiroler Region Serfaus-Fiss-Ladis. Die drei Bergdörfer liegen auf einem Hochplateau zwischen 1.200 und 1.400 Metern und sind umgeben von einer Kette von knapp Dreitausendern, von Almwiesen und Bergseen.

500 Kilometer Wanderwege

Es locken 500 Kilometer Wanderwege, elf Gondelbahnen, Freizeitparks auf dem Berg, Sommerrodelbahnen und viele Biketrails, auf denen die Zweiradpiloten den Wanderern kaum in die Quere kommen.

Ja, warum nicht mal biken? In Fiss empfängt uns Lars Brode. Der 35-Jährige arbeitet den zweiten Sommer im Bikepark, einem Trainingsgelände für Anfänger und Profis. Bei einem Einsteigerkurs will er uns den Umgang mit dem Geländerad vertraut machen. Bepackt mit Handschuhen, Helm, Rückenprotektor und Knieschützern geht’s auf einen Parkplatz.

Bei einfachen Übungen lernen wir die Grundlagen des Mountainbikens. Auf einem Kurvenparcours am Berg zeigt sich dann, dass vieles einfacher aussieht, als es ist. Wer geschickt genug ist, kann anschließend erste einfache Trails wagen. Soweit kommen wir heute (noch) nicht. Andere schon.

Längste Strecke der Region

Ihnen bietet sich seit diesem Jahr eine neun Kilometer lange Strecke, die längste in der Region auf der Fisser Nordseite. Drei ehemalige Trails (Almtrail, Flüstertrail, Zirbentrail) wurden miteinander verbunden und in Teilstücken neu gestaltet.

Von Fiss nach Serfaus sind es nur knapp vier Kilometer. Die kann man laufen oder mit dem Wanderbus fahren. Dessen Nutzung ist mit der Super.Sommer.Card inklusive, die man in fast allen Unterkünften erwerben kann (5,50 € pro Tag für Erwachsene, 2,75 € pro Tag für Kinder).

Sie ist schon deshalb empfehlenswert, weil damit alle Liftanlagen so oft genutzt werden können, wie man will. Außerdem ermöglicht sie Ermäßigungen bei vielen Freizeitangeboten in den drei Orten.

Biker können sich auf zahlreichen Trails zwischen 1.200 und 2.600 Höhenmetern austoben.
Biker können sich auf zahlreichen Trails zwischen 1.200 und 2.600 Höhenmetern austoben. © Serfaus-Fiss-Ladis/Marketing Gmb

In Serfaus angekommen, steige ich in die U-Bahn. Ja, richtig gelesen: In dem kleinen Dorf mit gerade mal 1.141 Einwohnern gibt es tatsächlich eine U-Bahn. Ein echtes Unikat. Seit 1985 schwebt die Luftkissenbahn auf 1.400 Metern Höhe in einem 1.280 Meter langen Tunnel zwischen vier Stationen hin und her.

Bereits Anfang der 1980er-Jahre lag das kleine Dorf Serfaus bei den Wintersportlern so hoch im Kurs, dass die dörfliche Infrastruktur den Ansturm der Urlauber nicht mehr verkraftete.

Das umweltfreundliche Transportmittel war die perfekte Lösung, die sich bis heute bewährt hat. Von 2017 bis 2019 wurde die Bahn modernisiert. Sie besteht aus drei Waggons, ist innen durchgängig und mit dem neuesten Infotainmentsystem ausgestattet.

Serfaus nur zu Fuß erkundbar

Wer in Serfaus mit einer der Bergbahnen fahren oder einfach nur durch das idyllische Dorf spazieren möchte, kann und soll das Auto vor dem Ort abstellen und in die kostenlose U-Bahn steigen. Lediglich Einheimischen und Hotelgästen ist es gestattet, mit dem Auto ins Zentrum von Serfaus zu fahren. Die Ortspolizei hat immer ein Auge drauf.

Wer sich bewegt, sollte auch gut essen. Deshalb nehme ich das Angebot für eine „Kulinarik“-Wanderung“ gern an. Hier entscheidet der Genusswanderer, welche Route er einschlägt, ob er Gondelbahnen nutzen möchte und in welchen drei der sechs möglichen Bergrestaurants das regionale Vier-Gang-Überraschungsmenü eingenommen wird. Um es vorwegzunehmen, es ist eine reine Gaumenfreude!

Glück auf!

Dabei treffe ich am Restaurant Berg Diamant auf eine besondere Attraktion. „Glück auf und frohes Schaffen“ heißt es hier oben auf 2.436 Metern in einem stillgelegten Steinbruch. Neben Übungen auf Balanciergeräten, Kletterstationen, Rutschen und Schaukeln können sich die fleißigen Abenteurer auf die Suche nach dem goldenen Schatz machen.

Lust auf Schatzsuche? Dann auf ins Kinderbergwerk am Fisser Joch mit vielen spannenden Spielstationen.
Lust auf Schatzsuche? Dann auf ins Kinderbergwerk am Fisser Joch mit vielen spannenden Spielstationen. © Fisser Bergbahn GmbH/Kirschner

Kinder wuseln aufgeregt umher, denn im Höhlenerlebnistunnel des Bergwerks verbirgt sich ein Labyrinth mit glitzernden Steinen, die nur darauf warten, gefunden zu werden.

Der Funpark oberhalb von Fiss oder der Erlebnispark am Högsee, das Indianerdorf auf dem Weg zum Wolfsee – wo möchte man starten und wo ankommen? Auf dem sonnigen Hochplateau über dem oberen Tiroler Inntal findet garantiert jeder seine Idylle.

  • Anreise: Mit dem Auto von Dresden rund 650 km; mit dem Zug bis Landeck-Zams und dem Bus bis Serfaus ca. zehn Stunden. Per Flugzeug über Frankfurt nach Innsbruck, Zug bis Landeck-Zams und Bus bis Serfaus ca. acht Stunden.
  • Sommersaison 2023 endet am 22. Oktober.
  • Übernachten: Mehr als 15.000 Betten stehen für Gäste bereit.
  • Klettern: 60 € p. P. in Begleitung eines Bergführers inkl. Ausrüstung an der Burg Laudeck, kostenfrei mit individueller Ausrüstung. Alternativen sind der Klettergarten Serfaus und der Kletterturm in Fiss.
  • Biken: z. B. Fünf-Stunden-Kurs (ab 16 J.) mit Guide inkl. Ausrüstung ab 95 €.
  • Schwimmen: An heißen Tagen bieten der Högsee und das Freibad Serfaus wohltuende Erfrischung.
  • Wandern: Piratenweg, Hexenweg und Forscherpfad sind abwechslungsreiche Abenteuerwege – und kinderwagentauglich wie viele andere Wanderwege.
  • Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis. www.murmli-berta.at