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Wenn beim Wandern der Darm drückt

Manchmal bleibt einem nichts anderes, als sich im Freien zu erleichtern. Doch auch dafür gibt es konkrete Vorgaben - und ein Buch.

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Ist die nächste Toilette zu weit weg - dann gilt es, in der Natur ein geeignetes Plätzchen zu finden.
Ist die nächste Toilette zu weit weg - dann gilt es, in der Natur ein geeignetes Plätzchen zu finden. © Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Plötzlich drückt es. Und die nächste Hütte oder Einkehrmöglichkeit ist weit weg. Die Blase immerhin lässt sich oft problemlos hinterm nächsten Baum oder Fels entleeren. Ein großes Geschäft aber ist oft schwerer abzuwickeln. Doch es hilft ja nichts: Mit ein wenig Vorbereitung klappt das auch in der Natur –- ohne dieser dabei zu schaden.

Wer längere Wander-Touren plant, sollte die Notdurft mit einkalkulieren. Toilettenpapier gehört in jedem Fall in den Rucksack. Taschentücher sind nicht ideal, weil sie besonders reißfest sind und sich in der Natur nur langsam zersetzen. „Toilettenpapier kann zur Not auch mal samt den Hinterlassenschaften vergraben werden“, sagt Ulrich Berkmann vom Deutschen Alpenverein. Ideal ist aber, wenn man das Toilettenpapier in einer kleinen Plastiktüte mitnimmt. Das gilt auch für die Exkremente.

Toilettenpapier zersetzt sich schneller als Taschentücher.
Toilettenpapier zersetzt sich schneller als Taschentücher. © Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Am besten hinterlässt man keine Spuren, stellt Berkmann klar. „Das „Sackerl für’s Gackerl“, wie man so schön sagt, ist also am besten immer im Rucksack dabei“, so der Fachmann des Alpenvereins. Einweg-Reisetoiletten sind eine hochwertigere, aber kostenintensivere Alternative. Es gibt auch mehrfach verwendbare, tragbare Trockentoiletten zu kaufen, die man aufklappen und auf die man sich setzen kann.

Aus Komfortgesichtspunkten begrüßenswert, denn das lange Hocken beim großen Geschäft lässt die Beinmuskeln manchmal brennen. Unterwegs sollte es aber Möglichkeiten geben, den Sammeltank zu leeren und zu reinigen. Sonst wird er immer voller und auch der Mief nimmt zu.

Hinterlassenschaften verbuddeln

Ist man absehbar länger in der Wildnis und abseits jeglicher Toiletten unterwegs, gehört neben Toilettenpapier auch ein kleiner Klappspaten oder eine handliche Schaufel in den Rucksack. Es klang ja schon an: Wer seine Hinterlassenschaften nicht mitnehmen kann, sollte sie zumindest verbuddeln. Nicht nur, um anderen den Anblick des unappetitlichen Haufens zu ersparen.

Es geht vor allem darum, dass die Fäkalien Krankheitserreger enthalten können, die der Natur schaden können. Deshalb sollte man insbesondere die Nähe von Gewässern meiden, denn von dort verbreiten sich Pilze, Viren, Bakterien und andere Erreger besonders weit, warnt Berkmann.

„Das gilt im Übrigen auch für tierische Fäkalien, deshalb wird dringend davon abgeraten, zum Beispiel Wasser aus Gebirgsbächen ungefiltert zu trinken, wenn oberhalb eine Weide liegt.“

Das Klohäuschen im Schwarzwald dürfte so manchen Wandernden juchzen lassen.
Das Klohäuschen im Schwarzwald dürfte so manchen Wandernden juchzen lassen. © Marie von der Tann/dpa-tmn

Für das selbst gebuddelte Notdurft-Loch gilt: Mit einem Mindestabstand von 50 Metern zu Bächen, Flüssen oder Seen ist man auf der sicheren Seite. Außerdem sollten nach Möglichkeit Stellen gewählt werden, die über der Wasserlinie liegen – sonst könnten die Fäkalien durch Überschwemmungen doch in Gewässer gelangen, schreiben Ulrike Katrin Peters und Karsten-Thilo Raab im Buch „How to shit in the woods“.

Eine echte Leseempfehlung

Das handliche Buch hält neben allerlei Historischem und Kuriosem vor allem Unmengen an Tipps rund ums Defäkieren und Urinieren außerhalb des geschützten Rahmens der heimischen Toilette bereit, eine echte Leseempfehlung für alle, die tiefer ins Thema einsteigen wollen.

Bezüglich des gegrabenen oder gescharrten Lochs heißt es darin: Es genüge, wenn es etwa 15 bis 20 Zentimeter tief sei, was ungefähr einer (Männer-)Handlänge entspreche. Genau in diesen Erdschichten fänden sich jene Bakterien, die Exkremente am schnellsten zerfallen ließen.

Das zugebuddelte Loch wird mit Steinen und Ästen verdeckt. Der Alpenverein rät zudem, im Schnee deutlich tiefer zu graben, sonst trete das Ganze beim nächsten Sonnenschein wieder zutage. Und: Sei es nicht möglich, ein Loch zu machen, sollte man die „Relikte“ mit großen Steinen verdecken.

Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: „Outdoor. How to shit in the woods (Wie man im Wald sch...)“, Conrad Stein Verlag, 96 Seiten, 8,90 Euro.
Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: „Outdoor. How to shit in the woods (Wie man im Wald sch...)“, Conrad Stein Verlag, 96 Seiten, 8,90 Euro. © Conrad Stein Verlag

Bleibt noch eine praktische Frage, mit der mancher vielleicht auch schon mal unvermittelt konfrontiert war: Wie wird der Po sauber, wenn man kein Toilettenpapier oder Taschentücher dabeihat? Blätter von Bäumen und Sträuchern können als Alternative herhalten.

Am besten, wenn sie bereits abgefallen sind. Abreißen sollte man sie aus Umweltschutzgründen nur im Notfall, appellieren Peters und Raab in ihrem Buch. Glatte Rinde, die vom Baum gefallen ist, taugt den Autoren zufolge ebenfalls als Abwischhilfe. (dpa)

Die Rechtslage

  • Einfach in der Natur sein Geschäft erledigen kann theoretisch teuer werden. In Deutschland gelten für die Notdurft im Wald die gleichen Regelungen wie für das Wildpinkeln innerstädtisch, erklärt der Deutsche Anwaltverein (DAV) auf Anfrage.
  • In der Regel handle es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die in gewissen Fällen – nämlich dann, wenn eine „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ zur Anzeige gebracht und man entsprechend verurteilt wird – auch mit höheren Strafen belegt werden könne. Aber, so der DAV: „In der freien Natur gilt natürlich: Wo kein Kläger, da kein Richter.“ (dpa)