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Prozess: Jetzt packt der Drogendealer aus

Der Zittauer Roger B. räumt vor dem Landgericht ein, kiloweise mit Marihuana gehandelt zu haben. Wie die Geschäfte abgelaufen sein sollen, ist skurril.

Mit kiloweise Marihuana hat auch Roger B. gehandelt.
Mit kiloweise Marihuana hat auch Roger B. gehandelt. © Stefan Puchner/dpa

Staatsanwalt Christopher Gerhardi ist nach der Aussage des Hauptbeschuldigten im Zittauer Drogenprozess vor dem Landgericht Görlitz förmlich der Kragen geplatzt: "Wenn es etwas mit einer Verständigung werden soll, sollten Sie sich genau überlegen, ob sie bei dieser Aussage bleiben. So wird es jedenfalls nichts!", sagte er zum 34-jährigen Roger B. gewandt und führte in einem vorweggenommenen Plädoyers gleich eine ganze Reihe vermeintlicher Widersprüche zu den Ermittlungen auf und bezeichnete verschiedene Schilderungen zum Tathergang als nicht glaubhaft. Der Vorsitzende Richter Theo Dahm sah das ähnlich.

Tausende Euro auf Vertrauensbasis?

Roger B. werden mit seiner 21-jährigen Freundin, die er auch "Verlobte" nannte, insgesamt 18 Straftaten vorgeworfen. Die schlimmsten: Er soll in neun Fällen große Mengen Marihuana aus Tschechien besorgt und abgesehen von einer vergleichsweise geringen Menge für den Eigenverbrauch hier weiterverkauft haben. Dass er die Bestellungen sehr offen über den Handy-Nachrichtendienst WhatsApp abgewickelt hat, spricht eher nicht für einen schlauen Tatplan. Die darin genannten Zahlen waren Grundlage der Anklage, und sie wurden von Roger B. in seiner Aussage im Wesentlichen bestätigt. Er gab sieben der neun angeklagten Marihuana-Käufe zu, zweimal habe er zwar bestellt, das Geschäft sei aber geplatzt und finde sich in der nächsten Anklage wieder. Eingekauft wurde für 6,50 Euro pro Gramm, verkauft meist für acht Euro.

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Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils mit einem Einkaufspreis von fünf Euro gerechnet, sodass die tatsächlich gehandelten Mengen etwas geringer ausfallen dürften als angeklagt, wenn die Aussage von Roger B. stimmt. Er räumte ein, zwischen November 2019 und März 2020 in sieben Einzeltaten Marihuana für insgesamt 37.000 Euro eingekauft zu haben - also rund 5,7 Kilo.

Sein Motiv: "Zuvor sind wir bei unseren Marihuana-Einkäufen oft über den Tisch gezogen worden, sowohl von der Menge her als auch bezüglich der Qualität." Er sei dann in Tschechien mit jemanden ins Gespräch gekommen, der zu einem vernünftigen Preis und auch größere Mengen liefern könne und da habe er zugeschlagen, auch "für die anderen in der Stadt". Den Einkauf der Ware beschrieb Roger B. so: Er habe jeweils per WhatsApp bei seinem Verkäufer Marihuana für einen bestimmten vierstelligen Eurobetrag bestellt und einen Treffpunkt ausgemacht, sei dann in Neugersdorf über die Grenze gefahren und habe dem Verkäufer dort das Geld übergeben ohne im Gegenzug das Marihuana zu erhalten. Vielmehr sei sein tschechischer Verkäufer mit dem Geld zu seinen Kontakten gefahren, habe dort die Menge Marihuana eingekauft und sie Roger B. über die Grenze gebracht, während der Angeklagte dort mit seinem Hund spazierte.

Dass es im Drogengeschäft so viel gegenseitiges Vertrauen geben kann, wollten weder Staatsanwalt Gerhardi noch Richter Dahm so recht glauben. Roger B. gab dann an, alles bis auf eine geringe Menge für den Eigenbedarf verkauft zu haben. "Meine Verlobte wollte damit nichts zu tun haben, hat aber dann trotzdem was rausgegeben, wenn ich ihr gesagt habe, dass jemand vorbeikommt", sagte Roger B. dem Gericht.

Skurrile Geschichte um Paketdienst-Fahrer

Noch skurriler ist die Geschichte, die der Angeklagte wegen der 600 Gramm chemischer Drogen präsentierte, die bei der Hausdurchsuchung bei ihm gefunden wurden. Roger B. sagte aus, dass diese nicht ihm gehörten, er sie nur für jemanden aufbewahrt habe und benannte diese Person auch. Es handele sich um einem Fahrer für den Lieferdienst eines Autoteileversandes. Der Mann, der regelmäßig bestellte Pakete für das Autogeschäft des Angeklagten abliefere, habe bei ihm einmal eine ganze Reihe Pakete hinterlassen, auch mehrere, die nicht an seine Adresse gingen. Diese Pakete lagerte Roger B. nach eigenen Angaben im Büro seiner Autofirma. Sein Hund knabberte dort Pakete an, in einem waren Drogen: "Er hatte ganz große Augen und war nicht mehr Herr seiner Sinne."

B. schaffte daraufhin das Drogenpaket in den Vorraum seiner Wohnung und konfrontierte den Lieferdienst-Fahrer damit. Der bat ihn daraufhin, das Paket zu verwahren. Seine tschechische Freundin wolle die Drogen an Freundinnen verschenken, behauptete er. Der Angeklagte kam dem nach, brachte die Drogen später aus Angst vor Diebstahl in seine Wohnung, wo sie bei der Hausdurchsuchung gefunden wurden. "Dabei haben wir mit chemischen Drogen doch gar nichts am Hut", sagte er im Gericht, konnte die Frage, warum er dem nahezu unbekannten Paketdienst-Fahrer dann diesen Gefallen getan habe, aber nicht schlüssig beantworten.

Festnahme in Baustellen-Falle

Ins Bild passt auch die Geschichte seiner Festnahme im September 2020: Da, so sagt es der Angeklagte, habe er das Geschäft mit dem Marihuana schon längst an einen Nachfolger übergeben. Der sammelte wieder Geld ein und fragte ihn, ob er ihn nicht nach Neugersdorf fahren könne, um es zu übergeben. Die Drogenlieferung sei einen Tag später geplant. Roger B. schilderte vor Gericht, dass er eigentlich nicht wollte, sich aber dann breitschlagen ließ. Das Geld wurde übergeben, und auf der Rückfahrt wurde er mit seinem Begleiter in einer Baustelle von Polizisten in Zivilfahrzeugen eingekesselt. Und im Rucksack seines Begleiters fanden die Beamten die 200 Gramm Marihuana. "Das hat mich total überrascht, weil das ja alles erst am nächsten Tag geliefert werden sollte", sagt Roger B. Es folgte die Hausdurchsuchung, die Handys wurden konfisziert, die unverschlüsselten Nachrichten gelesen...

Vielleicht geht ja Roger B. - glaubt man seinen Aussagen - nicht als größter Drogendealer der Oberlausitz ein, sondern als sorglosester. In den kommenden Verhandlungstagen, insgesamt sind derzeit fünf weitere angesetzt, werden vor allem Zeugen gehört und die WhatsApp-Chats vorgelesen. Ob sie die Geschichten erhärten, die Roger B. dem Gericht präsentiert hat, wird sich zeigen. Nächster Verhandlungstag ist der 6. April.

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