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Komm, wir gehen auf Workation!

Arbeiten, wo andere Urlaub machen - das klingt nach einem Job als Kellner im Ferienressort, kann aber viel mehr sein. Der neue Trend in der Arbeitswelt heißt „Workation“ und findet immer mehr Anhänger.

Von Annett Kschieschan
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Arbeiten - aber in schön! Workation-Aufenthalte machen es möglich. Sie sind allerdings zeitlich begrenzt und müssen vorab vom Arbeitgeber genehmigt werden.
Arbeiten - aber in schön! Workation-Aufenthalte machen es möglich. Sie sind allerdings zeitlich begrenzt und müssen vorab vom Arbeitgeber genehmigt werden. © AdobeStock

Arbeiten von überall aus - in vielen Branchen wird das aller Digitalisierung zum Trotz ein Traum bleiben. Aber Träumen ist bekanntlich erlaubt, und es gibt es ja überdies auch viele Jobs, die tatsächlich an keinen Ort gebunden sind. Kein Wunder also, dass ein neuer Trend die Arbeitswelt erreicht hat: „Workation“ verbindet die englischen Begriffe für Arbeit und Urlaub und will beides auch ganz praktisch in Einklang bringen. Und das kommt nicht von ungefähr.

Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts OnePoll im Auftrag des Reiseanbieters Expedia hätte fast die Hälfte der Deutschen, die im Homeoffice arbeiten, durchaus Lust auf einen Tapetenwechsel. Rund 8.000 Beschäftigte aus sechs Ländern wurden dafür befragt. 37 Prozent fänden es gut, wenn ihr Arbeitgeber die Möglichkeit der Workation anbieten würde. Sie gehen davon aus, dass sie dadurch nicht nur entspannter bei der Arbeit wären, sondern dass sich auch ihre Produktivität erhöhen würde. Und immerhin trauen rund 48 Prozent der Studienteilnehmer ihren Chefs Aufgeschlossenheit für das alternative Arbeitsmodell zu.

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Rechtliche Fragen vorab klären

Einfach von Sylt, vom Bodensee oder aus Athen arbeiten – geht das so einfach? Grundsätzlich schon. Wenn im Arbeitsvertrag eine Vereinbarung zur sogenannten „Fernarbeit“ enthalten ist, steht einem Arbeitsurlaub zumindest in Deutschland nichts im Wege. Nicht ganz so einfach ist es, wenn das heimische Büro tatsächlich temporär ins Ausland, vielleicht sogar jenseits der EU-Grenzen, verlegt werden soll. Hier sind vor allem in versicherungsrechtlicher Hinsicht noch viele Fragen offen - auch, weil Workation hierzulande noch ein recht neuer Trend ist. Versicherungsunternehmen erwarten aber zeitnah verbindliche Grundlagen zum Thema. Ebenfalls wichtig: So schön der gewählte Ort auch sein mag, im Mittelpunkt steht nicht der Urlaubsaspekt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich auf Workation begeben, müssen ihren beruflichen Pflichten genau so nachkommen, wie sie es im Büro oder im Homeoffice tun würden. Außerdem ist Workation nicht als Dauerzustand gedacht. Die genaue zeitliche Begrenzung muss – auch aus steuerrechtlichen Gründen – jeweils mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden.

Klingt kompliziert? Kann es im Einzelfall auch sein - muss es aber nicht. Und in Zeiten eines ohnehin tiefgreifenden Wandels in der Arbeitswelt bei gleichzeitigem Fachkräftemangel sind Unternehmen gut beraten, auch der Workation offen gegenüberzustehen. Vor allem die Generation Z, also Menschen, die ab Mitte der 90er Jahre geboren wurden, findet das Konzept ansprechend. 68 Prozent der Befragten dieser Altersgruppe würden lieber am Urlaubsort arbeiten als zu Hause Urlaub zu machen. Das Gute daran: Auch in Deutschland gibt es inzwischen durchaus Angebote, die explizit auf Workation ausgerichtet sind und keiner aufwändigen versicherungsrechtlichen Recherche bedürfen. Und viele Beschäftigte wollen offenbar auch nicht gleich nach Andalusien oder ans Nordkap. Ein schöner, ländlich gelegener Ort in Deutschland würde ihnen aber durchaus gefallen. 58 Prozent der Studienteilnehmer bevorzugen ein Zimmer oder eine Ferienwohnung an einem See oder in den Bergen für die Erfüllung des eigenen Workation-Traums. Zu den wichtigsten Ausstattungskriterien gehören dabei für die deutschen Befragten WLAN (58 Prozent) und ein dedizierter Arbeitsbereich (43 Prozent). Das sollte durchaus machbar sein.

Chance für ländliche Regionen

Vielleicht kann der neue Trend also gleichsam den strukturschwächeren Regionen helfen und Arbeitsurlauber aus Niedersachsen oder dem Rheinland auch ins Lausitzer Seenland oder ins Erzgebirge locken. Die Bertelsmann-Stiftung hat bei ihren Recherchen für die Untersuchung „Co-Working im ländlichen Raum“ konstatiert, dass flexible Arbeitsformen wie Co-Working oder Workation gut für Umwelt, Regionalentwicklung und das Gelingen des Strukturwandels sein können.Erste Anbieter haben reagiert. So werben etwa in der Uckermark mehrere Vermieter für Workation-Aufenthalte, darunter das idyllisch gelegene Gut Fergitz. Aber auch im Bayerischen Wald beziehungsweise im Allgäu ist man auf Arbeitsurlauber bestens vorbereitet. In Sachsen bietet das Kühlhaus Görlitz vor allem Kreativen die – freilich nicht ganz so ländlich gelegene – Möglichkeit, Arbeit, Erholung und Inspiration zu verbinden. Dort, wo andere Urlaub machen.

Infos gibt es unter anderem hier.

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