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Nachschub fürs digitale Stadtgedächtnis

Im Online-Lesesaal des Bautzener Archivverbunds können Nutzer auf über 13.000 eingescannte Zeitdokumente zurückgreifen. Das hat mehrere Vorteile.

Grit Richter-Laugwitz , Leiterin des Archivverbundes Bautzen, hat ein Personensteuerbuch aus dem Jahr 1802 in der Hand. Dieses Buch und viele andere Dokumente sind jetzt auch online einsehbar.
Grit Richter-Laugwitz , Leiterin des Archivverbundes Bautzen, hat ein Personensteuerbuch aus dem Jahr 1802 in der Hand. Dieses Buch und viele andere Dokumente sind jetzt auch online einsehbar. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es braucht ein bisschen Geduld, bis sich das große Dokument auf der Archiv-Internetplattform öffnet. Mit einem Klick geht es dann in die „Personen-Steuerrechnung vom Jahr 1802“. In gestochener Handschrift hat der „Steuer-Einnehmer“ Namen der Hausbesitzer, deren Kinder und Angestellter und der gezahlten „Kopfsteuer“ auf dem Papier festgehalten.

„Die Unterlagen sind interessant für Familienforscher und zugleich eine wichtige Quelle für heimatkundliche und sozialhistorische Forschung“, sagt Archivverbund-Leiterin Grit Richter-Laugwitz. Die Steuerbücher gehören erst seit Kurzem zum frisch digitalisierten Archivgut.

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Die Archivarin blättert sich digital durch die Steuereinnahmen der Bautzener vor über 200 Jahren. Es erinnert an ein Adressbuch. „Wir digitalisieren unsere Archivalien, um sie einem breiten Nutzerkreis zugänglich machen zu können. Außerdem können wir sie so schützen, indem wir eben nicht mehr alles immer wieder aus dem Magazin ausheben müssen. Digitalisierung ist Bestandserhaltung“, sagt Grit Richter-Laugwitz.

Durch die Digitalisierung werden die Archivmaterialien - wie beispielsweise diese Bücher - geschützt, weil sie für Recherchen nicht immer wieder aus dem Magazin geholt werden müssen.
Durch die Digitalisierung werden die Archivmaterialien - wie beispielsweise diese Bücher - geschützt, weil sie für Recherchen nicht immer wieder aus dem Magazin geholt werden müssen. © SZ/Uwe Soeder

Neben den Personensteuerbüchern finden sich im Online-Archiv inzwischen Urkunden, Personenstandsbücher des Standesamtes, Ratsprotokolle, Zweitschriften der Tauf-, Trau- und Sterbenachrichten von St. Petri und St. Michael sowie Bürgerbücher und Chroniken. Mit den erschließenden Digitalisierungsprojekten kann sich der Archivverbund Bautzen nach Aussagen der Leiterin gern mit anderen Archiven messen.

„Wir haben inzwischen vom Stadtarchiv über 40.000 Archivalien auf der Plattform findbuch.net hochgeladen, von über 13.000 gibt es Digitalisate, die online einsehbar sind“, sagt sie. Das digitale Findbuch-Gedächtnis vereint die Datenbanken von über 120 Archiven, Museen und Bibliotheken. Stück für Stück haben auch Mitarbeiterinnen des Bautzener Archivs die Eigenschaften jeder Überlieferung sozusagen von der einstigen Karteikarte in den digitalen Karteikasten gesteckt. Es ist eine Mammutaufgabe.

Das Bautzener Archiv in der Schloßstraße verwaltet weit mehr als einen Kilometer Akten übereinandergestapelt. „Vom Gesamtbestand des Stadtarchivs haben wir zehn Prozent online nutzbar gemacht“, sagt die Archivarin. Für das Staatsfilialarchiv sind aktuell mehr als 82.200 Datensätze in SAX.Archiv recherchierbar. Tendenz steigend.

Unter anderem ist für das Stadtarchiv ein Förderantrag über das Bundes-Programm „WissensWandel“ gestellt, der die Texterkennung der historischen Ratsprotokolle beinhaltet. Jene Mitschriften der häufig mehrfach wöchentlich stattfindenden Zusammenkünfte wohlhabender Herren aus Bautzener Patrizierfamilien erzählen viel über das Leben in der Stadt. „Kernüberlieferung der Stadt“, sagt die Archivarin.

Im Online-Archiv befinden sich inzwischen auch Urkunden.
Im Online-Archiv befinden sich inzwischen auch Urkunden. © SZ/Uwe Soeder

Ziel ist es durch das Transkribieren des städtischen Gedächtnisses, die Bände einem noch breiteren Interessenten-Kreis, vor allem aber jenen zugänglich zu machen, die dem Lesen der historischen Schriften nicht kundig sind. Schließlich würden immer mehr junge Leute Familienforschung betreiben, haben Grit Richter-Laugwitz und ihre Kolleginnen festgestellt. Bei der Digitalisierung soll es unter anderem bei den Protokollen der Stadtverordnetenversammlung weitergehen. Parallel dazu sind die Archivarinnen dabei, für weitere Akten die Angaben für die Datenbank zu erschließen.

Spannend für Familien- und Heimatforscher ist sicher auch der digitalisierte Bestand des Gymnasiums. Interessierte können sich hier über die vorhandenen Unterlagen der städtischen Lehranstalt aus der Zeit zwischen 1642 und 1945 informieren. Darin finden sich insbesondere Akten des Rektorats, eine Reihe von Jahresberichten und ein Verzeichnis der Schüler des Gymnasiums von 1642 bis 1834, welches bereits digital einsehbar ist.

Die Arbeit zahlt sich aus: Trotz geschlossenem Lesesaal wegen der Corona-Pandemie verzeichnet das Online-Archiv mit den Bautzener Archivalien zwischen 1.000 und 1.500 Zugriffe im Monat. „Und es ist jetzt schon absehbar, dass es im Januar weiter nach oben geht“, sagt Grit Richter Laugwitz.

www.archivverbund-bautzen.findbuch.net
www.archivportal-d.de

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