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Arbeit und Bildung

Ein Kompass für das Uni-Universum

Die Initiative Studienkompass will es Jugendlichen aus Familien ohne akademischen Hintergrund leichter machen, an Hochschulen Fuß zu fassen.

Wo geht‘s denn hier zur Uni? Die Initiative Studienkompass will Jugendlichen aus Familien ohne akademischen Hintergrund den Weg leichter machen.
Wo geht‘s denn hier zur Uni? Die Initiative Studienkompass will Jugendlichen aus Familien ohne akademischen Hintergrund den Weg leichter machen. © Studienkompass

Wer ein Abitur hat, darf studieren. Je nach Notendurchschnitt können die Möglichkeiten dabei nahezu unbegrenzt sein. Was einerseits verlockend klingt, kann andererseits auch für Unsicherheit sorgen. Vor allem dann, wenn Jugendliche in der eigenen Familie und im Umfeld keine akademischen Vorbilder haben. Laut dem Hochschulbildungsreport entscheiden sich nur 21 Prozent der Kinder aus Nichtakademikerhaushalten für ein Studium, unter Akademikerkindern sind es 74 Prozent. Und die Unterschiede hören nicht bei der Immatrikulation auf. Während rund ein Drittel der Arbeiterkinder das Studium abbricht, sind es bei den Akademikern nur 15 Prozent.

Das liegt in der Regel nicht an schlechteren Leistungen, sondern an dem Gefühl, auf einem gänzlich unbekannten Terrain verloren zu sein. Längst ist bekannt, dass auf diese Weise auch viel Potenzial verlorengeht. Die Initiative Studienkompass will gegensteuern und jungen Leuten die Angst vor einer akademischen Ausbildung nehmen.

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Coaching schon vor der Abi-Zeit

Das Förderprogramm unterstützt bundesweit aktuell mehr als 1.100 Schülerinnen und Schüler aus Familien ohne akademische Erfahrung. Rund 3.150 junge Menschen haben das Programm bereits erfolgreich durchlaufen.

Vor kurzem erst trafen sich die rund 300 diesjährigen Studienkompass-Absolventinnen und -Absolventen aus ganz Deutschland bei einer zweitägigen Online-Veranstaltung. Darunter waren auch 20 junge Männer und Frauen aus der Region Dresden. Schon seit 2018 – also zwei Jahre vor dem Abitur – wurden sie vom Studienkompass begleitet. Inzwischen studieren sie Medizinische Informatik, Maschinenbau und Soziale Arbeit – oder machen eine Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau oder als Chemielaborant. So unterschiedlich wie die gewählten Wege sind, eines haben alle Teilnehmer gemeinsam: Sie kommen aus einer Familie ohne akademischen Erfahrungen. „Der Studienkompass unterstützt sie bei ihrer beruflichen Orientierung und hilft ihnen, alle Möglichkeiten zu erkunden und eine Entscheidung zu treffen, die sich nicht nach ihrer sozialen Herkunft, sondern nach ihren Interessen und Talenten richtet“, so der Anspruch der Initiative, die 2007 von der Accenture-Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ins Leben gerufen wurde.

Am Ende des ersten Studien- und Berufsjahres bot die digitale Zusammenkunft nun auch die Möglichkeit, gemeinsam auf die dreijährige Förderung zurückzublicken. Aber auch die Zukunft stand ganz klar im Fokus. Der Studienkompass unterstützt auch dabei, zu entscheiden, wie das künftige Berufsleben und der Karriereweg aussehen und welche Kompetenzen und Qualifikationen dazu vielleicht noch hilfreich sein können. Neben Trainings und Workshops helfen dabei neue digitale Lehr- und Lernformate. Eine App hält sowohl die Teilnehmer als auch ihre Mentoren immer auf dem Laufenden.

Aktuellen Themen wie New Work, Resilienz oder Selbstmarketing sind eigene Workshops gewidmet. Gerade für junge Leute ohne akademisches Umfeld sind Netzwerke besonders wichtig. Das erste gibt es quasi zur Förderung dazu – den Studienkompass- Alumniverein. Ein Konzept, das ankommt. So hätten die Teilnehmer „eindrucksvoll geschildert, wie sie die Förderung geprägt hat und was sie daraus für ihre Zukunft mitnehmen“, so Dr. Ulrich Hinz, Bereichsleiter Schülerförderung der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Die intensive Förderung und Bestärkung im Studienkompass trage wirksam zu mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem bei.

Alumni-Netzwerk hilft weiter

Dementsprechend hat sich in den vergangenen Jahren auch die Zahl der Partner der Initiative vergrößert. Hauptförderer sind die aim – Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken, die Karl Schlecht Stiftung und die die aqtivator gGmbH. Letztere kümmert sich auch um die Betreuung der Teilnehmer aus der Dresdner Region. Das Bundesfamilienministerium ist mit dem Programm „Menschen stärken Menschen“ mit im Boot. Seit 2018 werden darüber neben Geflüchteten auch Patenschaften für Menschen, die sich in "benachteiligenden Lebenssituationen" befinden, unterstützt. Damit die Entscheidung für eine akademische Zukunft nicht vom familiären Hintergrund abhängt.

www.studienkompass.de

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