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Erster Geister-Renntag ist finanzieller Erfolg

Der Dresdner Galoppklub veranstaltet erstmals unter Ausschluss der Öffentlichkeit, verbucht einen Rekordumsatz und vermisst dennoch was.

Die Startmannschaft hat alle Hände voll zu tun, um die Stute Zero Six Nine mit Jockey Clement Lecoeuvre in die Maschine zu schieben.
Die Startmannschaft hat alle Hände voll zu tun, um die Stute Zero Six Nine mit Jockey Clement Lecoeuvre in die Maschine zu schieben. © Matthias Rietschel

Dresden. Diese Beträge kennen sie nicht auf der Dresdner Galopprennbahn. Bei beinahe 300.000 Euro steht der Rekord beim Gesamtumsatz seit Freitag, dem ersten Renntag ohne Besucher. „Zu Euro-Zeiten gab es diese Summe noch nie, und auch in den Jahren mit der D-Mark steht der Bestwert um die 500.000 herum“, sagt Uwe Tschirch. Dennoch vermisst der Geschäftsführer des Dresdener Rennvereins natürlich die sonst bis zu 12.000 Fans auf dem Areal. Diesmal durften ausschließlich Personen, die für den Renntag notwendig waren, das Gelände betreten: gut 200.

Claudia Barsig gehörte dazu. Die Dresdner Trainerin sattelte sechs Pferde und mit dem Wallach So Super einen Gewinner. „Es war natürlich ungewohnt, weil wir alle die Situation nicht kannten“, sagt sie. „Das Publikum fehlt, die Stimmung fehlt.“ Es sei so ruhig wie im Training gewesen – keine Lautsprecher, keine Musik, keine Unruhe, keine Zuschauer. „Für die Pferde war das sicherlich ein bisschen entspannter.“ Sie rückten jedenfalls problemloser als sonst in die Startmaschine ein.

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Heike Frohburg kam sich vor wie in einem Stummfilm. Sie managt den Rennstall des Dresdner Trainers Stefan Richter, kümmert sich vor allem um die Besitzer. Die durften diesmal aber nicht auf die Anlage, daher arbeitete sie in der Rennleitung mit. „In diesen Tagen müssen wir improvisieren und ungewohnte Aufgaben übernehmen. Damit ist allen geholfen.“ Vor allem Besitzern, Reitern, Trainern und Züchtern. „Sie brauchen die Prämien, auch wenn sie mager ausfallen“, sagt Frohburg. Es geht um 3.000 bis 3.600 statt bis zu 55.000 Euro.

Barsig bestätigt das: „Nicht wenige Besitzer waren schon am Verzweifeln aufgrund der Lage.“ Fehlende Rennen seien ein Problem für sie und Züchter. „Pferde, die keine Wettbewerbe laufen, kosten nur Geld.“ Barsig kann mit den niedrigeren Prämien leben. „Wir brauchen sie für einen ordentlichen Schnitt im Monat. Mit den Einnahmen fürs Training kommen wir mal über den Winter.“ Er dauerte diesmal wegen der Corona-Pandemie doppelt so lange wie sonst. Das habe es schwierig gemacht.

Problematisch für den Klub war die Abgabe des Renntages am 11. Mai nach Mülheim an der Ruhr. „Umso wichtiger war es für uns, dass wir jetzt für Halle an der Saale einspringen und anfangen konnten“, sagt Präsident Michael Becker. „Es wäre nicht gegangen, noch länger zu warten.“ Er habe den Druck seitens der Besitzer und Züchter gemerkt. „Dass sie nicht vor Ort sein dürfen, müssen sie jetzt erst mal genauso hinnehmen wie das gesenkte Preisgeld.“

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Becker war total begeistert und auch zufrieden mit dem Umsatz. „Das Konzept des Dachverbandes stimmt. Wir können wirklich die gesamten Wetten auf einen Renntag und eine Rennbahn fokussieren.“ Es habe Favoriten- und Außenseitererfolge gegeben. Das mache Galopp aus – und natürlich das Publikum. „Dass wir bis Ende August ohne Zuschauer auskommen müssen, bleibt der Wermutstropfen.“

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