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Das Coronavirus zieht nach Westen

Die Inzidenzen sinken im Osten Sachsens besonders deutlich. Wieder stärker betroffen ist das Vogtland. So ist die Lage in Sachsens Gemeinden.

Leipzig war lange weniger vom Coronavirus betroffen als der Rest Sachsens - das ändert sich nun.
Leipzig war lange weniger vom Coronavirus betroffen als der Rest Sachsens - das ändert sich nun. © dpa/Jan Woitas (Archiv)

Die aktuellen Corona-Zahlen sorgten für "ein leichtes Lächeln" - so einen Satz hatte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) wohl erst in einigen Monaten erwartet. Doch am Freitag fiel er, als die Ministerin über die Corona-Lage im Freistaat berichtete. Schnell bemühte sie sich um das Einfangen der Euphorie, die Lage auf den Intensivstationen sei weiterhin besorgniserregend. Doch die Inzidenzen im Freistaat fallen weiter - die Stadt Dresden unterschritt am Dienstag sogar die wichtige Grenze von einer 100er-Inzidenz. Der strenge Lockdown scheint endlich Wirkung zu zeigen.

Gradmesser für die Betroffenheit ist die 7-Tage-Inzidenz. Das ist die Anzahl der positiv getesteten Personen innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Einwohner gerechnet. Damit soll das Infektionsgeschehen zwischen Bundesländern und Landkreisen vergleichbar dargestellt werden. Und ohne ein Absinken dieser Zahlen sind keine Lockerungen in Sicht. Immer wieder wird eine Zielinzidenz von 50 angegeben, ehe es Lockerungen geben könne.

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Sachsen befindet sich laut Robert Koch-Institut derzeit noch bei einer Inzidenz von 160,9 vergangene Woche lag sie bei 244, in der Vorwoche bei fast 300. Die Tendenz ist eindeutig, doch auch andere Bundesländer haben bei einer Inzidenz von etwas über 100 ein Plateau erreicht, auf dem sie seit Wochen verharren. Ob das in Sachsen anders sein wird bleibt abzuwarten - Grund zur Vorsicht ist es allemal.

Inzidenz mit Vorsicht zu genießen

Seit dem 5. Januar veröffentlicht das Sächsische Sozialministerium diese Inzidenzzahlen für die einzelnen Gemeinden im Freistaat. Das Ministerium weist darauf hin, dass die Zahlen möglicherweise nicht komplett mit den gemeldeten Fällen der Landesuntersuchungsanstalt übereinstimmen.

Vor zwei Wochen war beispielsweise der Kurort Rathen als Sachsens Hotspot angegeben mit einer Inzidenz von über 2.000. Dort gab es nur sieben Neuinfektionen, doch bei 349 Einwohnern sorgt das für eine sehr hohe Inzidenz. Gerade bei niedrigen Einwohnerzahlen ist die Inzidenz also mit Vorsicht zu genießen.

Vor drei Wochen wurde die Gemeinde Rosenbach bei Löbau mit 24 Fällen und einer Inzidenz von über 1.500 aufgeführt, die Gemeinde hatte aber vom örtlichen Gesundheitsamt nur sieben Fälle gemeldet bekommen. Nachfragen ergaben, dass einige Gesundheitsämter in Einzelfällen zwei Orte zusammenrechneten, und einer Gemeinde anlasteten. Der zweite Ort hatte dann also weniger Fälle als in Wahrheit. Trotzdessen geben die Zahlen einen guten Überblick über mögliche regionale Hotspots - denn das Virus macht nicht an Ortsgrenzen Halt.

Keine Gemeinde mehr über 1.000

Offensichtlich wird: Auch wenn im ganzen Freistaat die lokalen Inzidenzen sinken, gibt es ein Ost-West Gefälle. Denn Sachsens Westen, besonders Leipzig und der Kreis Nordsachsen, war in den letzten Monat deutlich weniger von der Pandemie betroffen als der Osten. Das kehrt sich nun um: Leipzig ist seit letzter Woche zumindest nach der Inzidenz (146,8) die am stärksten betroffene sächsische Großstadt (Dresden: 99,5; Chemnitz: 86,1). Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Sachsen bei der Betrachtung der Bundesländer längst überholt - diese Entwicklung wird nun auch in den Grenzregionen zu diesen Bundesländern deutlich.

Der Landkreis Leipzig ist nun mit einer Inzidenz von 230 Sachsens Hotspot. Zwar ist das deutlich unter dem, was andere Landkreise bereits hinter sich haben, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge waren zeitweise über 500, doch Sachsen gleicht sich aus. Besonders ins Gewicht fallen hier einige größte Gemeinden mit hohen Inzidenzen, wie Wurzen mit 16.209 Einwohnern und einer Inzidenz von 425,7 oder Grimma (Inzidenz: 354,9) mit 28.000 Einwohnern. Letzteres war bereits in der letzten Woche stark betroffen, konnte seine Inzidenz von 497 aber senken. Auch die Gemeinde Bennewitz, mit knapp 5.000 Einwohner, ist weiterhin ein regionaler Hotspot (826 auf 423).

Die höchsten Inzidenzen finden sich im Vogtland, wo Anfang des Jahres Inzidenzen von fast 3.000 festgestellt wurden. Danach stellte sich heraus, dass zahlreiche Fälle nachgemeldet wurden. Nun, drei Wochen später, führen Gemeinden im Vogtland die Liste wieder an. Vorn liegt Bad Brambach mit 873. Dahinter folgt Bad Elster als einer der wenigen Orte, in denen die Inzidenz gestiegen ist - von 680 in der vergangenen Woche auf nun 844. Dann folgt Steinberg (729). Die Gesamtinzidenz liegt laut RKI jedoch bei 160 - und damit deutlich unter dem sächsischen Durchschnitt. Jedoch sind erfahrungsgemäß in den kommenden Tagen höhere Zahlen zu erwarten.

Robust bleibt der Landkreis Zwickau. Der am stärksten betroffene Ort ist hier St. Egidien, der mit seiner 7-Tages-Inzidenz von 336,6 nicht herausragt. Im Kreis ist die Inzienz von etwas über 150 auch unter sächsischem Durchschnitt. Nur Orte ohne Coronafälle gibt es keine mehr - das waren in der Vorwoche zwei.

Hotspot bleibt Hotspot?

Auffällig ist, dass sich in der Inzidenz-Rangliste an einigen Stellen nicht mehr viel tut. In Gemeinden, in der in der Vorwoche viele Neuinfektionen stattfanden, gibt es meist auch in der folgenden Woche viele Fälle. So zum Beispiel in Oderwitz im Landkreis Görlitz, wo es 50 Neuinfektionen unter den 5.002 Einwohnern in vergangenen Woche gab, in dieser Woche sind es noch 30. Zwar sinkt die 7-Tages-Inzidenz von 999,6 auf 599,8 - trotzdem bleibt die Gemeinde Spitzenreiter.

Ähnlich ist es im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wo Rosenthal-Bielatal, zwar seit Wochen der Ort mit der höchsten Inzidenz im Kreis ist, allerdings gab es in den letzten 7 Tagen nur 8 Neuinfektionen, während es in den Wochen zuvor 14 soie 30 unter den 1.660 Einwohnern waren. Damit sank die Inzidenz von 1.891 auf weniger als die Hälfte mit 883 und in dieser Woche noch einmal auf 504. Vor zwei Wochen war der Kreis noch sachsenweiter Hotspot - nun liegt er im Mittelfeld.

Konstant bleiben zum Glück aber auch viele Gebiete mit wenigen Fällen. Im Landkreis Meißen liegen Lommatzsch (165 auf 62) und Radebeul (218 auf 83) seit Wochen ganz unten in der Rangliste. Auffällig viele Gemeinden ohne Neuinfektionen gibt es im Landkreis Görlitz. Ganze sechs Gemeinden verzeichneten eine Null: Groß Düben, Hainewald, Neusalza-Spremberg, Oybin, Schönbach und Trebendorf. Gerade letztere dürfte das freuen - in der Woche zuvor hatte Trebendorf die zweithöchste Inzidenz im Kreis. Jedoch bei nur 854 Einwohnern.

Kreis Bautzen

  • 1. Wilthe, Stadt, 7-Tage-Inzidenz: 512
  • 2. Großdubrau, 400,1
  • 3. Laußnitz, 270
    ...
  • 55. Nebelschütz, 0
  • 56. Sohland an der Spree, 0
  • 57. Spreetal, 0

Erzgebirgskreis

  • 1. Auerbach, 529,5
  • 2. Bockau, 404,5
  • 3. Drebach, 390,1
    ...
  • 57. Börnichen, 0
  • 58. Oberwiesenthal, 0
  • 59. Seiffen, 0

Kreis Görlitz

  • 1. Oderwitz, 599,8
  • 2. Herrnhut, 565,4
  • 3. Großschönau, 447,5
    ...
  • 51. Oybin, 0
  • 52. Schönbach, 0
  • 53. Trebendorf, 0

Kreis Leipzig

  • 1. Trebsen, 602,6
  • 2. Wurzen, 425,7,
  • 3. Bennewitz, 423,2
    ...
  • 28. Eltertrebnitz, 1
  • 29. Otterwisch, 72,4
  • 30. Rötha, 3

Kreis Meißen

  • 1. Käbschütztal, 620,9
  • 2. Strehla, 618,1
  • 3. Nünchritz/Glaubitz, 504,9
    ...
  • 23. Radebeul, 82,6
  • 24. Lommtazsch, 61,9
  • 25. Diera-Zehren, 61,7

Mittelsachsen

  • 1. Königshain-Wiederau, 612,3
  • 2. Leisnig/Stadt, 582,3
  • 3. Hainichen, 432,3
    ...
  • 51. Altmittweida, 0
    52. Zettlitz, 0
  • 53. Zschaitz-Ottewig, 0

Nordsachsen

  • 1. Belgern-Schildau, 557,1
  • 2. Wermsdorf, 461,4
  • 3. Dreiheide, 400,5
    ...
  • 28. Krostitz, 49,6
  • 29. Taucha, 44,5
  • 30. Schönwölkau, 0

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

  • 1. Rosenthal-Bieletal, 504,4
  • 2. Rathmannsdorf, 504,2
  • 3. Sebnitz, 465,1
    ...
  • 34. Rathen 0
  • 35. Hermsdorf, 0
  • 36. Liebstadt, 0

Vogtlandkreis

  • 1. Bad Brambach, 872,9
  • 2. Bad Elster, 843,5
  • 3. Steinberg, 729,1
    ...
  • 35. Eichigt, 83,9
  • 36. Ellefeld, 78,6
  • 37. Mühlental, 0

Kreis Zwickau

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  • 1. St. Egidien, 336,6
  • 2. Langenbernsdorf, 278,0
  • 3. Hohenstein-Ernstthal, 261,6
    ...
  • 31. Callenberg, 73,9
  • 32. Neukirchen/Pleiße, 77,5
  • 33. Gersdorf, 76,2

Kreisfreie Städte

  • Leipzig, 146,8 (vorher 198,1)
  • Dresden, 99,5 (vorher 178,9)
  • Chemnitz, 86,1 (vorher 129,5)

Eine Karte mit allen Orten finden Sie in diesem Artikel: Die Corona-Lage in Sachsens Gemeinden.

Stand: 26. Januar 2021, Quelle: Sozialministerium

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