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Sachsen

Sachsen: Hohe Übersterblichkeit im Januar

In der zweiten Januarwoche starben über 50 Prozent mehr Menschen als im Vergleich zu den Vorjahren. Liegt das nur an Corona?

Im Februar scheint die Übersterblichkeit in Sachsen zurückzugehen.
Im Februar scheint die Übersterblichkeit in Sachsen zurückzugehen. © André Schulze, [email protected]

Wiesbaden. In Sachsen sind bis Mitte Januar im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich mehr Menschen gestorben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts starben in der zweiten Januarwoche - der letzten Woche, für die auf Länderebene aktuelle Hochrechnungen vorliegen - insgesamt 1.822 Menschen: Das sind 54 Prozent mehr Todesfälle als im Vergleichszeitraum in den vier vorangegangenen Jahren.

Damit lag die Übersterblichkeit in Sachsen mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt, wo in der zweiten Januarwoche 22 Prozent mehr Todesfälle verzeichnet wurden. Im Vergleich zum Dezember, als mehr als doppelt so viele Menschen wie in den Vorjahren in Sachsen starben, ging die Zahl der Todesfälle aber deutlich zurück.

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Auch auf Bundesebene geht laut Statistischem Bundesamt die Zahl der zusätzlichen Toten stark zurück: In der ersten Februarwoche lag die Übersterblichkeit nur noch bei einem Prozent. Ebenso verringerte sich die Zahl der Covid-19-Todesfälle: Nach den letzten Hochrechnungen starben bundesweit in der dritten Januarwoche 4294 Menschen - das sind 386 Fälle weniger als noch in der Vorwoche.

Sterbezahlen parallel zur Pandemie

Bereits im vergangenen Jahr wurde eine Übersterblichkeit diagnostiziert. Auffällig dabei: Das Auf und Ab der Todesfälle 2020 verläuft weitgehend parallel zur Zahl der Covid-Infizierten.. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im Dezember sind nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 29 Prozent mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der vier Vorjahre. Bereits im November lagen die Sterbefallzahlen 12 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019, wie das Amt am Freitag in Wiesbaden berichtete.

"Als die Zahl der Fälle zurückging, bewegten sich ab Mai auch die Sterbefallzahlen etwa auf dem durchschnittlichen Niveau der Vorjahre", heißt es in der Jahresbilanz des Bundesamts. Im August stieg die Zahl der Todesfälle vorübergehend wieder an. "Dieser Effekt tritt im Sommer häufig auf und ging auch in diesem Jahr offenbar auf eine Hitzeperiode zurück." Ab Mitte Oktober starben wieder deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren - erneut parallel zu den laborbestätigten Covid-19-Fällen.

Womöglich sagen die Todesfallzahlen sogar mehr über die Pandemie aus als viele andere Zahlen, glaubt Tim Friede, Leiter des Instituts für Medizinische Statistik der Universitätsmedizin Göttingen. "Ob jemand tot ist oder nicht ist ja recht eindeutig. Die Diskussionen gehen ja erst los, wenn man fragt: woran ist die Person gestorben."

Nicht nur Corona-Übersterblichkeit in Sachsen

Die sogenannte Gesamtmortalität - also die Zahl der insgesamt Gestorbenen - sei 2020 nicht nur deutlich höher als in den Vorjahren. "Das läuft auch parallel mit den gemeldeten Covid-19-Fällen. Von einem ursächlichen Zusammenhang ist also auszugehen", sagt Friede. In der ersten Welle sei der Zusammenhang nicht so stark ausgeprägt gewesen, in der zweiten sei er "nicht mehr wegzudiskutieren".

"Die gestiegenen Sterbefallzahlen im Jahr 2020 sind größtenteils auf eine Zunahme von Sterbefällen in der Altersgruppe der ab 80-Jährigen zurückzuführen", ordnet das Bundesamt ein. Die Sterbefallzahlen der unter 80-Jährigen hätten dagegen etwa auf dem Vorjahresniveau gelegen.

Vor allem Sachsen hatte sehr hohe Sterbezahlen gemeldet. Wie ist das zu erklären? Die Covid-19 Data Analysis Group (Codag) aus München ist der Frage nachgegangen. "Etwa die Hälfte der zur Zeit beobachteten Übersterblichkeit in Sachsen kann nicht direkt mit einer registrierten Covid-19-Erkrankung in Verbindung gebracht werden", heißt es in einem Codag-Bericht von Anfang Januar. "Dieses Ergebnis überrascht und verlangt nach weiteren differenzierteren Analysen ​von Seiten der statistischen Landesbehörden", schreiben die Autoren.

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Was vor allem geklärt werden müsse, sei die Dunkelziffer. "Wie viele Covid-19 Infektionen bleiben unentdeckt, weil die Infizierten keine Symptome zeigen oder aus anderem Grund nicht getestet werden? Nur wenn man die Dunkelziffer kennt, kann man valide die Anzahl der aktuell Infizierten bestimmen." Helfen könnten Antikörperstudien oder Massentests der Bevölkerung. (dpa)

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