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Dresdner Corona-Ampel auf Gelb: Was heißt das?

Am Freitag meldete das Gesundheitsamt bereits 50 neue Corona-Fälle in der Stadt. Was das für die Dresdner bedeutet. Eine Übersicht.

Am Freitag wurden 50 neue Corona-Fälle für Dresden gemeldet. Das hat nun Konsequenzen.
Am Freitag wurden 50 neue Corona-Fälle für Dresden gemeldet. Das hat nun Konsequenzen. © Britta Pedersen/dpa

Dresden. Immer mehr Dresdner infizieren sich wieder nachweislich mit dem Corona-Virus, die Zahlen nehmen rasch zu. An diesem Freitag wurden weitere 50 Fälle gemeldet - mit der Folge, dass die Dresdner Corona-Ampel erstmals auf "gelb" gesprungen ist.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) mahnt angesichts des schnellen Anstiegs: "Wir alle haben mit steigenden Corona-Infektionen im Herbst gerechnet. Nun sind sie da und wir alle haben es in der Hand: Halten wir Abstand zueinander, verzichten wir auf unnötige Kontakte, achten wir besonders auf Hygiene und tragen wir Mund-Nasen-Bedeckungen überall dort, wo wir uns nicht anders schützen können." Die SZ beantwortet alle wichtigen Fragen zu den Infektionszahlen, zur Corona-Ampel und den Folgen.

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Wie viele Corona-Fälle gibt es in Dresden?

124 nachgewiesene Corona-Infektionen hat die Stadt in den vergangenen sieben Tagen gemeldet. An keinem Tag kamen dabei so viele neue Fälle dazu, wie an diesem Freitag. Auch bei mehreren Kleinkindern wurde das Virus nachgewiesen. Die Corona-Ampel steht nun auf Gelb. Insgesamt 50 neue Fälle hat das Gesundheitsamt am Freitag gemeldet. Damit ist das Coronavirus seit Anfang März bei insgesamt 1.003 Dresdnern nachgewiesen worden. 

Geschätzt wird, dass inzwischen 807 Menschen wieder genesen sind. Das sind acht mehr als am Mittwoch. Zwei weitere Covid-19-Patienten sind vom Donnerstag zu Freitag ins Krankenhaus eingewiesen worden. Damit steigt die Zahl derjenigen, die bisher wegen einer Corona-Infektion stationär versorgt werden mussten, auf 98. Aktuell liegen dreizehn Dresdner im Krankenhaus.

Das Gesundheitsamt antwortet am Freitag auf SZ-Anfrage: "Es gibt keine Häufungen. Es handelt sich um Einzelinfektionen über das Stadtgebiet verteilt, überwiegend sind es Reiserückkehrer und einzelne Schüler."

Was heißt das für die Corona-Ampel?

Die sogenannte Corona-Ampel der Stadt regelt, ab wie vielen Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen welche Maßnahmen eingeleitet werden. Durch den sprunghaften Anstieg der Fälle unter den Getesteten hat die Ampel die Phase "hellgrün" ausgelassen und ist sofort auf "gelb" gesprungen.

Bereits ab der hellgrünen Stufe, also ab 21 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche - in Dresden sind das 118 Fälle - sind Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern untersagt. 

Die gelbe Phase wird als "erhöhte Wachsamkeit" bezeichnet. Sie tritt ab 146 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage in Dresden in Kraft - 26 Neuinfektionen pro 1000.000 Einwohner. Diese Zahl ist seit Freitag erreicht.

Ab sofort können Kontaktbeschränkungen und Verhaltensmaßnahmen im öffentlichen Raum erlassen werden. Welche, entscheiden Land und Stadt. Es kann generell eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit angeordnet werden, ausgenommen sind Aktivitäten unter freiem Himmel. Für Versammlungen kann die Teilnehmerzahl begrenzt werden, ebenso bei Gottesdiensten, Beerdigungen und Trauungen.

Für den Striezelmarkt bedeutet das, wenn er jetzt starten würde, wären Einlasskontrollen in den Gastro-Bereichen vorgeschrieben. Es wird nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern hereingelassen, die Kontakte müssen nachvollzogen werden können - per App oder mit Listen.  

Es wäre verboten, Spirituosen auszuschenken und pro Besucher müssen vier Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Ob konkrete Verbote und Einschränkungen wegen der steigenden Fallzahlen angeordnet werden, soll aber erst in der kommenden Woche entschieden werden.

Wie viele Fälle gibt es in Schulen und Kitas?

Am Freitag wurden drei weitere betroffene Schulen bekannt. Aktuell gibt es demnach einen positiven Corona-Nachweis im Hort der 51. Grundschule "An den Platanen" in Striesen. Eine Klasse und ihre Erzieherin werden bis Freitag, 16. Oktober, in häusliche Quarantäne versetzt. Auch am Beruflichen Schulzentrum für Bau und Technik an der Güntzstraße gibt es seit Freitag einen Corona-Fall. Eine Berufsschulklasse muss sich bis Dienstag, 20. Oktober, in Quarantäne begeben. In allen betroffenen Schulen ermittelt das Rechercheteam des Gesundheitsamtes weitere Kontaktpersonen, heißt es. 

Das Gymnasium Pieschen informierte Eltern am Freitag per E-Mail darüber, dass in dieser Woche ein Schüler positiv auf eine Covid-19-Infektion getestet wurde. Der Test habe stattgefunden, als sich der Schüler schon in häuslicher Quarantäne befand. "Es wurden sofort Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet, um Schüler und Lehrer zu schützen. Das Gesundheitsamt hat die Situation geprüft und alle Maßnahmen zum kommenden Montag wieder aufgehoben", heißt es in der Information. Der betroffene Schüler bleibt zu Hause.

Seit Donnerstag gibt es einen positiven Corona-Nachweis an der Janusz-Korczak-Schule Dresden - staatlich genehmigte Ersatzschule für Erziehungshilfe und zur Lernförderung - in Strehlen. Zwei Klassen müssen sich bis einschließlich 16. Oktober in Quarantäne begeben. 

Am Mittwochnachmittag teilte die Stadtverwaltung mit, dass ein Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums in Pieschen positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Die gesamte elfte Klassenstufe müsse bis einschließlich 19. Oktober zu Hause bleiben. Bereits am Mittwochmorgen war ein Fall an einer Grundschule in Plauen gemeldet worden. An der 49. Grundschule "Bernhard August von Lindenau" gibt es einen Fall in der ersten Klassenstufe. Diese werden bis einschließlich 16. Oktober in häuslicher Quarantäne bleiben müssen.

Was bedeutet die gelbe Ampel für Veranstaltungen?

Während das Heimspiel von Dynamo Dresden gegen den 1. FC Magdeburg am Samstag anstatt der geplanten 10.000 nur noch 999 Fußballfans im Stadion verfolgen dürfen, hat die gelbe Corona-Ampel auf die Feuerwehrmesse "Florian", die seit Donnerstag in der Dresdner Messe stattfindet, keine Auswirkungen. Das teilt Sprecherin Ines Kurze auf SZ-Anfrage mit. Die Ortec als Firma hinter der Messe ist Teil der DDV Mediengruppe, zu der auch die Sächsische Zeitung und sächsische.de gehören. 

Die Messe fällt in der Corona-Schutzverordnung nicht unter Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern und kann deshalb unter Einhaltung der Regeln, die im vom Gesundheitsamt genehmigten Konzept festgelegt wurden, durchgeführt werden. Das bestätigt auch Dresdens Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke): "Wenn das Hygienekonzept und die Abstandsregeln eingehalten werden und die Maximalzahl der Menschen in der Messe nicht überschritten wird, kann die Messe weiter stattfinden." Das betreffe etwa auch das am Samstag geplante Bürgerfest in Prohlis: "Auch dafür gibt es ein Hygienekonzept und es findet im Freien statt."

Das ebenfalls für Samstag geplante Konzert von "Scooter", die auf der Freilichtbühne Junge Garde auftreten sollten, hat der Veranstalter indes abgesagt.

Wie wichtig ist jetzt die Grippe-Impfung?

Parallel zu Corona-Infektionen könnte jetzt auch die Grippe die Dresdner besonders heftig treffen. Die Grippesaison beginnt jedes Jahr in der 40. Kalenderwoche. Das war die vergangene Woche. In der vergangenen Saison 2019/2020 gab es in Dresden 2.573 bekannte Grippefälle, bei elf Menschen verlief die Erkrankung tödlich. Dresdens Erster Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) und seine Kollegin, Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Die Linke) ließen sich am Freitag öffentlich impfen. "Anders als beim neuen Coronavirus gibt es glücklicherweise einen gut funktionierenden Impfstoff gegen Grippeviren", sagte Kaufmann, diese Chance sollten alle nutzen.

Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel und seine Kollegin, Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann, bekommen von Dr. Stefan Borisch in der Betriebsarztambulanz in Friedrichstadt die Grippeimpfung. Gleich darauf mussten sie aber Corona-Fragen beantworten.
Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel und seine Kollegin, Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann, bekommen von Dr. Stefan Borisch in der Betriebsarztambulanz in Friedrichstadt die Grippeimpfung. Gleich darauf mussten sie aber Corona-Fragen beantworten. © SZ/Christoph Springer

Wie ist das Gesundheitsamt aufgestellt?

Gleich danach musste Kaufmann Fragen zu Corona beantworten. Sie erklärte, das Gesundheitsamt arbeite jetzt wieder rund um die Uhr. Das Sachgebiet Infektionsschutz, zuständig unter anderem für die Nachverfolgung von Infektionsketten, habe normalerweise zehn Mitarbeiter. Jetzt seien es durch "Umschichtungen" im Gesundheitsamt 60. Und es sollen noch mehr werden. 15 weitere Mitarbeiter erwartet Kaufmann am Montag, sie kommen befristet aus anderen Bereichen der Stadtverwaltung, weitere sollen folgen. 

Einen besonderen geografischen Coronaschwerpunkt gebe es in Dresden nicht, sagte Kaufmann. Sie schließt nicht aus, dass die Zahl der nachgewiesenen neuen Infektionen in Dresden auf 100 oder mehr ansteigen wird. "Das ist eine Frage der Zeit", sagte die Gesundheitsbürgermeisterin. Sorge bereiten ihr dabei vor allem "junge Altersgruppen", die derzeit wieder besonders "aktiv" seien. Kaufmann zielt damit auf Partys und ähnliche Treffen ab.

Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU), zu dessen Bereich im Rathaus auch das Ordnungsamt gehört, sieht die Behörde gut aufgestellt bei der Kontrolle der Coronaregeln. "Im Moment gibt es keine Änderungen", sagte er am Freitag. Das Gesundheitsamt gebe vor, wann Änderungen der Einsatzschwerpunkte nötig seien. Der Annahme, dass die Verteilung von Parkknöllchen erneut wegen der Arbeitsbelastung bei der Kontrolle der Coronaregeln eingestellt werden könnte, erteilte er eine Absage. "Diese frohe Botschaft kann ich nicht verkünden."

Wo sind am Wochenende Coronatests möglich?

Wer am Wochenende oder darüber hinaus einen Coronatest braucht, kann sich laut Kaufmann unter der Rufnummer 116 117 bei der Kassenärztlichen Vereinigung erkundigen, wo ein Test möglich ist. In der Ambulanz der Uniklinik werde montags bis freitags getestet.

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