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Warum manche Dresdner Ärzte Teenager nicht impfen

Meistgelesen: Zwei Impfstoffe sind für Kinder ab zwölf zugelassen. Trotzdem weigern sich Ärzte, sie zu impfen. Warum, und welche Alternativen haben Familien?

Im Dresdner Impfzentrum wollen sich vermehrt auch Teenager und Jugendliche impfen lassen. Das klappt aber nicht immer.
Im Dresdner Impfzentrum wollen sich vermehrt auch Teenager und Jugendliche impfen lassen. Das klappt aber nicht immer. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Der Impftermin stand schon fest. Doch als die 14-jährige Tochter im Impfzentrum ihren ersten Piks bekommen soll, wird sie abgewiesen. Der Arzt will sie nicht impfen, berichtet der Dresdner Vater dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) bei Twitter. Nein, einer Risikogruppe gehöre die Tochter nicht an. Aber das DRK warb schließlich damit, dass in den sächsischen Impfzentren auch Teenager ab 14 Jahren geimpft werden können. "Endlich: Impftermine für alle", hieß es Ende Juni.

Ein Einzelfall? Nein, mehrere Familien berichten inzwischen von demselben Problem. Dem betroffenen Vater rät eine Mutter schließlich: "Versucht es weiter. Beim zweiten Anlauf hat es bei anderen, die dieses Problem auch hatten, geklappt. In einem anderen Impfzentrum." In diesem konkreten Fall ging es um das Kamenzer Impfzentrum. Aber auch aus Dresden sind mittlerweile mehrere Fälle bekannt. Doch warum verweigern manche Ärzte den Teenagern die Corona-Schutzimpfung? Und welche Möglichkeiten haben Eltern, die auf eine Impfung bestehen?

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Sind die Impfstoffe denn für Kinder zugelassen?

Die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna waren ursprünglich nur Menschen ab 16 Jahren vorbehalten. Im Mai erweiterte die EU-Kommission schließlich die Zulassung, sodass auch 14- und 15-Jährige geimpft werden dürften. Vorausgegangen waren Studien der Hersteller zur Wirksamkeit sowie zu Nebenwirkungen.

Warum werden Teenager dann abgewiesen?

Zunächst einmal bestätigt das DRK, dass es Ärzte gebe, die es ablehnten, Minderjährige gegen das Coronavirus zu impfen. "Ja, solche Fälle gibt es in allen sächsischen Impfzentren." Das habe einen Grund: In Deutschland folgen Impfzentren und Ärzte in der Regel nicht nur der Zulassung durch die EU, sondern der Empfehlung der Impfkommissionen. Und die sächsische Impfkommission empfehle die Impfung derzeit nur 14- und 15-Jährigen mit Vorerkrankungen oder besonderen Gefährdungen, so das DRK. Daher lehnten einige Impfärzte die Impfung dieser Altersgruppe ab. "Da die letztgültige Entscheidung, ob eine Person geimpft wird, ausschließlich der zuständige Impfarzt trifft, erhielt eine nicht bekannte Anzahl von Kindern – trotz Impftermin – keine Impfung."

Zudem gebe es einzelne Impfärzte, die auch die Impfung von unter 18-Jährigen ablehnten. Impfen sei ein medizinischer Eingriff, über den nur ein Arzt entscheiden kann, so das DRK. Das Sächsische Sozialministerium bestätigt lediglich, dass sich Jugendliche ab 14 Jahren um einen Impftermin im Impfzentrum bemühen können. Zwölf- und Dreizehnjährige könnten sich dagegen beim Haus- oder Kinderarzt impfen lassen.

Warum empfiehlt die Impfkommission die Impfung für Teenager nicht?

Nicht nur die sächsische Impfkommission (Siko), sondern auch die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut spricht sich derzeit gegen eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren aus. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen.

Das Gremium begründete seine Empfehlung unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei. Bindend ist diese Empfehlung für Ärzte und Eltern nicht. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn handelt es sich um eine individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärzten.

Das heißt, Teenager gehen auf gut Glück ins Impfzentrum?

Im Prinzip ja. "Die Entscheidung, ob geimpft wird, trifft in jedem Einzelfall der Impfarzt", wiederholt das DRK und weist darauf hin, dass bereits bei der Terminbuchung die Möglichkeit, abgelehnt zu werden, bestätigt werden muss. Mit diesem Passus sollen Fälle mit abgelehnten Kindern minimiert werden, so das DRK. Dies sei im Sinne der Familien, aber auch im Sinne der Impfzentren-Mitarbeiter, die jeden Tag planen müssen, wie viele Dosen benötigt werden.

Welche Kinderarzt-Praxen bieten Impfungen an?

Auch von den Dresdner Kinderärzten ist bei weitem nicht jeder bereit, seine Patienten gegen das Coronavirus zu impfen. Der Cossebauder Kinderarzt Christian Speckmann impft jeweils mittwochs 12- bis 17-jährige Patienten. Die Kinderarztpraxis Dresden-Gruna bietet die Impfung gegen das Coronavirus dagegen nur Patienten ab 16 Jahren an, die in der Praxis bereits bekannt sind.

Andreas Krimmenau, der seit 1988 eine Kinderarztpraxis in der Dresdner Südvorstadt betreibt, verabreicht dagegen keinem seiner Patienten eine Corona-Schutzimpfung. "Da es unter Kindern keine schweren Verläufe gibt, halte ich das nicht für sinnvoll und schlichtweg für unnötig." Zudem seien die Impfstoffe seiner Meinung nach nicht ausreichend getestet, sodass Langzeitfolgen der Impfung derzeit noch nicht absehbar seien. Krimmenau betont, dass er eine Immunisierung von Kindern und Jugendlichen mit entsprechenden Impfstoffen nicht grundsätzlich ablehne.

Als die Impfkampagne für Kinder ab zwölf Jahren begonnen hat, habe er in den ersten Tagen mehrere Anfragen täglich gehabt, das sei mittlerweile abgeflaut. "Ich hatte einige Beratungsgespräche dazu mit Eltern und habe gemerkt, dass die Unsicherheit groß ist." Nachdem er ihnen erklärt habe, warum er die Corona-Schutzimpfung nicht verabreicht, seien viele Eltern erleichtert gewesen, so sein Gefühl.

Wie viele Kinder und Jugendliche wurden in Dresden schon geimpft?

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