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Was passiert, wenn der Impfpass verloren geht?

Viele Menschen haben das gelbe Heftchen vernachlässigt. Doch nicht nur wegen der Corona-Impfung sollten sie sich jetzt darum kümmern.

Klein, gelb, wichtig: der Impfpass.
Klein, gelb, wichtig: der Impfpass. © Karl-Josef Hildenbrand

Jeden Tag werden in Sachsen derzeit Tausende Corona-Impfungen verabreicht. Wer geimpft wurde, erhält den entsprechenden Eintrag in seinen Impfpass. Auch alle weiteren Schutzimpfungen sind darin dokumentiert. Doch was tun, wenn der Impfausweis nicht mehr aufzufinden ist?

Ist eine Corona-Impfung auch ohne Impfpass möglich?

Ja, in dem Fall stellt der Impfarzt eine Bescheinigung aus. Das ist ein DIN-A4-Blatt, auf dem die erste und zweite Impfung gegen das Virus bestätigt werden. Damit kann die Impfung später vom Hausarzt problemlos in den Impfausweis nachgetragen werden. Dabei müssen das Datum, die Bezeichnung des Impfstoffs samt der Chargenbezeichnung sowie der Name der Krankheit beziehungsweise der Krankheitserreger, gegen die geimpft wurde, verzeichnet werden.

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Woher bekomme ich einen neuen Impfausweis, wenn meiner weg ist?

Der Hausarzt stellt einen neuen gelben internationalen Impfpass aus und trägt darin alle Schutzimpfungen nach, die er dokumentiert hat. In der Regel ist es derzeit auch möglich, sich in Corona-Impfzentren kostenfrei einen neuen Impfpass für den Corona-Schutz ausstellen zu lassen.

Wie lassen sich frühere Impfungen nachvollziehen?

Der erste Weg sollte zum Hausarzt führen. „Ärzte sind verpflichtet, Patientenunterlagen mindestens zehn Jahre aufzubewahren“, sagt Dr. Klaus Lorenzen, stellvertretender Vorsitzender des Sächsischen Hausärzteverbandes. Das Problem: Wichtige Impfungen liegen teils länger zurück. Und wer weiß schon noch, ob und wann und gegen was er in den 1980er- oder 1990er-Jahren geimpft wurde?

Wer seinen Hausarzt gewechselt hat, kann den vorherigen Arzt bitten, seine Krankenakte der neuen Praxis zuzuschicken oder bittet seinen neuen Arzt darum. „Wenn wir Glück haben, sind die Impfdaten dabei“, sagt Lorenzen, der Hausarzt in Langebrück bei Dresden ist. Gerade bei jungen Erwachsenen klappe das aber gut, weil beim Kinderarzt die Impfhistorie meist noch vollständig im System vorliege.

Und wenn es keine Nachweise mehr gibt?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut rät: Fehlen Informationen über Impfungen, die für den Patienten empfohlen sind, dann sollten sie nachgeholt werden. Es gilt: Nur dokumentierte Impfungen gelten als durchgeführt. Risiken durch doppelte Impfungen bestehen laut Stiko in der Regel nicht. In Ausnahmefällen könnten auch im Blut Antikörper von einer vergangenen Impfung nachgewiesen werden.

„Wenn ich keine Unterlagen habe und sie sich auch nicht mehr auftreiben lassen, müsste ich dann eigentlich noch einmal eine Grundimmunisierung machen“, sagt auch Lorenzen. Er weiß aus Erfahrung, wie mühsam es sein kann, alte Impfdaten wieder zu beschaffen – und dass diese Mühe manchmal vergeblich ist. Allein auf Aussagen der Patienten dürfe er sich in dem Fall nicht verlassen.

Was ist, wenn ich meine Bescheinigung aus dem Impfzentrum verloren habe?

Wer den Verlust bemerkt, sollte nun zügig handeln. Denn irgendwann werden die Impfzentren abgebaut. Das Bundesgesundheitsministerium rät, sich an das Impfzentrum zu wenden, in dem man die Corona-Impfung erhalten hat, und nach einer Ersatzbescheinigung zu fragen. Wichtig: Auch wenn in einem Impfzentrum die Versichertenkarte eingelesen wurde, bedeutet das nicht, dass die Impfdaten automatisch bei der Krankenkasse vorliegen.

Lorenzen rät seinen Patienten grundsätzlich, Impfbestätigungen oder Eintragungen im Impfpass zu kopieren oder einzuscannen. „Vor allem auf Reisen ist es von Vorteil, die Impfnachweise auch elektronisch dabeizuhaben“, so der Mediziner.

Gibt es nicht schon einen elektronischen Impfpass?

Digital abrufbar soll der Impfausweis für Versicherte frühestens ab 2022 mithilfe der elektronischen Patientenakte sein. Damit können die Informationen nicht mehr samt Pass in irgendeiner Kiste verschwinden. Einige Krankenkassen, wie beispielsweise die AOK Plus, bieten bereits einen E-Impfpass an.

Laut Lorenzen befinde sich der digitale und elektronisch speicherbare Impfpass aber „bedauerlicherweise noch in den Kinderschuhen“. Ein Problem dabei: Für jede Arztpraxis sei die separate Anschaffung eines zusätzlichen Impfmoduls zur Verwendung zusammen mit dem Praxis-Verwaltungssystem erforderlich.

Warum ist der Impfpass überhaupt so wichtig?

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Es werden darin alle erhaltenen Schutzimpfungen dokumentiert, sodass der behandelnde Arzt jederzeit nachvollziehen kann, wogegen ein Patient wann und wie oft geimpft wurde. „Es ist ein Personaldokument, das nicht verloren gehen sollte“, sagt Hausarzt Lorenzen. Doch oft genug passiert genau das. Manche verkramen den Impfausweis beim Umzug. Andere vergessen, dass sie ihn im Bankschließfach deponiert oder in ihre Familienchronik gelegt haben.

Außerdem ist der Impfausweis ein wichtiges Reisedokument, denn für die Einreise in manchen außereuropäischen Ländern sind bestimmte Impfungen vorgeschrieben. (mit dpa)

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