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"Meinen Vater zu finden, war mein Lebenstraum"

Viele DDR-Kinder suchen bis heute nach ihren Gastarbeiter-Vätern aus Mosambik. Nach 19-jähriger Suche hat Fatima ihren getroffen, Laura noch nicht.

Fatima Woznica hat beinahe 20 Jahre gesucht, ehe sie ihren Vater Inocio gefunden hat. Vergangenen Herbst sind die beiden einander erstmals begegnet.
Fatima Woznica hat beinahe 20 Jahre gesucht, ehe sie ihren Vater Inocio gefunden hat. Vergangenen Herbst sind die beiden einander erstmals begegnet. © privat

Noch nie hat es sich so lang angefühlt, das Geräusch, bevor jemand den Hörer abnimmt. Noch nie hat Fatima Woznica eine Nummer gewählt, die sie so lange gesucht, nach der sie sich so sehr gesehnt hat. "Ich war unheimlich aufgeregt. Immer wieder habe ich mir im Kopf den Satz zurechtgelegt, den ich sagen werde." Auf Portugiesisch meldet sich ihr Vater schließlich. Lange Zeit brauchte er für niemanden eine andere Sprache. Jetzt gibt es wieder jemanden. Seine Tochter. 1985 hat er sich zuletzt von ihr verabschiedet.

Damals, kaum ein Jahr nach ihrer Geburt, musste Antonio Inacio Jone die DDR verlassen, in Lutherstadt-Eisleben hatte er bei einem Obstbauer gearbeitet. Etwa 21.000 Menschen aus Mosambik kamen von 1979 bis 1989 als Gastarbeiter in die DDR. Dauerhafte Bleibechancen hatten die wenigsten. Schätzungen zufolge kamen damals zwischen 1.500 und 2.000 Kinder von mosambikanischen Vätern zur Welt. 

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Rund 8.000 Kilometer trennen Fatima Woznica und ihren Vater bei jenem ersten Telefonat, als in seinem Kopf Jahrzehnte alte Worte auftauchen. "Er hat wieder Deutsch gesprochen, es kam sogar der alte Dialekt raus. Er spricht mit Worten, die man heute gar nicht mehr benutzt, sagte sowas wie: Du siehst aber Schmuck aus." Woznica erzählt ihrem Vater, dass ihr Sohn mit Zweitnamen nach ihm, dem fremden Opa benannt ist. "Das hat ihn sehr gerührt."

"Ich hatte richtig Hass auf meinen Vater"

Das Telefonat im Frühjahr 2019 ist der zwischenzeitliche Höhepunkt einer Suche, die Fatima Woznica beinahe 20 Jahre gekostet hat. Wie der 35-Jährigen geht es vielen Kindern - sie suchen ihre Väter bis heute. Die Organisation Reencontro Familiar hilft dabei, vernetzt, verteilt und verbreitet Anfragen. Über Familienangehörige, einstige Kolleginnen und Bekannte, über den Suchdienst des Roten Kreuzes, Radio- oder Fernsehwerbung in Mosambik, Einwohnermeldeämter in Deutschland, Vereine, Kulturzentren oder eben das Internet. Der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner und der Gastarbeitersohn Manuel Siegert haben sie 2012 gegründet.

Laura Mustapha aus Görlitz hatte lange kein Interesse daran, ihren Vater zu suchen. Als Kind hört sie von ihrer Großmutter, dass er zurück in den Bürgerkrieg gezogen sei. "Ich hatte abgeschlossen, dachte, er wäre tot. Ich hatte richtig Hass auf meinen Vater: Warum schwängert er meine Mutter und rennt weg? Ich bin in Görlitz ständig dem Hass auf meine Hautfarbe ausgesetzt gewesen, die ich ihm zu verdanken hatte."

Als sie zwölf Jahre alt ist, jagt eine sechsköpfige Gang Laura Mustapha und ihren Bruder durch die Stadt, bespuckt sie, springt auf ihren Rücken, verletzt ihre Schulter. "Wir haben uns in einen Hauseingang geflüchtet und die Polizei gerufen." Die habe gesagt: "Es wird schon einen Grund haben, dass die euch verfolgen.“ An einem anderen Tag habe ein Mitschüler vor dem Spind ein verstecktes Messer unter seinem T-Shirt hervorgeholt und gesagt: „Nigger, ich schlitz dich auf.“

"Ich habe in der Telefonzelle Rotz und Wasser geheult"

Mit 16 will Laura Mustapha ihren Vater dann doch finden, inseriert ihren Wunsch in Internet-Foren. Auch Fatima Woznica beginnt ihre Suche in einem ähnlichen Alter. "Als Kind hatte ich den Wunsch auch mal, aber es kam mir utopisch vor", sagt sie. "Als das Internet kam, habe ich die erste E-Mail an die Botschaft geschickt, über einen Freund, der Internet-Zugang hatte. Für mich war es ein Lebenstraum, es war sehr wichtig. Ein Meilenstein, den ich erreichen wollte."

Bei Laura Mustapha geht es schnell. Als sie die Suche beginnt, gibt es die Plattform Reencontro Familiar bereits. Mitgründer Manuel Siegert ruft sie an, erfragt Daten, erfährt, dass ihr Vater über die Organisation schon versucht hat, sie zu finden. Zwei Wochen später steht sie im Jahr 2013 in einer Telefonzelle. "Das war so ein Wow-Moment. Ich sagte: Hallo, hier ist Laura. Er sagte: Laura, meine Tochter. Ich stand in der Telefonzelle, habe Rotz und Wasser geheult. Ich habe mich auf einmal so angekommen und angenommen gefühlt."

Laura Mustapha hat ihren Vater 2013 gefunden. Getroffen hat sie ihn noch nicht. Nächstes Jahr will sie nach Mosambik und nach Ghana reisen, damit ihre Tochter Sumayia ihre Wurzeln kennenlernt.
Laura Mustapha hat ihren Vater 2013 gefunden. Getroffen hat sie ihn noch nicht. Nächstes Jahr will sie nach Mosambik und nach Ghana reisen, damit ihre Tochter Sumayia ihre Wurzeln kennenlernt. © privat

Für Fatima Woznica dauert die Suche nicht Wochen. Sie dauert Jahrzehnte. Dabei hat sie den ersten Hinweis, einen Brief, den ihr Vater im Jahr 1988 geschrieben hat, als Kind gefunden. Als er den Brief verfasst, arbeitet er im südafrikanischen Johannesburg. Nach der Rückkehr aus Deutschland werden Gastarbeiter in Mosambik als Madgermanes verpönt, einer Mischung aus "Made in Germany" und dem englischen Wort "mad", was verrückt oder wahnsinnig heißt. Arbeit finden viele nur noch in Nachbarländern. "Aus dem Brief habe ich viel abgespeichert. Diese Informationen habe ich später genutzt, um meinen Vater zu suchen." Es wird das wichtigste Indiz.

"Das Totschweigen macht mit der Psyche viel kaputt"

Mit ihrer Mutter hat sie früher nie über ihren Vater gesprochen. "In vielen Familien wurde totgeschwiegen, dass der Vater ein Ausländer war. Das war ein Tabuthema. Die kriegsgebeutelten Großeltern wollten mit Ausländern nichts zu tun haben." Geliebt hätten ihre Großeltern sie sehr. "Aber neben dem Alltagsrassismus, den man als dunkelhäutiges Kind erlebt hat, macht das Totschweigen mit der Psyche des Kindes viel kaputt."

Wie sich ihre Eltern kennengelernt haben, kann Fatima Woznica sich inzwischen herleiten. Zwar sollten Ausgangssperren und Verbote den Kontakt zwischen Deutschen und Gastarbeitern verhindern, getroffen habe man sich aber trotzdem, in Diskotheken oder Wohnheimen. "Die haben es ziemlich krachen lassen, das war ein offenes Geheimnis." Wenn zwei konkrete Personen dann doch denunziert wurden oder der Vertrag auslief, mussten die Männer nach Mosambik zurückkehren. Vater zu werden, hat die Situation nicht verbessert - im Gegenteil. Nachdem seine Tochter Fatima 1984 geboren wurde, versteckte Antonio Inacio Jone sie bei ihrer Mutter in Lutherstadt-Eisleben. 

"Aber ein Schwarzer fällt auf", sagt Woznica. Nachbarn denunzierten ihn, die Stasi holte ihn ab. "Er wollte hier bleiben, wollte bei mir bleiben, wollte seine neue Familie nicht verlassen", sagt Woznica. Für 34 Jahre war es das letzte Mal, dass er seine Tochter sah. 

"Die Botschaften waren absolut nicht hilfreich"

Woznica inseriert ihre Suchanfrage in verschiedenen Foren, spricht mit Politikerinnen, befragt frühere Kollegen. "Die Botschaften sind absolut nicht hilfreich bei der Suche. Ich hatte einen relativ guten Datensatz von meinem Vater. Die finden aber immer irgendeinen Grund, nicht helfen zu können. Ich glaube, die haben Angst, dass wir dann zusammen die Löhne von damals einfordern könnten."

Einen Teil der Löhne zahlte die DDR damals direkt an die Gastarbeiter aus, der andere Teil ging an die mosambikanische Regierung, die das Geld an die Rückgekehrten verteilen sollte. In den allermeisten Fällen geschah das nicht, die Madgermanes protestieren bis heute dagegen.

Immer wieder wähnt Woznica ihre Suche kurz vor dem Ziel, findet Personen, die ihren Vater persönlich getroffen haben, durchkämmt Websites, findet ihn dann doch nicht. "Es war zwischendurch echt demotivierend." Dann findet sie heraus, dass seine Heimatregion 1.000 Kilometer neben der Gegend liegt, in der sie jahrelang nach Kontaktpersonen gesucht hat.

Dank dieser Information kann sie einen einstigen Kollegen ihres Vaters finden, der weiß, wo dessen Familie in Mosambik lebt. Er beschafft ihr die Kontaktdaten der Familie. "Dann kam alles ins Rollen."

Dieses Foto hatte Fatima Woznica von ihrem Vater. Eins mit ihr zusammen aus der Kindheit besitzt sie nicht mehr.
Dieses Foto hatte Fatima Woznica von ihrem Vater. Eins mit ihr zusammen aus der Kindheit besitzt sie nicht mehr. © privat

Nach mehreren Telefonaten fliegt sie im November 2019 nach Mosambik. Ein Fernsehteam begleitet sie, ihr selbst wäre der Flug zu teuer gewesen. Er kostet zwischen 700 und 1.200 Euro, Woznica lässt sich gerade zur Industriekauffrau umschulen. Es ist der erste Flug außerhalb Europas für sie. "Zwischendurch dachte ich: Was machst du hier eigentlich? Bist du bekloppt? Die letzten zwei Stunden vor der Landung konnte ich dann an gar nichts mehr denken."

"Es war schön, mal nicht aus Weißen herauszustechen"

Am Flughafen empfangen ihr Vater, ihre Tanten, Cousins und Cousinen sie mit Blumen und Umarmungen. "Ich war überfordert. Ich habe geheult wie ein kleines Kind. Meine Tanten auch. Sie kannten die zwei Fotos von mir als Kind, die mein Vater noch hatte. Er muss sie gehegt und gepflegt haben."

Fünf Tage verbringt Fatima Woznica in der Hauptstadt Maputo, die zu den gefährlichsten Städten der Welt zählt. "Ich habe mich sicherer gefühlt als wenn ich durch ein sächsisches Dorf laufe. Es hört sich total beknackt an, aber es war schön, mal unter schwarzen Menschen zu sein und nicht die einzige, die aus den Weißen heraussticht.“

Woznica lernt ihre Familie, das Essen, die Kultur ihres Vaters kennen. Viele Stunden lang beobachtet sie und saugt auf. "Wir sind durch die Straßen gelaufen, ich saß viel daneben, habe Situationen genossen, habe viel verstanden. Es waren alles Momente, die ich mir immer gewünscht habe. Das Essen war sehr europäisch. Pellkartoffel-Salat, Gulasch, Nudelsuppe. Nur mit Hähnchenfüßen statt Fleisch."

"Die Suche nach sich selbst ist zermürbend"

Woznica lacht. Sie sitzt im Wohnzimmer ihrer Vier-Raum-Wohnung in Remscheid, erzählt per Videoanruf von ihren Erlebnissen in Mosambik. Über dem Sofa hängt ein selbstgemaltes Bild. Ein Mädchen greift darauf nach einem Vogel, es steht auf einem Stein, der Vogel schwebt in der Luft. Hinter ihnen steht eine glühende Sonne über der Wüste. Das Bild, sagt Woznica, habe sie während einer Lebenskrise gemalt. 

Ihren Vater kennenzulernen, habe vieles geheilt. "Ich habe eine andere Kultur kennengelernt. Ich habe meinen Seelenfrieden gefunden. Die Suche nach sich selbst ist sehr anstrengend, zermürbend." Im nächsten Jahr möchte Woznica mit ihren drei Kindern nach Mosambik reisen. Auch sie sollen ihre Wurzeln kennenlernen. Ihre Tochter schreibt schon jetzt über das Google-Übersetzungsprogramm im Internet mit einer ihrer Cousinen.

Auch Laura Mustapha möchte nächstes Jahr nach Mosambik und nach Ghana reisen, wo ihr Mann herkommt. Die Familie lebt mit einer einjährigen Tochter in Frankfurt am Main. "Sumayia soll wissen, wo sie herkommt." Aus Görlitz ist Mustapha vor sechs Jahren weggezogen. "Wohin, war mir egal." In Frankfurt lebt eine ihrer Schwestern, sie hat dort eine Stelle als Ergotherapeutin gefunden.

Mosambik gehört nach langjährigem Bürgerkrieg zu den ärmsten Ländern der Welt. Auch viele Wildtiere mussten wie hier im Reservat Especial de Maputo wieder angesiedelt werden.
Mosambik gehört nach langjährigem Bürgerkrieg zu den ärmsten Ländern der Welt. Auch viele Wildtiere mussten wie hier im Reservat Especial de Maputo wieder angesiedelt werden. © Christian Selz/dpa

Für beide Frauen ist die Suche mit dem Finden des eigenen Vaters nicht beendet. Über die Organisation Reencontro Familiar helfen sie jetzt anderen, ihre Väter zu finden. "Ich will, dass auch andere dieses Telefonzellen-Gefühl haben können", sagt Laura Mustapha. "Ich möchte so viele Menschen wie möglich zueinander bringen."

In Mosambik, sagt Fatima Woznica, laufe die Suche meist so: "Kennst du jemanden, der jemanden kennen könnte?" Viele Väter könnten sich nicht einmal ein Handy leisten, kämen im Internet nicht vor. In Deutschland sei es einfacher, Kinder zu finden, fast alle seien irgendwo auf Social Media. Besonders hilfreich ei die Plattform LinkedIn, dort hat Woznica sich für die Suche einen Premium-Account angelegt. "Man kann in Deutschland außerdem Telefonbücher durchgehen, Namen suchen. Die Kinder stechen durch ihre Hautfarbe aus der Masse hervor."

Viele Väter stehen nicht einmal in den Geburtsurkunden, Kinder wissen oft nur den Vornamen. Das Internet habe die Suche extrem erleichtert, gleichzeitig drängt die Zeit: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines mosambikanischen Mannes liegt bei gut 57 Jahren. Immer wieder musste Fatima Woznica Suchenden sagen, dass ihre Väter längst tot sind.

"Unsere Freunde waren Sandra, Cindy, Kevin"

Oft haben Väter von Mosambik aus schon nach ihren Kindern gesucht. Selbst wenn sie das Geld für einen Flug nach Deutschland hätten, könnten Väter ohne das Internet aber nur noch wenige Spuren der Vergangenheit finden. Die meisten Kinder von Gastarbeitern, die Woznica kennt, haben Ostdeutschland verlassen. "Wir machen das bei uns nicht so zum Thema, aber in der Initiative haben alle Alltagsrassismus erlebt. Viele von uns sind sehr erleichtert darüber, dass sie den Osten verlassen haben, auch wenn es dort, ob in der Sächsischen Schweiz oder Görlitz, überall so schön ist." Die Blicke, die Worte, das Verhalten, sie würden immer wieder wehtun.

 "Wir Kinder sind sehr deutsch. Ich kann nur Deutsch kochen. Ich liebe Pünktlichkeit, Bürokratie und Ordnung. Unsere Freunde waren Sandra, Cindy oder Kevin. Trotzdem passen wir nicht rein." Woznicas grau gestreifte Katze läuft durch das Bild. Sie heißt Klaus-Günther. Seit sie in Nordrhein-Westfalen lebt, habe Woznica statt täglichen Anfeindungen zwei oder drei Mal in fünf Jahren Rassismus erlebt. Wenn Menschen sie  mal wieder fragen, wo sie denn herkomme, antworte sie inzwischen: "Ich komme aus dem Osten – ich bin nicht umsonst so braun." 

"Ich habe absolut kein Interesse, ihn kennenzulernen"

Vergangenes Jahr, wenige Monate nach jenem ersten Telefonat mit ihrem eigenen Vater, konnte Woznica den Moment des Findens noch einmal bei einem anderen Vater miterleben. Während ihres Besuchs in Mosambik steht sie inmitten einer Traube von ehemaligen Gastarbeitern und verliest eine Liste mit den Namen von suchenden Kindern. Die Männer lauschen. Dann ist ein bekannter Name dabei. "Der Vater konnte es gar nicht fassen. Es hat eine Minute gedauert, bis er reagiert hat. Es war unbeschreiblich."

Allein in diesem Jahr habe sie mehr als zehn Kinder und Väter miteinander vermittelt. "Es ist total schön. Es gibt aber auch Anrufe, da sagt das Kind: Ich habe absolut kein Interesse, meinen Vater kennenzulernen. Wenn es ihm wichtig gewesen wäre, hätte er sich nach der Wende darum kümmern können."

Die Suche nach anderen Vätern und Kindern ist für Menschen wie Fatima Woznica, Laura Mustapha oder auch den Organisations-Mitgründer Manuel Siegert zu einer Lebensaufgabe geworden. "Ich finde es wichtig, dass jeder Mensch weiß, woher er kommt", sagt Woznica. "Das Suchen muss aufhören, damit man Frieden finden kann. Wir könnten wahrscheinlich Geld für die Suche nehmen, aber das machen wir nicht. Den eigenen Vater zu kennen, ist ein Grundrecht.“

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Die Organisation Reencontro Familiar hilft Kindern von Gastarbeitern und ihren Vätern dabei, einander zu finden. Sie bietet diese Leistung kostenlos an. Ansprechpartnerin Fatima Woznica ist über die E-Mail-Adresse [email protected], die Facebookseite http://www.facebook.com/fatima.woznica oder per Handy unter folgender Nummer erreichbar: +49 163 1478784. 

Warum kamen mehr als 20.000 Menschen aus Mosambik in die DDR?

Nachdem das südostafrikanische Land 1975 die Unabhängigkeit von Portugal erlangt hatte, führte es von 1977 bis 1992 Bürgerkrieg gegen Portugal. 1979 schloss das damals sozialistische Land Mosambik einen Vertrag mit der DDR ab. Diese benötigte Arbeitskräfte, Mosambik konnte trotz des Krieges seine Leute ausbilden lassen. Zwischen 1979 und 1989 kamen etwa 21.000 Gastarbeiterinnen und -arbeiter in die DDR, Ende 1989 waren noch gut 15.000 Menschen aus Mosambik dort. Auch aus anderen Ländern arbeiteten Tausende Menschen in der DDR. Die mit Abstand meisten kamen aus Vietnam, Ende 1989 waren es  59.000. Aus Kuba waren es zur selben Zeit 8.300, aus Angola 1.300, 900 kamen aus China. (1/3)

War es ein Privileg für Mosambikaner, als Gastarbeiter in die DDR zu kommen?

Die meisten Menschen aus Mosambik, die in der DDR gearbeitet haben, fühlen sich bis heute als Betrogene. Dem Versprechen nach überwies die DDR einen Teil des Geldes auf Konten, mit denen sie sich nach ihrer Rückkehr eine neue Existenz aufbauen wollten. Tatsächlich behielt die Regierung Mosambiks diese Löhne zu großen Teilen ein und zahlte sie bis heute nicht aus. Mutmaßlich ist von dem Geld auch längst nichts mehr übrig. Außerdem wurden viele Ex-Gastarbeiterinnen und -arbeiter nach ihrer Rückkehr als Madgermanes verpönt, was weitläufig mit verrückte oder wahnsinnige Deutsche übersetzt wird. Zuhause wieder an Arbeit zu kommen, fiel vielen schwer. Sie suchten stattdessen in Nachbarländern danach. (2/3)

Wie geht es Mosambik heute?

Die Madgermanes klagen noch immer, dass sie ihr Geld nicht erhalten hätten. 2004 besetzten sie zwischenzeitig die deutsche Botschaft in Mosambik. 2010 versuchten sie, das Parlament zu stürmen. Die Folgen des Bürgerkriegs machen sich bis heute bemerkbar. Mosambik zählt zu den ärmsten Länder auf der Welt. Zuletzt landete es auf dem "Human Development Report", der die Länder nach ihrem Entwicklungsgrad auflistet, auf Platz 180 von 189, noch hinter kriegsgebeutelten Ländern wie dem Jemen oder Syrien. (3/3)

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