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Dresdner Dixieland-Festival abgesagt

Es sollte das 50. Jubiläum werden. Nun fällt die Dixiesause wie die BRN im Juni und das Fest St. Pieschen aus. Doch für einige Veranstaltungen besteht noch Hoffnung.

Nun bleiben die Stuhlreihen wieder leer. Dixie-Chef Joachim Schlese hat es mit seinem 50. Dixielandgeburtstag nicht leicht.
Nun bleiben die Stuhlreihen wieder leer. Dixie-Chef Joachim Schlese hat es mit seinem 50. Dixielandgeburtstag nicht leicht. © Archiv: Steffen Füssel

Dresden. Können sie wenigstens in diesem Jahr stattfinden - oder noch immer nicht? Die Dresdner bangen wegen der Corona-Pandemie und des anhaltenden Lockdowns um ihre Feste. Nun stehen ein paar Entscheidungen schon fest. Der Überblick.

Lange hatte Dixie-Chef Joachim Schlese gehofft, sein Festival könne in diesem Jahr Geburtstag feiern. Bereits im vergangenen Frühsommer musste er es coronabedingt absagen. Dabei hätte es eine ganz besondere Party werden sollen: 50 Jahre Dresdner Dixieland-Festival. Ein halbes Jahrhundert!

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Doch nun hat der Veranstalter erneut die Notbremse gezogen und seine Partner informiert. Das geplante Datum, 16. bis 23. Mai 2021, ist nicht zu halten. Zu viele zu volle Konzerte gehören zum umfangreichen Veranstaltungskalender, und zu viele verschiedene Veranstaltungsorte sind involviert.

Selbst wenn diese zur rechten Zeit ihre Hygienekonzepte vorweisen können - in voller Auslastung wird im Mai kein Saal, kein Club, keine Kneipe Gäste empfangen dürfen. Schon jetzt ist das Festival zu rund 70 Prozent ausverkauft. Eingeladen waren 41 Bands und Solisten. Sie sollten auf mehr als 40 Bühnen auftreten. Für viele davon gibt es jetzt schon keine Tickets mehr. "Wir müssten nach Hygieneverordnung wohl mehr als die Hälfte unserer Besucher nach Hause schicken", sagt Schlese. Auch eine Kontaktrückverfolgung hält er für unrealistisch. "Wie soll das gerade beim großen Dixielandumzug denn gehen?"

Doch so ganz ohne Dixiefeeling will er die Fans nicht zurücklassen. Am Dienstag werde es eine Videokonferenz mit allen Verantwortlichen geben. Dann soll darüber beraten werden, ob sich Infektionsschutz und die Liebe zur Musik dennoch verbinden lassen und vor allem wie. So viel aber sei sicher, so der Festivalleiter: Für den ursprünglich vorgesehenen Festivaltermin dieses Jahres bereitet er eine Sonderveranstaltung mit entsprechendem Hygienekonzept vor - voraussichtlich in der Jungen Garde, im Dresdner Zoo und vielleicht sogar als Riverboat-Sonderfahrt.

Alle bereits gekauften Karten behalten auf jeden Fall ihre Gültigkeit. Denn eins ist sicher: Das 50. Jubiläum wird ganz groß gefeiert. Auch wenn Corona die Vorfreude noch arg auf die Geduldsprobe stellt.

Den nächsten Versuch startet Joachim Schlese mit seinem Team im kommenden Jahr und fasst dafür den Zeitraum vom 15. bis 22 Mai 2022 ins Auge.

Palaissommer gibt Künstler bekannt

Es ist zwar noch gute vier Monate hin, aber die Macher des Palaissommers sind trotzdem schon jetzt optimistisch, dass das Open-Air-Event am Japanischen Palais auch 2021 stattfinden kann. Im vergangenen Jahr war das Festival eine der wenigen Großveranstaltungen, die - mit Einlassbeschränkungen und Hygienekonzept - trotz Pandemie stattfinden durften.

Für dieses Jahr steht der Termin nun ebenfalls bereits fest: Vom 16. Juli bis 22. August sollen die Dresdner im Park des Palais' Musik, Kunst, Poesie, Filme und mehr genießen können. "Die Vorbereitungen laufen bereits jetzt auf Hochtouren", heißt es.

Um die Vorfreude zu steigern, wurden nun weitere Künstlerinnen und Künstler bekanntgegeben, die auftreten sollen. So soll bei der ersten Klaviernacht am 20. Juli Tara Nome Doyle spielen. "Ihre Musik ist Pop, aber auch Soul zugleich und fesselt die ZuhörerInnen mit zarten Melodien und persönlichen Texten in einzigartiger und unvergesslicher Weise", kündigen die Festivalmacher an.

Am 15. August wird dann Antoine Villoutreix in der Reihe "Konzerte im Park" auftreten. Das Palaissommer-Team verspricht: "Mit seiner tiefen Stimme und alltagspoetischen Texten, die der moderne Chansonnier meist auf Französisch, manchmal auf Deutsch schreibt, präsentiert er gefühlvolle, zum Träumen, aber auch zum Tanzen einladende Lieder."

Zuletzt wird noch Musikerin GRETA, die aus Norddeutschland stammt und heute in Kopenhagen lebt, für den 18. August angekündigt. Mit ihren Singles habe sie im vergangenen Jahr die Radiosender, Playlists und Magazine in ganz Europa gestürmt. "Ihre Melodien und Texte sind von Nostalgie und der Liebe zur dänischen Kultur geprägt."

Außerdem geben die Veranstalter bekannt, dass die Unterstützer des Palaissommers, der "Freundeskreis", ab sofort exklusives Mitspracherecht bei der Gestaltung des Festivals erhalten soll. Auf www.palaissommer.de/freundeskreis können sich Mitglieder ein Profil anlegen und bei den Themen Produktion, Programm, Marketing, Fundraising und auch hinsichtlich des Zukunftskonzeptes für Haus und Park mitreden.

60 Tage Filmnächte am Elbufer

Optimistisch schauen auch die Filmnächte-Veranstalter in die Zukunft. "Wir planen mit einem Eröffnungstermin für die Filmnächte in Dresden am 24. Juni", sagt Sprecherin Daniela Möckel. Die Erfahrungen mit dem Hygienekonzept seien 2020 gut gewesen und daran wolle man festhalten und sei mitten in den Vorbereitungen.

"Zunächst planen wir 'nur' die Filme und zu Konzerten können wir erst später etwas sagen", so Möckel. Sie planen mit den klassischen 60 Tagen Filmnächten am Elbufer. Auf der Website finden sich die Hinweise auf ein Konzert von Rapper Alligatoah im Juni und Anna Mateur im Juli.

Keine BRN im Juni

"Es wird keine Bunte Republik Neustadt im Juni geben", sagt Koordinatorin Ulla Wacker auf SZ-Anfrage. "Die Zeit bis dahin wäre zu knapp und die Lage zu unsicher." Momentan sei man mit Einzelveranstaltern im Gespräch, im August eine kleinere Variante zu ermöglichen. Etwa ein Fest auf nur einem Straßenzug oder ein Konzert. Sie sei in Gesprächen mit den anderen Festveranstaltern, damit nicht alle auf das gleiche Wochenende ausweichen.

Es gibt keinen Gesamtveranstalter der BRN, sondern eine Organisationsgruppe, zu der auch Ulla Wacker gehört. Die Stadt schreibt: "Da die Entwicklung der Pandemie keine sichere Planung für die BRN in diesem Jahr zulässt, wurden vom Straßen- und Tiefbauamt auch keine Regelungen zur Beantragung straßenrechtlicher Sondernutzungserlaubnisse veröffentlicht."

Hutball wird verschoben

Zu den ersten, die jetzt reagieren, gehören die Verantwortlichen des Hutballs und der Hutball-Party. Geplant ist die 25. Auflage der beiden Veranstaltungen, ein Jubiläum. Doch sie muss erneut verschoben werden. Eigentlich sollten die Party und der Ball am 19. und 20. März stattfinden. Nun gibt es zum dritten Mal einen neuen Termin, denn es ist fraglich, was dann erlaubt und was noch verboten sein wird. "Die weiterhin ungewisse Situation macht eine Durchführung im gewohnten Umfeld unmöglich", teilt Linda Glaser vom Veranstaltungsunternehmen Waterloo Produktion mit.

Nachgeholt werden sollen der Ball und die Party am Abend davor nach derzeitiger Planung am 19. und 20. November. Die Tickets behalten weiterhin ihre Gültigkeit.

St. Pieschen 2021 fällt aus

"Unter den derzeitigen Bedingungen sind wir nicht in der Lage, das Stadtteilfest Sankt Pieschen 2021 zu planen und durchzuführen. Keiner kann uns sagen, wann der ganze Pandemiewahnsinn ein Ende hat", sagen auch die Veranstalter von St. Pieschen.

Im Normalfall benötige man ein Jahr Vorlauf für die Planung des Stadtteilfestes.
Das finanzielle Risiko sei für den kleinen Verein, der sich selbst wirtschaftlich tragen muss, bei einer erneuerten Absage kurz vor Termin nicht verkraftbar. Und selbst wenn eine Durchführung möglich wäre, müssten hygienische Vorgaben erfüllt werden, die sie nicht garantieren könnten. "So sehr wir den Pieschenern die Freude gemacht hätten, es geht leider nicht. Wir starten vom 3. bis 5. Juni 2022 einen neuen Versuch, in der Hoffnung, dass wieder so etwas wie Normalität eingekehrt ist", sagen die Veranstalter.

Elbhangfest ist noch wackelig

"Wir sind noch vorsichtig optimistisch, was den geplanten Termin Ende Juni angeht", sagt Programmkoordinatorin Lydia Göbel vom Elbhangfestverein. Der Verein wolle noch auf die nächste Runde der Ministerpräsidenten im März warten und auch darauf, wie sich Veranstalter wie die Musikfestspiele entscheiden. "Am Ende trifft die Entscheidung unsere Mitgliederversammlung", so Göbel. Eine Verlegung in den Herbst werde es aber nicht geben, auch weil das Wetter dann unbeständig sein kann und die Veranstalter mit einem verregneten Fest wenig Geld verdienen würden.

Unklarheiten beim Stadtfest

"Wir haben mit der Stadtverwaltung vereinbart, dass wir uns Ende März dazu abstimmen", so Frank Schröder, der das Stadtfest für die Stadt veranstaltet. "Es könnte stattfinden", macht Schröder ein wenig Hoffnung.

Allerdings buche er derzeit noch keine Künstler - in den vergangenen Jahren haben die Vorbereitungen unmittelbar nach dem Ende des Festes für das kommende begonnen. "Da derzeit auch keine anderen Veranstaltungen stattfinden, werden auch keine Künstler gebucht", so Schröder.

In Heidenau, wo Schröder ebenfalls das Stadtfest organisiert, sei es bereits von Juni auf Juli verschoben worden. Der "Neustädter Frühling" auf der Dresdner Hauptstraße soll von Mai in den Sommer verschoben werden. "Wir planen selbstverständlich alle Veranstaltungen mit Hygienekonzepten wie eingezäunten Bühnenbereichen und Kontaktnachverfolgungen."

Ratlos wegen Ostern auf der Hofewiese

Ostern sei eines der wichtigsten Ereignisse für die Hofewiese, sagt Betreiber und FDP-Fraktionschef Holger Zastrow. "Wir sind ratlos und wissen derzeit noch gar nicht, was möglich ist." Das Osterwasser holen und die Ostereier-Jagd seien sehr beliebt, ebenso die Walpurgisnacht am 30. April und der 1. Mai, so Zastrow. "Wir haben noch nichts abgesagt und hoffen, dass etwas stattfinden kann."

Außerdem wollte Zastrow im Mai auf dem Neumarkt eine Art Waldmarkt durchführen. Den hatte er bereits vor zwei Jahren im Auftrag von Sachsenforst organisiert und er sei sehr gut angenommen worden. "Natur, Wald, Dorf und Landwirtschaft mitten in der Stadt - das passt super in die Zeit", sagt Zastrow. Nun habe er den Markt aber wie im vergangenen Jahr abgesagt und hoffe auf 2022.

Welche Veranstaltungen weiterhin geplant sind

Es gibt aber auch Veranstalter, die weiterhin darauf setzen, dass 2021 doch noch größere Events stattfinden können. Laut Zastrow werde an den Harley-Days im Juli in der Flutrinne weiter geplant, ebenso an der US-Car-Convention im Juli im Ostragehege.

Abgesagt ist dagegen das Festival für Demokratie, Kultur und Lebensfreude Ende August im Ostragehege. Dieses werde auf 2022 verschoben. Noch nicht entschieden ist laut Stadt, ob die lange Nacht der Wissenschaften in diesem Jahr stattfinden kann.

Heftige Verluste durch ausgefallene Märkte

"Wir haben eine mittlere sechsstellige Summe in den Sand gesetzt", sagt Zastrow. Damit meint er den Ausfall des Weihnachtsmarktes "Augustusmarkt". Die Firma, die er mit Matteo Böhme betreibt, veranstaltet auch Märkte in Pirna und Prag. "Wir sitzen das ganze Jahr an der Planung, bei uns gibt es keine Kurzarbeit, da laufen Summen auf."

Enttäuscht sei Zastrow von der Stadt Dresden, weil sich der Vertrag für den "Augustusmarkt" wegen des Ausfalls 2020 nicht einfach um ein Jahr verlängert, sondern nach der nächsten Saison endet. Aber er lasse sich nicht den Mut nehmen, plane derzeit sogar zwei neue, kleinere Märkte. "Wenn die versprochenen Hilfen vom Bund kommen sollten, könnten sie einen großen Teil der Verluste ausgleichen." Er hoffe nun, dass Händler es schaffen, durch die Krise zu kommen und es genügend Personal für die Stände gibt.

Zu den mehreren 100.000 Euro, die Zastrow als Verlust beziffert, hat auch Schröder durch den Ausfall der "Dresdner Winterlichter" auf der Prager Straße nach eigenen Angaben "reichlich 100.000 Euro Verlust" gemacht. Dazu hat die Stadt 600.000 Euro zusätzlich in die Planung des Striezelmarktes gesteckt, der dann aber abgesagt wurde. Weitere Veranstalter dürften ebenfalls ein deutliches Minus gemacht haben.

Kritik an Stadt und Politik

Die Stadt bremse Veranstalter aus, sagt FDP-Stadtrat Robert Malorny. Denn der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr auf seine Initiative beschlossen, dass Flächen für zusätzliche, kurzfristige Märkte gesucht werden und die Sondernutzungsgebühr für die Veranstalter dafür ausgesetzt werden soll. Als Antwort bekam er nun von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), dass dieser Beschluss rechtswidrig sei.

Diese Änderungen würden sowohl der gültigen Sondernutzungssatzung als auch der Marktsatzung widersprechen - letzteres, weil die Flächen in der Innenstadt für Märkte der Stadt vorgesehen sind. "Wenn der Stadtrat etwas beschließt, erwarte ich, dass wir Lösungen vorgelegt bekommen, nicht solche Aussagen", so Malorny.

Er kritisiert den zuständigen Bürgermeister Stephan Kühn (Grüne). "Offenbar werden nur Anträge umgesetzt, die von bestimmten Fraktionen kommen", so Malorny. Damit meint er vor allem von Grünen, aber auch SPD und Linken. "Satzungen kann man per Ratsbeschluss ändern. Diese Änderungen hätte Herr Kühn uns vorlegen müssen, stattdessen ist nichts passiert."

Auch Stadtfest-Veranstalter Schröder ist sauer. "Wir machen jeden Monat Defizite. Mir fehlen die Strategien der Politik. Corona wird uns noch das ganze Jahr beschäftigen, aber Großveranstaltungen kommen in den Planungen bisher nicht vor." Seit einem Jahr habe er keine Veranstaltung mehr durchführen können. "Wir machen das, weil wir diesen Beruf lieben und leben. Für den Kopf wird das langsam zum Problem." Aber er sei optimistisch und hoffe auf Strategien, wie es wieder funktionieren kann.

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