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Womit Dresdens Stadtbezirke punkten

Wo fühlen sich die Dresdner am wohlsten und was stört sie an ihrem Viertel? Das sind die Ergebnisse aus dem Familienkompass Sachsen.

Dresden punktet im Familienkompass Sachsen unter anderem mit dem Nahverkehrs- und dem Kitaplatz-Angebot. Aber wie sieht es in den einzelnen Stadtteilen aus?
Dresden punktet im Familienkompass Sachsen unter anderem mit dem Nahverkehrs- und dem Kitaplatz-Angebot. Aber wie sieht es in den einzelnen Stadtteilen aus? © dpa/Robert Michael

Dresden. Wo immer die Dresdner zu Hause sind, sie fühlen sich wohl in ihrem Stadtteil. Das hat der Familienkompass Sachsen ergeben, für den im Frühjahr rund 2.500 Menschen befragt wurden. Alles perfekt also? Sechs Stadtbezirke, sechs Meinungen. Hier die Plus- und Minuspunkte.

Die Altstadt: Tausende neue Nachbarn

Christine Krüger (70): „Wir haben eine tolle Verkehrsanbindung hier. Selbst in der Altstadt schauen wir von unserer Wohnung zu beiden Seiten ins Grüne. Und eine tolle Kultur. Ich bin gerade dabei, Karten für ein Märchentheaterstück für meine Enkel abzuhol
Christine Krüger (70): „Wir haben eine tolle Verkehrsanbindung hier. Selbst in der Altstadt schauen wir von unserer Wohnung zu beiden Seiten ins Grüne. Und eine tolle Kultur. Ich bin gerade dabei, Karten für ein Märchentheaterstück für meine Enkel abzuhol © Christian Juppe

Frauenkirche, Semperoper, Postplatz-Trubel? Die Altstadt ist mehr als das historische Zentrum Dresdens. Sie erstreckt sich von der Friedrichstadt bis zur Johannstadt und zieht Tausende Touristen jedes Jahr an, aber auch neue Bewohner. 

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In keinem anderen Bezirk sind in den vergangenen Jahren mehr neue Wohnungen gebaut worden. Und kein anderer Bezirk ist so stark gewachsen. Mehr als 13.000 Menschen sind in den Jahren 2017 und 2018 in die Altstadt gezogen. Doch nicht allein das Zentrum wächst. Ein Magnet ist die Friedrichstadt.

So sehen es die Familien im Stadtbezirk Altstadt (Noten 1 bis 5)

Wohlfühl-Note:
2,0
Pluspunkte: ÖPNV-Anbindung (1,4), Freizeitmöglichkeiten (2,3), Fachärzte-Angebot (2,5)
Minuspunkte: Wohnkosten (4,1), Verkehrsbelastung (3,6), Verkehrslärm (3,5)

Pieschen: Ein Stadtbezirk putzt sich heraus

Joachim Adolphi (72): „Mir gefällt, dass es hier so sozial bunt ist. Setzen Sie sich mal eine Stunde auf den Spielplatz. Da kommt dann eine Oma mit einer Flasche Schnaps und passt auf ihren Enkel auf. Und daneben setzt sich eine Krankenschwester. Pieschen
Joachim Adolphi (72): „Mir gefällt, dass es hier so sozial bunt ist. Setzen Sie sich mal eine Stunde auf den Spielplatz. Da kommt dann eine Oma mit einer Flasche Schnaps und passt auf ihren Enkel auf. Und daneben setzt sich eine Krankenschwester. Pieschen © Sven Ellger

Pieschen hat sich gemacht. Viel Geld ist in den vergangenen Jahren in Straßen und Haussanierungen geflossen. An der Gehestraße ist ein Schulcampus für rund 2.000 Schüler entstanden, an der Flutrinne werden Tausende Wohnungen gebaut, die Sächsische Wohnungsgenossenschaft hübscht die alten Micktener Plattenbauten an der Lommatzscher Straße auf und mit dem Elbepark steht Dresdens zweitgrößtes Einkaufszentrum im Bezirk. 

Das wird belohnt: Pieschen wächst, vor allem junge Familien zieht es in den Dresdner Nordwesten. Inzwischen gibt es knapp 40 Kitas im Bezirk, an den 18 Schulen lernen knapp 7.000 Kinder und Jugendliche. Noch gibt es auch ein Krankenhaus in Trachau. Über dessen Zukunft wird aktuell diskutiert.

So sehen es die Familien im Stadtbezirk Pieschen (Noten 1 bis 5)

Wohlfühl-Note
: 1,8
Pluspunkte: ÖPNV-Anbindung (1,4), Zustand der Schulhäuser (1,8), kinderfreundliche Nachbarschaft (2,0)
Minuspunkte: Wohnungsangebot (4,2), Größe der Schulklassen (3,6), Verkehrslärm (3,4) 

Prohlis: Ein Stadtteil, der besser ist, als sein Ruf

Claudia Leistner (33): „Im Sommer ist es echt laut auf den Straßen. Und ständig hört man das Martinshorn. Aber der Zusammenhalt unter den Nachbarn ist super. Man begrüßt sich immer mit einem freundlichen Hallo und hilft sich gegenseitig.“
Claudia Leistner (33): „Im Sommer ist es echt laut auf den Straßen. Und ständig hört man das Martinshorn. Aber der Zusammenhalt unter den Nachbarn ist super. Man begrüßt sich immer mit einem freundlichen Hallo und hilft sich gegenseitig.“ © Sven Ellger

Der Bezirk Prohlis, insbesondere die beiden Stadtteile Prohlis-Nord und Prohlis-Süd, und der Bezirk Loschwitz werden oft gegenübergestellt – arm gegen reich, Vorzeigeviertel gegen Problemviertel. Tatsächlich hat der Bezirk mit vergleichsweise vielen Arbeitslosen und überschuldeten Haushalten zu kämpfen. Trotzdem gibt es von den befragten Prohlisern die Note 1,8 für ihre Wohngegend. Das zeigt: Die Bewohner fühlen sich wohler, als der Bezirk von außen wahrgenommen wird. 

Die Stadtteile Leubnitz-Neuostra, Niedersedlitz und Lockwitz schneiden tendenziell besser ab, als die großen Wohngebiete. Aber selbst dort wird die Wohngegend im Schnitt noch mit 2,4 bewertet. In den vergangenen Jahren sind Millionen in die Plattenbaugebiete geflossen, unter anderem für den Einsatz von Quartiermanagern, neue Sport- und Freizeitflächen sowie Grünflächen. Darüber hinaus werden Kita-Kinder gefördert, wenn diese in schwierigen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Die Einrichtungen haben zusätzliche Sozialpädagogen bekommen.

So sehen es die Familien im Stadtbezirk Prohlis (Noten 1 bis 5)

Wohlfühl-Note
: 1,8
Pluspunkte: ÖPNV-Anbindung (1,4), Engagement der Kita-Erzieher (1,8), Freizeitmöglichkeiten (1,9)
Minuspunkte: Wohnkosten (3,8), Größe der Schulklassen (3,5), Personalausstattung der Kitas (3,5)

Die Neustadt: Viele Kinder, viele Wünsche

Bruno Kühn (27): „Mich haben Neustadtklischees hierher
gezogen. Der Lebensstil. So etwas extrem Lockeres, aber trotzdem macht auch jeder sein eigenes Ding oder hat sein Hobby – und mag das auch noch so komisch sein. Hier gibt’s einfach Raum für Kultur,
das gab es in anderen Stadtvierteln so nicht.“
Bruno Kühn (27): „Mich haben Neustadtklischees hierher gezogen. Der Lebensstil. So etwas extrem Lockeres, aber trotzdem macht auch jeder sein eigenes Ding oder hat sein Hobby – und mag das auch noch so komisch sein. Hier gibt’s einfach Raum für Kultur, das gab es in anderen Stadtvierteln so nicht.“ © Christian Juppe
Paula Eisold (35): „Das Hechtviertel finde ich im Gegensatz zur Neustadt angenehmer. Mich haben immer die ganzen Leute von außerhalb genervt, die in die Neustadt getingelt sind, um Party zu machen. Samstagfrüh, wenn wir Brötchen geholt haben, sind wir dann immer an den Kotzepfützen vorbeigelaufen. Früher war die BRN (Bunte Republik Neustadt) viel cooler, richtig links und so. Das Hechtfest ist heute mehr so wie die BRN früher mal war.“
Paula Eisold (35): „Das Hechtviertel finde ich im Gegensatz zur Neustadt angenehmer. Mich haben immer die ganzen Leute von außerhalb genervt, die in die Neustadt getingelt sind, um Party zu machen. Samstagfrüh, wenn wir Brötchen geholt haben, sind wir dann immer an den Kotzepfützen vorbeigelaufen. Früher war die BRN (Bunte Republik Neustadt) viel cooler, richtig links und so. Das Hechtfest ist heute mehr so wie die BRN früher mal war.“ © Christian Juppe

Die Neustadt ist nicht nur im Herzen jung geblieben. Auf 1.000 junge Frauen kommen im Schnitt immer noch 61 Babys pro Jahr. Das ist Rekord unter Dresdens Stadtbezirken. Am kinderreichsten ist nach wie vor die Äußere Neustadt. Mit einem Durchschnittsalter von rund 33 Jahren sind die Einwohner hier auch deutlich jünger als alle Dresdner zusammen (43 Jahre). Kein Wunder also, dass die Neustädter großen Wert auf Kinder- und Familienfreundlichkeit legen. Defizite sehen die Befragten vor allem beim Angebot von Kitaplätzen und Spielflächen im Freien.

So sehen es die Familien im Stadtbezirk Neustadt (Noten 1 bis 5)

Wohlfühl-Note
: 1,7
Pluspunkte: Kinderärzte in der Nähe (1,9), freundliche Nachbarschaft (1,9), gesunde Ernährung in den Kitas (2,1) 
Minuspunkte: Wohnkosten (4,5), Sicherheit für Kinder auf der Straße (3,7), Kitaplatz-Angebot (3,6), Angebot an Spielflächen im Freien (3,0)

Loschwitz: Viele junge Familien

Sabine Tutacz (43): „Von meiner Wohnung brauche ich nur fünf Minuten in die Dresdner Heide. Bühlau ist Innenstadt und trotzdem außerhalb. Hier haben wir immer bessere Luft als unten im Talkessel. Verkehrstechnisch ist es aber momentan schwierig mit der St
Sabine Tutacz (43): „Von meiner Wohnung brauche ich nur fünf Minuten in die Dresdner Heide. Bühlau ist Innenstadt und trotzdem außerhalb. Hier haben wir immer bessere Luft als unten im Talkessel. Verkehrstechnisch ist es aber momentan schwierig mit der St © Christian Juppe

Loschwitz wird gern als Beispiel für Wohlstand herangezogen. Tatsächlich gibt es nirgendwo mehr Haushalte, die im Monat 3.000 Euro und mehr zur Verfügung haben. In keinem anderen Bezirk ist die Arbeitslosenquote mit 2,2 Prozent niedriger. Im vergangenen Jahr suchten lediglich 406 Menschen einen Job. In Pieschen waren es viermal so viele. Und – rein rechnerisch – besitzt jede Familie ein Auto. 

Eigentlich sind das optimale Bedingungen, um eine Familie zu gründen. Dennoch kommen auf 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter derzeit lediglich 54 Babys. Weniger werden nur in Prohlis geboren. Allerdings sind in den vergangenen Jahren bereits viele Kinder in Loschwitz zur Welt gekommen. 100 Einwohnern im Alter von 15 bis 64 Jahren stehen 31 Jüngere gegenüber. Da kann selbst die junge Neustadt nicht mithalten. Das heißt, dass Loschwitz in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren einen neuen kleinen Babyboom erleben könnte.

So sehen es die Familien im Stadtbezirk Loschwitz (Noten 1 bis 5)

Wohlfühl-Note
: 1,5
Pluspunkte: Chance auf Wunsch-Kitaplatz (2,0), Zustand der Schulhäuser (2,0), Hausarzt-Angebot (2,2)
Minuspunkte: Wohnungsangebot (4,3), Schulweg-Sicherheit für Kinder mit Fahrrad (3,6)

Plauen: Wo Studenten und Wissenschaftler zu Hause sind

Rebeccca Haugwitz (22): „Hier ist es nicht so laut wie in der Neustadt. Um mich herum sind Leute, die mich gut verstehen. Man kommt abends von der Slub (Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek) nach Hause und weiß: Alle haben dasselbe gemacht wie ic
Rebeccca Haugwitz (22): „Hier ist es nicht so laut wie in der Neustadt. Um mich herum sind Leute, die mich gut verstehen. Man kommt abends von der Slub (Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek) nach Hause und weiß: Alle haben dasselbe gemacht wie ic © Sven Ellger

Dresdens internationalstes Viertel liegt im Stadtbezirk Plauen. Die östliche Südvorstadt zwischen Strehlener Straße und Zelleschem Weg zählt 33 Prozent Einwohner, die aus dem Ausland kommen. Dabei handelt es sich auch um Studenten und Wissenschaftler, die an Dresdens Hochschulen lernen und forschen. Überhaupt ist Plauen von der Universitätslandschaft geprägt, die den Bezirk insgesamt sehr verjüngt und ihm viel Engagement für junge Menschen und Familien abverlangt. 

Keine einfache Größe, mit der sich planen lässt, denn der Hochschulbetrieb sorgt auch für einen fliegenden Wechsel in den Häusern. Leben die Dresdner im Schnitt zwölf Jahre in ihrer Wohnung, bevor sie umziehen, sind es in der Südvorstadt nur reichlich sechs Jahre.

So sehen es die Familien im Stadtbezirk Plauen (Noten 1 bis 5)

Wohlfühl-Note
: 1,6
Pluspunkte: ÖPNV-Anbindung (1,3), schnelles Internet (2,1), saubere Spielplätze (2,3) 
Minuspunkte: Vereinbarkeit von Kinderbetreuungsangeboten und Schichtarbeit (4,0), Chancen beim Wunsch-Kinderarzt aufgenommen zu werden (3,9), Größe der Schulklassen (3,8)

Familienkompass Sachsen 2020 - Die Ergebnisse für Dresden:

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