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Dresden
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"Es muss etwas passieren, wenn wir in Dresden noch Erzieher haben wollen"

Seit Jahren gibt es Debatten um die Verträge der Pädagogen in den Kitas der Stadt. Nun kommt mit einem Beschluss im Bildungsausschuss Bewegung in die Sache.

Von Julia Vollmer
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An den Verträgen der Dresdner Kita-Erzieher muss sich etwas ändern, fordert SPD-Bildungspolitikerin Dana Frohwieser.
An den Verträgen der Dresdner Kita-Erzieher muss sich etwas ändern, fordert SPD-Bildungspolitikerin Dana Frohwieser. © dpa/Monika Skolimowska, Sven Ellger

Dresden. Zwei Wochen vor dem Monatsersten erfuhren viele Dresdner Erzieherinnen bisher, ob sie im kommenden Monat 32, 35 oder mehr Stunden arbeiten müssen. Je nachdem, wie viele Kinder betreut werden mussten. Das ist nicht nur ein Problem bei der Planung mit Privatleben, eigenen Kindern und Freunden, sondern auch eine finanzielle Frage. Denn die Stadt hat ihren Mitarbeitenden dann natürlich nur die Stunden gezahlt, die sie gearbeitet haben.

Flex-Vertrag oder auch 32-Plus-Arbeitsvertrag heißt das Konstrukt, das immer wieder für Ärger sorgt. Auch bei den Streiks der Gewerkschaften Verdi und GEW wurde die Unzufriedenheit der Pädagogen damit immer wieder deutlich. Nun kommt Bewegung in die Sache. Der Bildungsausschuss hat einen SPD-Antrag beschlossen, die Verträge umzuwandeln.

Was wurde beschlossen?

Beschlossen wurde, "unverzüglich für eine Beendigung des 32-Plus-Arbeitsvertragsmodells im Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen zu sorgen und keine Neuverträge mit diesem Modell mehr abschließen zu lassen", so wie es im SPD-Antrag steht. Bestehende 32-Plus-Arbeitsverträge seien entsprechend der Wünsche der Beschäftigten schrittweise bis Ende Juni 2025 auf Festverträge bezüglich der Arbeitszeit anzupassen.

"Die Zeiger stehen auf zehn nach zwölf – es muss jetzt etwas passieren, wenn wir in Dresden zukünftig überhaupt noch genug Erzieher und Erzieherinnen für unsere Kinder in den Einrichtungen haben wollen", sagt SPD-Fraktionschefin und Bildungsexpertin Dana Frohwieser.

Nun hoffe die SPD-Fraktion auf eine schnelle Beschlussfassung im Finanzausschuss und im Stadtrat. "Damit die Erzieher und Erzieherinnen in unseren kommunalen Kitas endlich die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen. Sie sind kein Stückgut in einem Unternehmen, das man einfach kurzfristig erhöhen oder absenken kann", so Frohwieser.

Was wollen die Pädagogen selbst?

Die Stadt hatte eine Umfrage unter den Mitarbeitenden zu den Flex-Verträgen in Auftrag gegeben. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) im Interview mit Sächsische.de.
Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) im Interview mit Sächsische.de. © Sven Ellger

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) sagt im Gespräch mit Sächsische.de, von den rund 3500 Beschäftigten in den Kitas hätten sich rund 1.700 an der Befragung beteiligt. "Dabei wurde festgestellt: 63 Prozent wünschen sich Festverträge, aber 79 Prozent wollen keine Umsetzung in eine andere Einrichtung."

Aber er betont aber auch: "Wer das eine will, muss dann auch mit dem anderen leben können. Wenn es so kommt, dass alle einen Festvertrag bekommen, kann es Abordnungen oder Umsetzungen in andere Einrichtungen geben oder von der Kita in den Hort und andersherum."

Außerdem werde es mehr kosten als bisher, allen Pädagogen einen Festvertrag zu geben, so der Bürgermeister. "Wenn es dazu kommt, soll in einem Schritt auch jeder einen Festvertrag bekommen können und nicht nur die neu eingestellten Fachkräfte. Das würde sonst Ungerechtigkeiten schaffen." Donhauser rechne bei Umsetzung mit Mehrkosten von bis zu vier Millionen im Jahr extra nur für kommunale Kitas und für die freien Träger dann in Summe acht Millionen.

SPD-Stadträtin Dana Frohwieser sieht die Ergebnisse der Umfrage als kritisches Zeichen. "Wer nach diesen Zahlen immer noch nicht verstehen will, dass dies für die Landeshauptstadt einen eklatanten Wettbewerbsnachteil im Gerangel um viel zu wenige Fachkräfte bedeutet, der handelt schlicht verantwortungslos." Die Städte Leipzig und Chemnitz würden beweisen, dass es auch ohne Flex-Verträge nicht teurer werde. Die Verwaltung habe den Stadträten sogar mitgeteilt, dass die Betriebskosten der Kitas in Leipzig und Chemnitz unter denen von Dresden liegen.

Eine kleine Verbesserung wurde schon umgesetzt. "Bisher gab es nur zwei Wochen Ankündigungsfrist, wie viele Stunden wer im kommenden Monat arbeiten wird. Das haben wir jetzt auf vier Wochen hochgesetzt", so Sabine Bibas, Leiterin des Kita-Eigenbetriebes.

Sabine Bibas, Leiterin Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen in Dresden.
Sabine Bibas, Leiterin Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen in Dresden. © Sven Ellger

Wie ist die Personalsituation in den Dresdner Kitas?

Anders als in den vergangenen Jahre gebe es aktuell keine großen Personalsorgen mehr. Denn die Kinderzahlen sinken. Wie viele und ob es offene Stellen gibt, dazu will sich die Stadt nicht in die Karten schauen lassen.

"Viele unserer Mitarbeiter wollen auch nicht Vollzeit arbeiten, da auch die Arbeitsbelastung durch viele neue Aufgaben gestiegen ist", sagt Bibas. Die Mitarbeitenden müssten sich mehr um geflüchtete Kinder und Kinder mit Integrationsstatus kümmern. Außerdem seien die Ansprüche der Eltern gestiegen. "Wir wollen den Eltern gern lange Öffnungszeiten bieten, aber von 6 bis 18 Uhr zu öffnen, geht natürlich auch an die Grenzen der Mitarbeiter und dann manchmal auch zulasten der Qualität, da der sächsische Personalschlüssel das nicht berücksichtigt und wir somit das vorhandene Personal auf einen längeren Zeitraum strecken müssen", sagt sie.