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Dauerbaustelle Bautzner Straße in Dresden: "Das ist existenzbedrohend für uns"

Dresdner Gewerbetreibende nahe der Baustelle auf der Bautzner Straße kämpfen mit großen Problemen. Und das bereits zweieinhalb Wochen nach Baustart.

Von Kay Haufe
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Für Ina Stephan von Pfunds Molkerei ist die Baustelle existenzbedrohend.
Für Ina Stephan von Pfunds Molkerei ist die Baustelle existenzbedrohend. © Sven Ellger

Dresden. Riesige Fahrleitungsmasten sind abmontiert und liegen an der stillgelegten Straßenbahnhaltestelle Diakonissenkrankenhaus, Bagger rollen im Minutentakt auf der Bautzner Straße zwischen Prießnitz- und Radeberger Straße. Seit dem 2. Mai verändert sich die Hauptverkehrsstraße in dem Bereich ständig, werden Barken aufgestellt, der Belag von Fahrspuren aufgerissen und Fahrtwege neu eingeteilt. Hintergrund sind die Erneuerung der Prießnitzbrücke sowie der Ausbau der Bautzner zwischen Prießnitz- und Stolpener Straße. 25 Monate lang soll gebaut werden.

Diese Zeitspanne von über zwei Jahren löst bei Ina Stephan Horrorvorstellungen aus. Die Ladenleiterin der Pfunds Molkerei hat schon in den ersten zweieinhalb Wochen Bauzeit erleben müssen, dass das Geschäft extrem unter der Baustelle leidet. "Lediglich eine Stadtrundfahrtlinie kann noch bei uns kurz zum Be- und Entladen der Gäste halten, die zweite findet keine Möglichkeit mehr", sagt Stephan.

Für Reisebusse sei es aussichtslos, einen Parkplatz in der Nähe zu finden. "Wir haben bereits mit dem Ordnungsamt gesprochen, die haben auf zwei Busstellflächen auf der Radeberger Straße verwiesen. Aber die sind ständig von Pkw belegt."

Auf der Bautzner Straße werden die Brücke über die Prießnitz erneuert, die Haltestellen Diakonissenkrankenhaus barrierefrei ausgebaut und Teile der Straße erneuert.
Auf der Bautzner Straße werden die Brücke über die Prießnitz erneuert, die Haltestellen Diakonissenkrankenhaus barrierefrei ausgebaut und Teile der Straße erneuert. © Sven Ellger

Dresdner Touristen kommen nur schwer zu schönstem Milchladen

Anrufe von Busunternehmen, die ihren Gästen natürlich auch den schönsten Milchladen der Welt nicht vorenthalten wollen, bekommt Stephan mittlerweile ständig. Sie steht auch im Kontakt mit den Gästeführern. "Alle wollen wissen, wo die Busse parken können, aber ich kann keine Alternativen nennen", sagt sie resigniert. So ist zum Beispiel die Prießnitzstraße bis August 2024 als Sackgasse ohne Wendemöglichkeit ausgewiesen, in der keine Zu- und Ausfahrten von oder auf die Bautzner Straße möglich sind.

Rund 95 Prozent der Gäste in Pfunds Molkerei sind Touristen, die die Attraktion aus ihren Reiseführern anschauen wollen. "Wir leben von ihnen. Die Baustelle ist existenzbedrohend für uns."

Ein wenig Hoffnung hat Stephan, dass gemeinsam mit dem städtischen Bauamt zumindest eine temporäre Lösung gefunden wird. Wenn die Straßenseite gegenüber der Molkerei gesperrt ist, könnte dort ein Bushalteplatz für Reisebusse und die zweite Stadtrundfahrt entstehen. "Mal sehen, was das Gespräch ergibt."

Besonders bitter ist für die Ladenleiterin, dass die Baustelle gerade jetzt kommt, wo Pfunds Molkerei nach der Corona-Zeit mit Kurzarbeit Null endlich wieder "einen Lauf hatte", wie sie sagt. "Die Touristen waren wieder da, es lief richtig gut. Und jetzt das."

Tankstellen-Pächterin schon das zweite Mal von Baustelle betroffen

Ähnlich düster ist auch das Bild, was Ute Jautze zeichnet. Seit 1998 hat sie die baulich markante Total-Tankstelle mit dem runden Dach auf der Bautzner Straße gepachtet. Momentan gelangen aufgrund der Absperrungen nur wenige Kunden an ihre Tankstelle. "Die Hälfte des Umsatzes ist seitdem weg. Für uns ist diese Baustelle sehr problematisch", sagt sie.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Baustelle vor der Tür ihr Geschäft massiv beeinträchtigt. 2013 wurde bereits auf der Bautzner Straße zwischen Rothenburger Straße und Martin-Luther-Straße gebaut, was mit langen Umleitungen einherging. Jautzes Tankstelle war auch damals schwer erreichbar. "Ich musste damals einen Kredit aufnehmen, um die Umsatzeinbußen auszugleichen. Das will ich nicht nochmal erleben", sagt sie.

Derzeit bereite sie mit ihrem Steuerberater alle Zahlen auf, um genau zusehen, welche Einbußen es gab. "Außerdem will ich mit Total verhandeln, ob ich weniger Pacht bezahlen kann", sagt sie.

Die Total Tankstelle auf der Bautzner ist derzeit nur schlecht erreichbar. Nicht zum ersten Mal muss ihre Pächterin Umsatzeinbußen hinnehmen.
Die Total Tankstelle auf der Bautzner ist derzeit nur schlecht erreichbar. Nicht zum ersten Mal muss ihre Pächterin Umsatzeinbußen hinnehmen. © Sven Ellger

Ab Mitte Juli neue Verkehrsführung

In wenigen Wochen wird sich die stadtauswärtige Verkehrsführung im Baustellenbereich noch einmal verändern. Für die Ersatzbusse für die Straßenbahnlinie 11 und den gesamten anderen Verkehr gilt ab Mitte Juli eine Umleitung über die Holzhofgasse und den Diakonissenweg, die beide Einbahnstraßen werden.

Das Parken auf der Holzhofgasse ist im Abschnitt Pferdekopfbrunnen bis Löwenstraße weiterhin möglich. Ab der Löwenstraße geht das aber nur in ausgewiesenen Teilbereichen. Auf Anfrage von anliegenden Einrichtungen prüft die Stadt, ob sich Kurzzeitparkplätze im Bereich Löwenstraße/Holzhofgasse einrichten lassen. Es bleibt bei Tempo 30 auf der Holzhofgasse.


Grundstücke sind während der Bauzeit zu Fuß erreichbar, wie die Stadt informiert. Für Anlieger ist folgende Webseite mit weiteren Informationen eingerichtet: www.dresden.de/bautzner-strasse