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"Wir standen alle unter Schock": Nachbarschaftstreff muss nach Hausbrand in Dresden schließen

Am Montag hat in Dresden-Löbtau drei Stunden lang ein Wohnhaus gebrannt. Jetzt räumen die Bewohner ihre Wohnungen aus. Auch der Nachbarschaftstreff "PlatzDa!" ist betroffen.

Von Connor Endt
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"Aktuell ist völlig unklar, ob wir die Räume wieder nutzen können", sagt Moritz Eggert vom "PlatzDa!". Im Haus des Nachbarschaftstreffs hat es gebrannt.
"Aktuell ist völlig unklar, ob wir die Räume wieder nutzen können", sagt Moritz Eggert vom "PlatzDa!". Im Haus des Nachbarschaftstreffs hat es gebrannt. © Roland Halkasch

Dresden. Es knirscht unter Moritz Eggerts Turnschuhen, als er den Nachbarschaftstreff "PlatzDa!" in der Wernerstraße in Dresden-Löbtau betritt. Der Fußweg vor dem kleinen Eckladen ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, überall auf den Gehwegplatten liegen zerbrochene Dachziegel.

In dem Haus, in dem Moritz Eggert und sein Verein regelmäßig Veranstaltungen organisieren, hat am vergangenen Montag gut drei Stunden lang ein Feuer gewütet. Kurz nach 17 Uhr war in dem Mehrfamilienhaus an der Ecke Wernerstraße/Lübecker Straße ein Feuer im obersten Stockwerk ausgebrochen. Dann griffen die Flammen auf den Dachstuhl über.

Am vergangenen Montag brannte ein Wohnhaus in Dresden-Löbtau.
Am vergangenen Montag brannte ein Wohnhaus in Dresden-Löbtau. © Roland Halkasch
Herunterfallende Dachziegel trafen parkende Autos.
Herunterfallende Dachziegel trafen parkende Autos. © Roland Halkasch
Die Feuerwehr löschte den Brand in Dresden-Löbtau mit 60 Einsatzkräften.
Die Feuerwehr löschte den Brand in Dresden-Löbtau mit 60 Einsatzkräften. © Roland Halkasch
Die Bewohner des Hauses wurden zeitweise in Evakuierungs-Shuttles untergebracht.
Die Bewohner des Hauses wurden zeitweise in Evakuierungs-Shuttles untergebracht. © Roland Halkasch
Rund drei Stunden dauerte es, bis das Feuer gelöscht werden konnte.
Rund drei Stunden dauerte es, bis das Feuer gelöscht werden konnte. © Roland Halkasch

Die Feuerwehr löschte mit 60 Einsatzkräften. Die Hausbewohner wurden am Montagabend von Spezialisten betreut und vorübergehend in einem Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe untergebracht. Verletzt wurde niemand.

Drei Tage später sind von dem Dach in der Wernerstraße nur noch verkohlte Balken übrig, die freigelegten Schornsteine ragen in die Luft. Ein Anwohner trägt die Holzteile eines Bettes aus dem Haus und lädt sie in seinen Kofferraum. "Nachts hat es plötzlich geklopft. Das war die Polizei", sagt er. "Wir hatten fünf Minuten und mussten dann aus dem Haus." Zusammen mit einem Freund holt er jetzt die verbliebenen Möbel aus der Wohnung. "Retten, was noch da ist", sagt er.

Nachbarschaftstreff "PlatzDa!" hat alle Veranstaltungen abgesagt

Der Brand hat auch Folgen für das "PlatzDa!" im Erdgeschoss des Hauses. Der Holzboden ist aufgeweicht, das Schaufenster beschlagen, in den Toiletten steht das Wasser. Über die Wände ziehen sich Wasserflecken, die Tapete löst sich an einigen Stellen ab. "Am Montag standen wir alle unter Schock", sagt Moritz Eggert. Seit Mittwoch dürfen er und die anderen Betreiber die Tür vom "PlatzDa!" wieder öffnen. "Mir ging es schlecht, ich war demotiviert, als ich den Raum das erste Mal betreten habe", sagt Moritz Eggert.

"Mir ging es schlecht, ich war demotiviert": Moritz Eggert vor dem "PlatzDa!", das auch vom Brand betroffen ist.
"Mir ging es schlecht, ich war demotiviert": Moritz Eggert vor dem "PlatzDa!", das auch vom Brand betroffen ist. © SZ/Connor Endt

Die Betreiber des "PlatzDa!" haben die nassen Teppiche aufgehängt, versuchen, diese so gut wie möglich zu trocknen. Einen Teil des Möbiliars wollen sie anderswo zwischenlagern, bevor dieses schimmelt.

Das "PlatzDa!" gibt es seit 2015. Bisher fanden hier regelmäßig Skatabende, Filmvorführungen, Workshops und andere Veranstaltungen statt. Bis zu 60 Personen passen laut Eggert in den Raum, die Veranstaltungen seien gut besucht gewesen. Jetzt müssen alle Veranstaltungen bis auf Weiteres ausfallen.

Polizei Dresden ermittelt zur Brandursache

Wie es in dem Wohnhaus in Löbtau weitergeht, ist aktuell noch unklar. "Es sind noch keine Sicherungsmaßnahmen am Gebäude vorgenommen worden", heißt es vonseiten des Dresdner Bauaufsichtsamts. Aktuell sei unbekannt, wann der Hauseigentümer Maßnahmen umsetzen werde.

Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Wegen der Sicherungsarbeiten an dem schwer beschädigten Haus hätten die Ermittler das Gebäude aber noch nicht betreten können, so ein Sprecher. Bei Twitter wird bereits darüber diskutiert, wie das Feuer ausbrechen konnte. Bis zum Abschluss der Ermittlungen bleiben diese Diskussionen aber reine Spekulation.

Große Solidarität mit den betroffenen Hausbewohnern

"Aktuell ist noch völlig unklar, ob wir die Räume wieder nutzen können", sagt Eggert. Man sei auf der Suche nach alternativen Räumen im Stadtviertel. Die Suche sei allerdings schwierig, denn "Gewerberäume sind in Löbtau extrem rar geworden." Eine Sache ist dem 27-Jährigen wichtig: "Wir sind nicht mit unserem Leben betroffen. Viel härter trifft es die Bewohner, die jetzt mitten im Winter eine neue Wohnung finden müssen. Das ist so kurzfristig in Dresden sehr, sehr schwer."

Die Solidarität mit den betroffenen Hausbewohnern ist groß in Dresden. Viele Menschen folgten einem Spendenaufruf, den der Elternbeirat der Kita "FunkelDunkelLichtGedicht" online veröffentlicht hat. Dort sammeln die Initiatoren Geld, damit sich eine betroffene Familie neue Möbel kaufen kann. Innerhalb von 18 Stunden kamen fast 50 Spenden zusammen. Das Spendenziel waren 1.000 Euro. Mittlerweile wurde mehr als das Doppelte für die Familie gespendet.