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Wie Dresdens bester Läufer aus dem Mittelmaß raus will

Nur mitmachen bei Olympia oder WM sind Karl Bebendorf zu wenig. Dresdens bester Läufer hat neue Ziele – die Geschichte eines Balanceaktes.

Von Alexander Hiller
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DSC-Ass Karl Bebendorf verfolgt ambitionierte Ziele.
DSC-Ass Karl Bebendorf verfolgt ambitionierte Ziele. © Archiv: Ronald Bonß

Dresden. Er ist seit Jahren ganz vorn – in Deutschland. Dreimal hintereinander hat Karl Bebendorf zuletzt den nationalen Titel über 3.000 Meter Hindernis gewonnen, und das mehr oder weniger konkurrenzlos. Inzwischen ist der 26-Jährige vom Dresdner SC im besten Läuferalter angekommen und verfolgt jetzt neue, größere Ziele. Bebendorf spürt das Potenzial für mehr in sich. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen durfte er bereits antreten, und er schied jeweils im Vorlauf aus. „Mit so einem Leistungsstand will ich mich dort nicht noch mal zeigen, das ist nicht das, was ich mir vorstelle“, sagt er.

In dieser Saison gibt es nun gleich zwei Höhepunkte mit einer Europameisterschaft im eigenen Land und der Weltmeisterschaft in den USA. Sich für beide Titelkämpfe zu qualifizieren, hält der Hindernisläufer für seine Pflicht. Die Norm für die EM in München hat der Sportsoldat seit Dienstag bereits in der Tasche. Mit 8:28,14 Minuten belegte Bebendorf beim stark besetzten Meeting in Ostrava den neunten Platz. Die Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die WM in Eugene liegt allerdings bei 8:22 Minuten. So schnell ist der Dresdner noch nie gelaufen. Seine Bestzeit liegt seit 2021 bei 8:23,28 Minuten.

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Neue Reize in Südafrika

Das ist international gesehen nur Mittelmaß. Und aus dem will der sehnige Athlet jetzt ausbrechen. „Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber mein Anspruch ist es, an die 8:20 zu gucken, damit ich konkurrenzfähig bin“, sagt Bebendorf. Elf Läufer – drei aus Europa – waren in dieser noch jungen Saison schon schneller. Für Bebendorf bleibt es dennoch der Maßstab. „Wenn solche Zeiten nicht kommen, dann brauche ich gar nicht über EM oder WM reden. Dann bin ich wieder bloß Teilnehmer – und das will ich eigentlich nicht mehr. Ich muss mich Richtung Finale orientieren“, fordert der gelernte Einzelhandelskaufmann von sich selbst, und er betont: „Das ist kein Anspruch, der unrealistisch ist. Das muss jetzt einfach kommen.“

Dafür hat Bebendorf bereits insgesamt sechs Wochen in zwei Höhentrainingslager im südafrikanischen Potchefstroom investiert – und das nicht zuletzt auch finanziell. Das erste wurde vom DLV gesteuert und untersetzt, das zweite bezahlte Bebendorf selbst. „Nach zwei Jahren in der Heimat war es Zeit, neue Reize zu setzen“, betont der kommunikative Mann, dem auf Instagram inzwischen 18.000 Menschen folgen. Auch an den Trainingsinhalten haben er und sein Trainer Dietmar Jarosch gefeilt. „Wir sind weggegangen von der Schnelligkeit, meine Werte da waren fast schon zu gut. Ich bin aber mehr auf Grundlagen und Ausdauer angewiesen“, sagt Bebendorf. Auch das Krafttraining wurde reduziert, da die Muskulatur des Dresdners darauf zu gut ansprach.

Das Problem linkes Knie

Das Problem beim Plan, den Abstand zur Weltspitze zu minimieren, könnte indes das linke Knie sein. Die Patellasehne bereitet seit Jahren Sorgen. „Das ist nicht dramatisch und auf die monotone Belastung als Läufer zurückzuführen. Ich kann normal trainieren, es gibt aber die eine oder andere Woche, in der es mehr wehtut“, sagt Bebendorf. Den Schmerzen begegnet er mit mehr Auszeiten als vorher. „In den letzten Jahren habe ich das Thema Urlaub und Erholung nicht so ernst genommen, das gab es in meinem Leben eigentlich gar nicht mehr. Internationale Misserfolge haben mich so motiviert, dass ich direkt weitergemacht habe – das war blauäugig“, gesteht er.

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Das größere Hindernis dürfte sein, dass bei internationalen Meetings – und die sind Bebendorfs Anspruch – auf seine angepeilte Wunschzeit keine Rücksicht genommen wird. Je besser die Leistung, desto mehr mediale Aufmerksamkeit für das Sportfest. Deshalb werden Tempomacher eingekauft, die die Besten zu Weltklassezeiten ziehen sollen. In solchen Feldern muss Bebendorf die entsprechende Balance finden – in Sekundenbruchteilen entscheiden, zwischen zu viel zu wollen oder zu wenig zu tun. „So ein Hindernisrennen muss passen. Da muss alles stimmen, bei großen Meetings kann man über sich hinauswachsen“, sagt Bebendorf und findet, dass seine Zeit gekommen ist. Jetzt.

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