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Warum dauert der Bau an der Bautzner Straße in Dresden so lange?

25 Monate lang wird an der Bautzner Straße die Prießnitzbrücke erneuert.In dieser langen Zeit gibt es zahlreiche Einschränkungen. Warum geht es nicht schneller?

Von Kay Haufe
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Momentan wird auf der Südseite der Bautzner Straße in Dresden gearbeitet.
Momentan wird auf der Südseite der Bautzner Straße in Dresden gearbeitet. © Christian Juppe

Dresden. Es ist eine der längsten Straßenbaustellen der Stadt: Um die marode Brücke über die Prießnitz zu erneuern, die beim Hochwasser 2013 stark beschädigt wurde, sind 25 Monate Bauzeit veranschlagt. Im Baugebiet werden Straßenbahngleise, Oberleitungen, Straßen und Gehwege erneuert. Die Haltestelle "Diakonissenkrankenhaus" wird künftig barrierefrei zugänglich sein. Doch warum dauert das mehr als zwei Jahre, fragen sich viele Dresdner. Erst im Juni 2025 soll alles fertig sein. Eine Zeitspanne, über die in anderen Ländern nur gelächelt würde, dort wird oft mehrschichtig sowie an Wochenenden gearbeitet.

Brücke ist der Knackpunkt

Die Länge der Bauzeit wird maßgeblich durch den Brückenbau bestimmt. Der stadteinwärts fahrende Verkehr soll immer halbseitig an der Baustelle vorbeikommen, deshalb müssen für den Brückenbau Provisorien errichtet werden. Das kostet Zeit und Geld. "Allein die Herstellung des Endzustandes der Nordseite inklusive Brücke, Straße, Gleis und Medien beansprucht von der Gesamtbauzeit zwölf Monate", sagt ein Stadtsprecher.

Nord- und Südteil getrennt gebaut

Konkret wird in folgenden Abschnitten an der Brücke gebaut: Nachdem bis zum 9. Juli nach Munition gesucht wurde, Leitungsprovisorien verlegt sowie Fahrleitung und Maste abmontiert wurden, wird der südliche Teil der Bautzner Straße im Einmündungsbereich des Diakonissenweges umgebaut und die Straßenentwässerung erneuert. Ab Mitte Juli wird der stadtauswärtige Verkehr über die Holzhofgasse und den Diakonissenweg geführt. Außerdem wird die Südseite der Bautzner provisorisch hergerichtet, damit darüber dann der stadteinwärtige Verkehr fließen kann.

Ab 10. Juli beginnen die Bauarbeiten an der Nordseite der Prießnitzbrücke. Um bauen zu können, muss das Grundwasser abgesenkt sowie Verbau und Verankerung errichtet werden, bevor der Brückenteil abgerissen wird. Parallel werden Gleise, Fahrbahn und Fußwege abgebrochen. Der Brückenneubau beginnt mit der Herstellung der Gründungssohle und eines Widerlagers, dem Fundamentaufbau, Bewehrungsarbeiten sowie der Betonage der Flügelwände. Wenn alles abgedichtet ist, wird die Baugrube verfüllt. Dann werden Kappen und Mauerwerksverblendungen gebaut. Am 10. Juli 2024 soll das geschafft sein.

Die Total-Tankstelle an der Bautzner Straße ist nur schwer erreichbar, die Pächterin hat die Hälfte der Kunden verloren.
Die Total-Tankstelle an der Bautzner Straße ist nur schwer erreichbar, die Pächterin hat die Hälfte der Kunden verloren. © Christian Juppe

Dann starten die Arbeiten am südlichen Teil der Brücke, die analog zum nördlichen verlaufen. Diese seien allerdings um einiges komplizierter, da die Andienung der Baustelle und das Bauen an sich durch die Mittellage zwischen Diakonie und dem neuen nördlichen Brückenteil deutlich erschwert wird, so der Sprecher.

Straßen- und Gleisbau in zehn Monaten

Bis zum Juni 2025 werden nicht nur die Bautzner Straße im Bereich zwischen Prießnitz- und Stolpener Straße erneuert und mit neuen Kanälen ausgestattet, sondern auch neue Gleise mit breiterem Abstand für die neuen Stadtbahnwagen verlegt. Die Haltestellen am Diakonissenkrankenhaus gewährleisten dann einen barrierefreien Ein- und Ausstieg. In der Zeit wird auch eine Stützwand an der Prießnitzstraße zu einem freien Grundstück gebaut sowie der Platz im Bereich zur Einmündung der Forststraße neu gestaltet.

Abschließend müssen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) die Fahrleitung neu montieren, außerdem sind diverse Schaltarbeiten für die neuen Ampeln sowie Markierung auszuführen.

"In der veranschlagten Bauzeit liegen zwei Herbst- und Winterphasen", sagt der Stadtsprecher und verweist auf mögliche Schlechtwetterperioden mit Regen und Kälte, in denen bestimmte Arbeiten wie Abdichtungen, Betonieren, Asphalteinbau oder Schweißen nicht möglich seien. Das sei in der zeitlichen Planung aber einkalkuliert worden. "Aktuell ist die Bauzeit wie in der Ausschreibung und damit von der Planung vorgegeben, vertraglich ohne Abweichung von der Arge bestätigt", so der Sprecher.

Gewerbetreibende leiden unter Baustelle

Nicht allein die Fahrgäste der Linie 11, die auf Ersatzbusse umsteigen müssen, und andere Verkehrsteilnehmer haben Einschränkungen durch die lange Baustelle, sondern auch Gewerbetreibende. Ute Jautze betreibt seit 1998 die Total-Tankstelle an der Bautzner Straße. Derzeit aber ist die Tankstelle schwer erreichbar, die meisten fahren vorbei, ohne zu bemerken, wo die Einfahrt ist. Jautze verkauft nur noch die Hälfte des Kraftstoffes im Vergleich zu vor den Bauarbeiten. "Zum Glück kommen die Stammkunden, die mich auch versuchen aufzumuntern." Aktuell versucht sie, mit Total über eine Senkung der Pacht zu verhandeln.

Ab Mitte Juli soll die Verkehrsführung wieder geändert werden, sodass die Tankstelle wieder besser erreichbar sein wird. "Mit dem Betreiber der Tankstelle steht die Bauleitung in Kontakt, falls hier noch nachjustiert werden muss", sagt der Stadtsprecher. Die Belieferung erfolgt mit kleineren Fahrzeugen.

Für Pfunds Molkerei ist die Lage nicht weniger schwierig, Touristen machen das Gros der Gäste aus. Doch seit die Busse nicht mehr problemlos in der Nähe parken können, hat sich die Zahl der Besucher stark verringert. Die Stadt verweist auf die Haltestelle der Stadtrundfahrt, die noch nutzbar ist. Auch Touristenbusse könnten dort halten und Gäste ein- und aussteigen lassen. "Dass die Busse, wie in der Vergangenheit, entgegen der STVO dort warten, ist allerdings ausgeschlossen." Innerhalb der Stadt seien Busparkplätze ausgewiesen, unter anderem auf der Radeberger Straße, der Archivstraße, der Theresienstraße und der Tannenstraße.