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Endlich Gäste für die Sixtina

Die sanierte Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden war kurzzeitig geöffnet, dann kam Corona. Seit Dienstag ist ein Rundgang wieder möglich.

Nach sieben Wochen öffnen sich die Türen der Gemäldegalerie erstmals wieder für Besucher.
Nach sieben Wochen öffnen sich die Türen der Gemäldegalerie erstmals wieder für Besucher. © dpa-Zentralbild

Dresden. Die Sixtina empfängt wieder. "Das ist selten, dass man hier allein ist", freut sich eine Besucherin. Sie sitzt in dem rotwandigen Saal der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden fast andächtig vor dem berühmten Altarbild des italienischen Renaissancemalers Raffael sitzt. Nach langer Corona-Zwangsabstinenz drängt es Kunstliebhaber wieder in die heiligen Hallen der Kunst, als sich am Dienstag die mächtige Flügeltür des Semperbaus am Zwinger erstmals für Publikum öffnet - nach gut siebenwöchiger Schließung. Vor dem Eingang warten Senioren, junge Frauen mit Kindern und Studenten, die mit Abstand eingelassen werden.

Hannelore Knischewski war eine der ersten Besucherinnen am Dienstag.
Hannelore Knischewski war eine der ersten Besucherinnen am Dienstag. © Sebastian Kahnert/dpa

Mit Meisterwerken italienischer, holländischer, flämischer und deutscher Maler zählt die Dresdner Gemäldegalerie zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Der Semperbau ist seit kurzem zugleich Domizil der Skulpturen bis 1800 aus dem Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), zu denen das Museum gehört. Es ist eines der Zugpferde des Verbundes von 15 Häusern und macht den Auftakt für die schrittweise Rückkehr zur Normalität. Das Ausstellungsgebäude des 19. Jahrhunderts war erst Ende Februar, nach sieben Jahren Sanierung und der Neueinrichtung, wiedereröffnet worden - und schon zwei Wochen später wegen Corona erneut geschlossen.

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"Endlich", sagt auch Generaldirektorin Marion Ackermann und freut sich über die Resonanz. Allein in der ersten Stunde kamen rund 150 Besucher, gemäß den Corona-Schutz-Regelungen dürfen maximal 200 zugleich durch Räume und Hallen streifen, wie ein SKD-Sprecher sagt. Im weltweiten Rund der prominenten Museen gehören die SKD zu den ersten, die den Lockdown Schritt für Schritt beenden.

Eine Tafel mit Sicherheitshinweisen steht am Eingang der Gemäldegalerie.
Eine Tafel mit Sicherheitshinweisen steht am Eingang der Gemäldegalerie. © Sebastian Kahnert

Christian (70) und Cornelia (68) aus Niederwiesa bei Freiberg sind die Ersten am Einlass und ziemlich aufgeregt. "Wir haben es vermisst", sagen Beide unisono. Das Rentnerpaar ist vor allem gespannt auf die "neue" Ordnung in den Räumen. Sie legen schnell ihre Masken aus traditionellem Blaudruck-Stoff an - ein Begrüßungspräsent der SKD.

Auch die SKD-Chefin mit Tochter Ada muss wenig später im Treppenhaus warten. "Sonst sind zu viele Personen im Raum", sagt eine Aufsicht freundlich. Ein Besucher pro 20 Quadratmeter Ausstellungsfläche, mindestens 1,50 Meter Abstand und Mund-Nase-Schutz als Pflicht sind die Regeln für den seit Montag möglichen Museumsbesuch in der Corona-Pandemie. "Die Leute sind wirklich vernünftig und einsichtig", sagt ein Wachmann.

Der begrenzte Zugang erlaubt eine ungestörte Betrachtung der Meisterwerke von der Skulpturenhalle bis zum Deutschen Saal. Der mit Schildern und Klebebändern am Boden bezeichnete Rundgang führt in nur eine Richtung durch die Skulpturenhalle an Michelangelos im Treppenhaus vorbei zum prominentesten Dresdner Meisterwerk: Raffaels "Sixtinischer Madonna". Sie "empfängt" in Gesellschaft von Correggio und Zeitgenossen.

Prominentestes Dresdner Meisterwerk: Raffaels "Sixtinische Madonna".
Prominentestes Dresdner Meisterwerk: Raffaels "Sixtinische Madonna". © dpa/Sebastian Kahnert

Zu ihrem Gegenüber in der Osthalle, Rembrandts "Ganymed in den Fängen des Adlers", geht es durch weitere Seitenräume ins 2. Obergeschoss. Dort betrachten zwei Frauen die Bellotto-Veduten und diskutieren über den berühmten "Canaletto-Blick" auf das Dresden des 18. Jahrhunderts. "Herrlich, wunderschön!", sagt das Paar aus Niederwiesa beseelt, das auch bei dem Bild "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" angelangt ist.

Die SKD, das Schwergewicht im Kulturland Sachsen und ein Zugpferd des internationalen Tourismus, machen nun Schritt für Schritt weitere ihrer Häuser und damit Originale zugänglich. Der Freistaat hatte im Zuge weiterer Lockerungen auch die Zwangspause für die Museen beendet. Nach der Beschränkung der vergangenen Wochen sei in den SKD viel Energie und bei den Menschen Freude an der Kunst spürbar, sagt Ackermann. "Die Menschen müssten jetzt strömen, weil sie das Museum für sich haben."

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Genau das hat den Rentner Peter bewogen, mit der Kamera in Ruhe nach ganz bestimmten Bildern zu suchen. "Es ist wunderbar", sagt der 75-Jährige. Der Dresdner war noch am Tag vor der Schließung im Februar da. Seitdem hat der frühere Maschinenbauer auf dem Computer die "neue Sempergalerie" virtuell nachgestaltet. "Jetzt bin ich hier, um die Lücken noch zu füllen." (dpa)

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