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Fast elf Millionen sehen "Tatort" aus Dresden

Das Sonntagskrimi aus Dresden lieferte diesmal solide Hausmannskost. Dafür ging es um ein brisantes Thema – nur etwas zu plakativ.

Toter Sanitäter: Greta Blaschke (Luise Aschenbrenner) versucht ihren Kollegen Tarek Wasir (Zejhun Demirov) zu retten. Unfassbar, dass es überhaupt Übergriffe auf Rettungskräfte gibt.
Toter Sanitäter: Greta Blaschke (Luise Aschenbrenner) versucht ihren Kollegen Tarek Wasir (Zejhun Demirov) zu retten. Unfassbar, dass es überhaupt Übergriffe auf Rettungskräfte gibt. © MDR/Daniela Incoronato

Ausdrücklich hatten wir den Dresden-Tatort die letzen Male gelobt für seine außergewöhnlichen Drehorte, seine spezielle Atmosphäre und und seine besonders originellen Storys. Und nun liefern sie uns einfach mal Hausmannkost. Aber manchmal schmeckt ja auch der klassische Eintopf richtig gut. Und satt wird man allemal.

So war es mit dieser Folge namens „Rettung so nah“. Ein grundsolider Sonntagskrimi nach bekanntem Erzählmuster, gut gespielt, durchaus spannend und unterhaltsam, soweit das bei diesem heiklen Thema möglich war. Sehenswert vor allem Luise Aschenbrenner aus dem Dresdner Schauspielhausensemble als junge Sanitäterin. Regelmäßigen Tatortguckern wird aber ziemlich schnell klar gewesen sein, dass nicht die wechselnden Verdächtigen die Schuldigen waren, sondern jene unauffällige gebrochene Mutter des bei einem Rettungseinsatz gestorbenen Mädchens.

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Geschmeckt hat das Ganze offenbar auch den Zuschauern: fast elf Millionen sahen am Sonntagabend zu. Klarer Quotensieg mit einem Marktanteil von fast 30 Prozent.

Ein Thementatort war das: Weniger die Kriminalgeschichte stand im Mittelpunkt als das brisante Thema. Eines, das es wert ist, beleuchtet zu werden. Unfassbar, dass es überhaupt Übergriffe auf Rettungskräfte gibt. Und in wachsender Zahl, wie die Statistik auch in Sachsen zeigt. Warum das so ist, und was dagegen zu tun wäre, damit hätte sich dieser Film durchaus intensiver und differenzierter auseinandersetzen können.

Geht Dresden-Krimi auch ohne Canaletto-Blick?

Der fordernde, oft überfordernde Alltag von Rettungskräften schien realistisch dargestellt zu sein. Doch über weite Strecken blieb es bei drastischen Klagen über die Situation. „Wir stehen an vorderster Front“, sagen die Sanitäter. Sie fühlen sich als „Blitzableiter für jeden Trottel“, als „Freiwild“, als Opfer, die nicht geschützt werden. Das waren dann doch etwas zu viele plakative Parolen. Solchen Alltagskrimis tut es manchmal nicht besonders gut, wenn sie zu ambitioniert daherkommen.

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Auch ist es oft kein gutes Zeichen, wenn es zu viele Schnittbilder mit örtlicher Postkartenidylle gibt. Im jüngsten Stubbe- Krimi wurde das beinahe exzessiv betrieben, aber auch dieser Tatort wäre mit weniger Fahrten über Elbbrücken ausgekommen. Überhaupt: die Marienbrücke! Wurden dort nicht schon von Kommissar Ehrlicher in den 90ern Mordopfer gefunden? Auch bei Stubbe vor einer Woche spielte sie eine Rolle. Und jetzt schon wieder ein Toter unter den schönen Rundbögen. So sei für die nächsten Dutzend Krimis gefordert: Schluss mit dem Canaletto-Blick.

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