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In Löbau ist wieder Astrazeneca im Einsatz

Bislang sind 21.000 Menschen im Kreis geimpft worden. Doch es soll nur die Hälfte der über 80-Jährigen darunter sein.

Nur Impfen hilft, aber es gibt zu wenig Impfstoff.
Nur Impfen hilft, aber es gibt zu wenig Impfstoff. © Ronny Hartmann/dpa

Seit Montag können Menschen über 80, die zu Hause wohnen, nicht nur bei der sächsischen, sondern auch bei einer Görlitzer Impfhotline anrufen. Die hat die Stadt Görlitz eingerichtet, um ältere Menschen bei der Terminvereinbarung zu unterstützen.

Die Hotline werde sehr gut genutzt, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Mit Stand vom Mittwoch haben 95 Menschen aus Görlitz und dem Umland die telefonische Beratung genutzt, einem Drittel konnte ein Impftermin vermittelt werden. Eine Schwierigkeit derzeit: die Zahl der Impfdosen.

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Nach wie vor gibt es in Sachsen Lieferengpässe bei Biontech. Das betrifft auch das Impfzentrum Löbau. Für Biontech gibt es aktuell nur Termine für Zweitimpfungen, erklärt Mike Schnitter vom DRK Löbau. Nun haben aber wieder die Impfungen mit Astrazeneca begonnen.

Nachdem die Impfungen mit Astrazeneca voriges Wochenende ausgesetzt wurden, fielen auch im Impfzentrum Löbau mehrere hundert Impftermine aus, sachsenweit waren es rund 19.000. Den Betroffenen werden jetzt neue Termine vorgeschlagen, erklärt Mike Schnitter. Man muss sich nicht selbst darum kümmern, "sondern die betroffenen Patienten werden zentral angeschrieben." Wo es sich machen lässt, werden außerdem Impftermine für den heutigen Freitag und das Wochenende, die auf der Kippe standen, aufgenommen und durchgeführt. Das teilt so auch das Dresdner DRK mit:" Alle Betroffenen, die einen schriftlich abgesagten Termin zwischen dem 20.-22.3. haben, können diesen Termin wahrnehmen und zur ursprünglich verabredeten Zeit in das Impfzentrum kommen."

Voriges Wochenende wurde vorläufig die Impfung mit Astrazeneca ausgesetzt, um den Impfstoff auf eine seltene Nebenwirkung zu untersuchen. Bei 13 Menschen in Deutschland ist nach einer Impfung eine Hirnvenenthrombose festgestellt worden. Nach Untersuchungen teilte die EMA am Donnerstagabend mit, sie halte den Impfstoff für sicher und wirksam. Die Vorteile einer Impfung mit Astrazeneca seien weit größer als die Nachteile. Eine Häufung von Thrombosen allgemein nach einer Impfung mit Astrazeneca können ausgeschlossen werden. Wie etwa die Süddeutsche Zeitung berichtet, sei aber noch nicht abschließend geklärt, ob es einen Zusammenhang der Impfung mit den auch in Deutschland in sehr seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen gibt.

Bislang 21.000 Menschen geimpft im Kreis

Aktuell wurden im Kreis Görlitz insgesamt 20.831 Menschen geimpft, sagt Silke Seeliger, Geschäftsführerin des DRK Löbau. 9.344 haben auch die Zweitimpfung bereits erhalten. Auf das Impfzentrum in Löbau fallen dabei 14.607 Erst- und 5.541 Zweitimpfungen. Die mobilen Impfteams in den Heimen haben 6.224 Menschen die erste und 3.803 von ihnen die zweite Impfung verabreicht.

Sozialbeigeordnete Martina Weber erklärte jüngst vor Journalisten, dass rund die Hälfte aller 80-Jährigen im Landkreis Görlitz mindestens einmal geimpft worden sei. Angesichts der schleppenden Impfkampagne dürften damit die geplanten 18 lokalen Impfzentren auf große Nachfrage stoßen. Der Kreis will zusammen mit den Kommunen und dem DRK diese Impfzentren ab April für die über 80-Jährigen einrichten, impfen sollen in diesen Zentren die mobilen Impfteams, die gegenwärtig noch in Alten- und Behindertenheimen eingesetzt sind. Am Freitag wollen auf einem Impfgipfel Bund und Land auch darüber entscheiden, ab wann die Hausärzte in die Impfkampagne einsteigen. Mitte April ist im Gespräch.

Das erste Impzentrum sollte ab 21. März in Schleife öffnen. Wegen der fragilen Impfstoffversorgung ist das aber verschoben. Weitere geplante Termine waren der 9. und 10. April in Weißwasser, der 15. bis 17. April in Zittau und der 18. in Niesky. Hier soll, wie Franziska Arauner vom Nieskyer Rathaus mitteilt, am 9. Mai die Zweitimpfung stattfinden. Nach ihren Worten ist damit zu rechnen, dass vor allem der Wirkstoff von Biontech eingesetzt wird, da sich das Angebot des lokalen Impfzentrums an die über 80-Jährigen richtet. Nur wenn zum Ende der Anmeldephase noch nicht alle Plätze belegt seien, würde das Nieskyer Rathaus einen Aufruf an Jüngere starten. Für Görlitz ist das Impfzentrum vom 12. bis 14. April vorgesehen. Oberbürgermeister Ursu will es für die über 80-Jährigen einrichten, aber so lange auch vorhalten, wie die Gruppe dann durchgeimpft ist. Bei über 5.000 Einwohnern, die noch nicht geimpft sind, dürften drei Tage nicht reichen.

Unklarheit über die geimpften Gruppen

Statistisch werden beim DRK die einzelnen Gruppen innhalb der Prioritätengruppen - etwa, ob es sich bei den geimpften Personen in den Heimen um Bewohner oder Personal handelt - nicht ausgewertet. Daher ließ sich immer schwer sagen, wie viele der über 80-Jährigen oder auch wie viele der Pflegekräfte geimpft sind. Silke Seeliger vermutet, dass inzwischen der größere Teil der über 80-Jährigen im Kreis geimpft sein müsste, "das ist aber ein Bauchgefühl." Bei den Anfragen nach Impfterminen sei zuletzt etwa merklich gewesen, dass für Jüngere, die in Sachsen dazukamen, Kapazitäten frei waren.

Silke Seeliger hatte gehofft, dass die EMA wieder grünes Licht geben würde, zumindest in weiten Teilen der Bevölkerung Astrazeneca wieder verwenden zu dürfen. "Wir hatten wirklich Anrufe von Leuten, die fragten: Können wir nicht doch einen Impftermin haben, wenn Astrazeneca jetzt keiner will? Das geht natürlich nicht." Das DRK hatte aber die Hoffnung, am Freitag wieder Astrazeneca einsetzen zu können. "Wir möchten gerne vorankommen", sagt Mike Schnitter. Das Hin und Her, nicht zuletztbei den Terminen, zehre nicht nur beim Personal an den Nerven, sondern versunsichere auch die Patienten.

Unzufriedenheit mit der EMA-Begründung

Roger Hillert, Epidemiologe vom Medizinischen Labor Ostachsen in Görlitz, ist dagegen enttäuscht. Auch er ist "unbedingt dafür, Astrazeneca weiter zu nutzen, aber vielleicht nicht mehr für alle“. Auffällig an den Betroffenen: Es handelt sich bei fast allen um jüngere Frauen unter 50. Hillert hatte vermutet und auch gehofft, dass es für den weiteren Umgang mit Astrazeneca klarere Ansagen gibt, zum Beispiel eine Nicht-Empfehlung für Frauen unter 50, die bereits ein erhöhtes Thromboserisiko, etwa durch Einnahme der Pille, haben.

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Forscher der Uni Greifswald könnten die Ursache für die Hirnvenenthrombosen gefunden haben: In seltenen Fällen, haben sie festgestellt, bilde sich nach der Impfung ein Abwehrstoff, der Blutplättchen aktiviert. Die EMA hat festgelegt, einen Warnhinweis im Beipackzettel aufzunehmen. „So hat die EMA jetzt im Grunde nichts Neues bekanntgegeben“, sagt Roger Hillert, „sondern die Verantwortung an die Impfärzte abgegeben. Allerdings sind weitere Aussagen nach eingehender Prüfung zu erwarten.“

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