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Görlitzer Krankenhaus chattet mit Königin Silvia

Das St. Carolus hat sich auf Patienten mit Demenz besonders eingestellt. Dafür gab es virtuell Dank aus dem schwedischen Königshaus.

Königin Silvia von Schweden zertifiziert das demenzsensible St.-Carolus-Krankenhaus in Görlitz und gratuliert per Videobotschaft.
Königin Silvia von Schweden zertifiziert das demenzsensible St.-Carolus-Krankenhaus in Görlitz und gratuliert per Videobotschaft. © Nikolai Schmidt

Sehr geehrte Majestät. Das sind mit die ersten Worte von Sven Heise, Geschäftsführer der Malteser Sachsen-Brandenburg, als er am Montag eine Online-Konferenz eröffnete. Die Kamera ist im Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz auf ein Rednerpult gerichtet. Für Grußworte schalten sich zwischendurch andere zu, zum Beispiel Ministerpräsident Michael Kretschmer. Oder auch - 900 Kilometer Luftline entfernt in Stockholm - Königin Silvia von Schweden. Ihre ersten Worte: "Das ist ein Tag, auf den ich mich schon lange gefreut habe." Auf virtuellem Wege übergab sie dem Malteser-Krankenhaus St. Carolus das Silviahemmet-Zertifikat. Für das erste Krankenhaus in Deutschland, das komplett - auf jeder Station - auf demenzkranke Patienten eingerichtet ist.

Silvia von Schweden braucht keinen Übersetzer. Beide, Schweden und Deutschland, zählen zu ihren Heimatländern, sagte sie. Silvia von Schweden wurde in Heidelberg geboren, verbrachte ihre Kindheit in São Paulo. Nachdem die Familie nach Deutschland zurückgekehrt war, machte sie ihr Abitur in Düsseldorf. Seit 25 Jahren engagiert sich Silvia von Schweden für Menschen mit Demenzerkrankung, sie gründete damals die Silviahemmet-Stiftung, über die medizinisches Personal ausgebildet wird - mit besonderem Blick auf den Umgang mit Menschen, die Demenz haben.

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"Was bleibt, ist Überforderung"

Ältere leiden tendenziell häufiger an Erkrankungen, die stationär behandelt werden müssen. Kommt dann noch eine Demenzerkrankung dazu, "ist die Situation oft noch schwieriger", so Silvia von Schweden. Was es konkret bedeutet, erklärte Ursula Sottong, Leiterin der Malteser-Fachstelle Demenz: Angenommen ein 85-jähriger Mann mit einer schweren Demenz muss wegen einer anderen Erkrankung mit dem Rettungswagen abgeholt werden: "Zu den Schmerzen kommt die ihm unbekannte Umgebung", erklärt Ursula Sottong. Ist das Kurzzeitgedächtnis betroffen, kann der Mann womöglich nicht mehr zuordnen, warum gerade was geschieht. Um ihn herum fremde Menschen. Die Behandlungsschritte, die man ohne neurologische Erkrankung vielleicht nachvollziehen kann, kann er sich nicht erklären. "Was bleibt, ist Überforderung."

Silvia von Schweden: Mutter hatte Demenz

Etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten in einem Klinikum haben Demenz, "in der Geriatrie über 50 Prozent", so Ursula Sotton. Und 50 Millionen Menschen weltweit sind an Demenz erkrankt, sagte Silvia von Schweden. "Wenn eine Person an Demenz leidet, ist die ganze Familie betroffen. Das habe ich selbst erlebt", erzählt sie. Ihre Mutter hatte Demenz. "Das Leben als Angehöriger eines Menschen mit Demenz ist eine schmerzhafte Erfahrung." Wissen könne etwas bewegen. "Ich spreche hier nicht nur die spezialisierte Demenzpflege an, sondern die gesamte Pflegekette."

Es gibt bereits Silviahemmet-zertifizierte Einrichtungen in Deutschland, aber bislang kein komplettes Krankenhaus. "Wir leben in einer besonderen Zeit", so Silvia von Schweden. "Die Corona-Pandemie bedeutet für viele Unternehmen eine Belastung", auch für das Gesundheitssystem. Trotz aller Herausforderungen hätten die Mitarbeiter am Görlitzer Malteser-Krankenhaus sich in dieser schwierigen Zeit weitergebildet. "Das zeugt von beeindruckendem Engagement."

Viele Umbauten im Krankenhaus

Die Unterstützung von Silvia von Schweden habe sehr motiviert, so Daniela Kleeberg. Zum einen ging es in den vergangenen sechs Monaten darum, das Krankenhaus nach den Bedürfnissen von Demenzpatienten einzurichten - klar, verständlich. So wurden beispielsweise die Ausschilderungen verändert, dass jeder sie verstehen kann. Jede Etage hat eine bestimmte Farbe, um die Orientierung zu erleichtern. Flurbeläge wurden getauscht, auch um das Krankenhaus wohnlicher zu machen. Besonders wichtige Dinge wie Lichtschalter oder der Toilettendeckel sind rot.

Zum anderen, der wichtigere Teil, ging es um die Weiterbildung aller Mitarbeiter, vom Küchenpersonal bis zum Arzt, zum Umgang mit demenzkranken Menschen. Grundlage sowohl bei der Umgestaltung wie der Weiterbildung: das Krankenhaus oder die Situation aus Sicht eines Menschen mit einer Demenz zu sehen. Ein besonders wichtiger Teil dabei: Das Krankenhaus hat sechs Klinikbegleiter eingestellt, die den Patienten beispielsweise zu Untersuchungen und im ganzen Klinikalltag begleiten. Dafür sind auch Tagesräume für Betreuungsangebote eingerichtet worden.

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie groß der Bedarf an solchen Kompetenzen ist, so Michael Kretschmer. Er wünsche sich das viele, perspektivisch alle Krankenhäuser in Sachsen über solche Kompetenz verfügen.

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