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So lief die Bergung der Turbine auf der Kreuzung ab

Nahe des Görlitzer Krankenhauses auf der B 99 ist ein Transporter mit einer Turbine liegen geblieben. Die Bergung ist geglückt. Jetzt ist auch die Kreuzung wieder offen.

Ein neuer Sattelschlepper ist da, die Turbine wird umgeladen.
Ein neuer Sattelschlepper ist da, die Turbine wird umgeladen. © SZ/Matthias Klaus
  • Seit Donnerstagabend blockiert ein Schwerlasttransport die Kreuzung Zeppelinstraße/Heilige-Grab-Straße in Görlitz.
  • Am späten Vormittag begann die Bergung der Turbine.
  • Um 12 Uhr war die Turbine umgeladen.
  • Jetzt musste noch geschaut werden, was mit der Straße ist. Ergebnis: Sie ist offen.

Zwölf Uhr mittags, die Haken sitzen. Ganz, ganz langsam schwebt die über 100 Tonnen schwere Turbine nach oben. Wie sie genau aussieht, man weiß es nicht. Sie ist eingehüllt in Folie. Eigentlich sollte sie längst gen Norden unterwegs sein. Aber über den Görlitzer Stadtrand hat sie es nicht geschafft. Sie wird gerade umgeladen. Ihr bisheriges Transportmittel hat den Geist aufgegeben.

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Keine Lösung in der Nacht

In der Nacht zum Freitag, etwa gegen Mitternacht, passiert der Schwertransport, kommend von Siemens, die Kreuzung Zeppelinstraße - Heilige-Grab-Straße. Hier, in der Senke, direkt am Klinikum, das Malheur: Offensichtlich kann eine der Achsen des Aufliegers das Gewicht nicht mehr tragen. Auflieger samt aufgeladener Turbine schleifen über die Straße - vorläufiges Ende der Reise.

Über Nacht hat sich keine Lösung gefunden. Das hat mit dem hohen Gewicht des Transports zu tun: Die Turbine wiegt über 100 Tonnen, das komplette Gefährt 175 Tonnen. Seit dem Morgen waren Vertreter von Stadt und Polizei vor Ort, um über die Umleitungsstrecke zu sprechen.

Sollte nach Indien, kam aber nicht weit: Über hundert Tonnen wiegt die geladene Turbine.
Sollte nach Indien, kam aber nicht weit: Über hundert Tonnen wiegt die geladene Turbine. © Paul Glaser / www.glaserfotograf

Die Zeppelinstraße gehört zur B 99, die von der B 6 in die Stadt hineinführt. Dieser Weg war über mehrere Stunden weiträumig für Autofahrer gesperrt. Auch die Busse konnten nicht fahren wie gewohnt, berichtet Andreas Kolley, Sprecher der Görlitzer Verkehrsbetriebe (GVB). Der Unfall auf der Zeppelinstraße betrifft die Linie B: Sie konnte nur bis zur Hilgerstraße fahren. Drei Haltestellen - Klinikum Ost, Klinikum und Virchowstraße - konnten bis zum Nachmittag nicht angefahren werden.

Transportfirma äußert sich nicht

Wie und warum es zu dem Vorfall kam, bleibt vorerst offen. Den Transport hatte die Firma Bohnet aus dem Baden-Württembergischen Kirchdorf übernommen, ein renommiertes Unternehmen in Sachen Schwerlasttransporte. Seit 55 Jahren gibt es sie, sie hat schon viele knifflige Fahrten gemeistert. Im Fall Görlitz gibt man sich allerdings wortkarg. Es gebe zu viele unwahre Geschichten, so Geschäftsführer Holger Kunz. "Wir sagen aktuell zu Görlitz nichts", sagt er auf Anfrage der SZ.

Es dauert lange, bis sich eine Lösung für die blockierte Kreuzung andeutet. Zwei große Kräne der Kranlogistik Sachsen müssen ran. Sie heben die Turbine an, offensichtlich kein leichtes Unterfangen für die beiden Kranexperten. Ganz kurz kommt die Turbine in leichte Schieflage. Dann hängt sie sicher. Der Pannen-Auflieger wird unter der Fracht hervorgezogen. Zentimeterweise schiebt sich dann der Ersatzauflieger, ebenfalls von der Firma Bohnet, unter die über der Kreuzung schwebenden reichlich 100 Tonnen Metall.

Die Turbine wird auf einen zweiten Tieflader umgeladen.
Die Turbine wird auf einen zweiten Tieflader umgeladen. © SZ/Matthias Klaus
Großräumig ist die Kreuzung abgesperrt.
Großräumig ist die Kreuzung abgesperrt. © SZ/Matthias Klaus

Die Turbine wird vorerst zurück ins Görlitzer Werk gebracht, dort kontrolliert. "Wir gehen davon aus, dass ihr nichts passiert ist", sagt Siemens-Energy-Sprecher Tim Proll-Gerwe. Ja, bestätigt er, die Turbine soll nach Indien per Schiff befördert werden. "Sie ist für ein Papierwerk vorgesehen", so Tim Proll-Gerwe. Nun soll ein erneuter Transport stattfinden, wieder in der Nacht, damit der übrige Verkehr nicht übermäßig behindert wird. Welchen Wert die Turbine hat, will Siemens nicht verraten. Nur so viel: Sie ist wohl eine der kleineren Ausgaben. Unklar war am Freitag auch noch, wann die neue Fahrt beginnen soll.

Klinikum: Arbeitsabläufe nicht gestört

Die blockierte Kreuzung, sie sorgt für heftige Verkehrsturbulenzen in der Stadt. Stark betroffen ist das Klinikum. Der Unfall passierte ja quasi vor der Haustür. Mitarbeiter hatten es zum Teil schwerer, an ihren Arbeitsplatz zu kommen, "aber Arbeitsabläufe waren generell nicht gestört", sagt Klinikum-Sprecherin Katja Pietsch. Krankenwagen konnten nur über die Girbigsdorfer Straße anfahren. "Aber dass es Probleme wegen eines Notfalls gegeben hat, ist nicht bekannt", so Katja Pietsch.

Am Freitagnachmittag steht der defekte Auflieger noch an der Straße. Wann die Kreuzung wieder freigegeben wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig offen. Denn zunächst müssen sich Gutachter die Straße ansehen, wie und ob sie beschädigt ist. Das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr war am Freitagnachmittag nicht mehr für eine Information erreichbar. Die Buslinie B fuhr jedenfalls am Nachmittag wieder bis Endhaltestelle Virchowstraße, teilt die GVB mit.

Die Kreuzung wurde am Nachmittag in alle Richtugen wieder freigegeben, teilt eine Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz mit. Sie bestätigt, dass die Straße durch den Unfall Schaden genommen haben könnte, "aber sie ist befahrbar". Die Polizei ist froh, dass die Beräumung bis zum Nachmittag geklappt hat, denn am Morgen habe es bei der komplizierten Lage danach ausgesehen, dass es durchaus noch länger hätte dauern können.

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