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„Ich könnte rund um die Uhr impfen“

Hausärzte wie Sabine Kliem in Großenhain dürfen endlich die Corona-Schutzimpfung vornehmen. Das Problem: Die Nachfrage übersteigt die Impfstoffmenge.

Seit gut drei Wochen dürfen auch Hausärzte die Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen. Allerdings: Nicht nur in Großenhainer Praxen ist der Impfstoff zurzeit nur begrenzt vorhanden.
Seit gut drei Wochen dürfen auch Hausärzte die Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen. Allerdings: Nicht nur in Großenhainer Praxen ist der Impfstoff zurzeit nur begrenzt vorhanden. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Großenhain. In dieser Woche hat sie ihren moralischen Tiefpunkt schon hinter sich. Die für ihren unerschütterlichen Optimismus und gleichbleibende Herzlichkeit bekannte Großenhainer Ärztin musste einsehen, dass guter Wille und objektive Möglichkeiten gerade in Zeiten wie diesen gleich gar nicht zusammen passen wollen. „Wir haben leider nur die Hälfte der eigentlich bestellten Menge an Impfdosen bekommen. Das ist natürlich einerseits für unsere Patienten sehr bedauerlich und andererseits wirft es uns selbst in der Umsetzung weiter zurück“, bekennt Sabine Kliem.

Die 63-jährige Allgemeinmedizinerin macht keinen Hehl daraus, dass ihr das gegenwärtige Impftempo viel zu langsam ist. Und auch nicht, dass sie eindeutig für den Schutz gegen die Covid-19-Erkrankung plädiere. Zu viele ihrer Patienten wären in den vergangenen Monaten daran erkrankt gewesen. Nicht alle hätten dabei das Glück gehabt, leichte Verläufe zu haben - ganz im Gegenteil.

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Unabhängig von den nur allzu gern herauf beschworenen sogenannten Vorerkrankungen, der körperlichen Konstitution und dem Alter wäre es bei nicht wenigen Frauen und Männern letztlich um Leben und Tod gegangen. "Leider hat nicht immer das Leben gesiegt. Ich habe einige Patienten an Corona verloren und das wäre nicht so gewesen, wenn die Betroffenen schon die Impfung gehabt hätten", ist sich Sabine Kliem sicher.

Die Verläufe der Erkrankungen folgten keinerlei Algorithmus. Niemand könne sich vorher sicher sein, wie leicht oder schwer es ihn am Ende treffen werde. Allein in dieser Woche habe sie wieder mehrere Coronafälle diagnostiziert. Dass es sich nunmehr um die britische und damit gefährlichere Variante handle, mache es nicht einfacher. Inzwischen daran gewöhnt, zuweilen in Ganzkörper-Schutzmontur zu arbeiten, versuchten die Arzthelferinnen und sie selbst, aber das Wort Angst vor dem Virus weitestgehend aus dem Tagesablauf auszuklammern.

Sprechstunde ist weit entfernt von normalen Schnupfen

Einer, der mittlerweile aber trotz aller Bemühungen maßgeblich durch die Pandemie bestimmt werde. Wer zu Sabine Kliem käme, habe nach eigenem Bekunden entweder Rücken, psychische Probleme oder eben Corona. Neben der normalen Sprechstunde, welche längst weit entfernt von Schnupfen und Brechdurchfall sei, könne nun seit zwei Wochen geimpft werden. Allerdings: Eben nicht in jener Menge, mit der es die Ärztin eigentlich gern tun würde, um ihre Warteliste abzupiksen.

Die Namen von über einhundert Patienten stünden noch darauf. Alle über 70 Jahre alt und gesundheitlich teilweise erheblich eingeschränkt. Gestartet sei man mit 18 Impfdosen, in der kommenden Woche hofft Sabine Kliem nun darauf, 42 Dosen Biontech zu bekommen, die sie am Dienstag in der Apotheke bestellt hat. Ob es wirklich so werde, erfahre sie immer erst am Donnerstag oder spätestens Freitag und benachrichtige dann ihre Impfwilligen.

Immer im Einsatz, immer auf dem Sprung zum Patienten: Allgemeinmedizinerin Sabine Kliem ist dafür bekannt, ihre Arbeit mit Herzblut zu tun. Die momentane Phase sei jedoch keineswegs einfach.
Immer im Einsatz, immer auf dem Sprung zum Patienten: Allgemeinmedizinerin Sabine Kliem ist dafür bekannt, ihre Arbeit mit Herzblut zu tun. Die momentane Phase sei jedoch keineswegs einfach. © Archivfoto: Brühl

Patienten, die logischerweise keine Ahnung davon haben, wie groß der Aufwand für den winzigen Einstich eigentlich ist, den sie nach einem kurzen Aufklärungsgespräch erhalten. Abgesehen davon, dass die jeweiligen Dosen zunächst einzeln aufgezogen und präpariert werden würden. Im strikt festgelegten Zeitfenster von sechs Stunden müsse dann alles verimpft sein, was ohnehin nur fünf Tage im Kühlschrank gelagert werden dürfe. Eingebettet in eine Sprechstunde, zu der auch die üblichen Vorsorgeuntersuchungen und selbstverständlich die Behandlung von akuten Erkrankungen zählten.

„Das ist wirklich eine logistische Meisterleistung meiner Schwestern, alles nebeneinander zu bewältigen. Wir haben es im Moment noch so organisiert, dass Donnerstag von 14 bis 18 Uhr geimpft wird. Sollten wir jetzt wie angekündigt mehr Dosen zur Verfügung gestellt bekommen, dann werden wir einen ganzen Tag in der Woche ausschließlich impfen“, vermutet Sabine Kliem.

Sorge, auf dem vergleichsweise schnell verderblichen Impfstoff sitzenzubleiben, habe die Großenhainerin nach eigenem Bekunden ganz und gar nicht. Seitdem Anfang der Woche bekannt gegeben worden sei, dass im Freistaat Angehörige der Priorisierungsgruppe 3 Termine vereinbaren könnten und die Impfung mit Astrazeneca auch für Menschen unter 60 Jahren möglich wäre, stünde das Telefon gar nicht mehr still. Die Nachfrage sei gleichbleibend groß, doch zumindest in einer Hausarztpraxis wie der ihren werde es wohl noch ein wenig dauern.

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„Ich könnte rund um die Uhr impfen, aber dafür fehlt es an den Substanzen. Jüngeren Patienten empfehle ich deshalb, sich vorsorglich in einem der Impfzentren anzumelden“, verrät Sabine Kliem. Ihre Moral habe sich schon wieder Richtung Zuversicht eingepegelt. Unverbindliche Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums verheißen schließlich, dass Arztpraxen in der letzten Aprilwoche und im weiteren Quartal mehr als doppelt so viele Impfdosen Biontech zur Verfügung gestellt bekämen. Zumindest theoretisch.

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