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"Ich kann mir in Großenhain jede Kooperation vorstellen"

Frank Johne ist mit 80 Jahren der älteste Stadtrat. Er kandidiert erneut für die AfD. Warum sieht er in dieser Partei seine Werte und Ziele am besten vertreten?

Von Kathrin Krüger
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AfD-Stadtrat Frank Johne auf einer Bank in seinem Rittergut in Zschauitz bei Großenhain. Hier gibt es vier Wohnungen. Johne will am 9. Juni als ältester Stadtrat wiedergewählt werden.
AfD-Stadtrat Frank Johne auf einer Bank in seinem Rittergut in Zschauitz bei Großenhain. Hier gibt es vier Wohnungen. Johne will am 9. Juni als ältester Stadtrat wiedergewählt werden. © Daniel Schäfer

Großenhain. Das Zschauitzer Rittergut liegt gepflegt und gediegen in der Sonne. Überall Grünpflanzen, der Hof hat mittlerweile vier bewohnte Einheiten, in denen man sehr ruhig lebt. Frank Johne sitzt auf einer Gartenbank und schaut zufrieden drein. Der gebürtige Meißner, der seine Kindheit bis 1953 in Zschauitz verbrachte und dann zu den Eltern nach Westfalen wechselte, hat das Erbe seiner Vorväter nach der Wende wieder übernommen.

Johne ist Maschinenbauingenieur, Betriebswirt, Landwirt, Erfinder - und Großenhainer Stadtrat der AfD. Als Wiedereinrichter gründete er mit Frank Lorenz, der aus Baßlitz kommt, ein Landwirtschaftsunternehmen mit 160 Jungrindern sowie 280 Milchkühen in Volkersdorf und insgesamt 650 Hektar Land, davon 88 Hektar in Zschauitz. Als einer der größten Wiedereinrichter nach 1990 in Sachsen.

Warum kandidiert er für die AfD?

Frank Johne ist als 80-Jähriger der älteste Großenhainer Stadtrat. 2018 sei er in die AfD eingetreten, weil die Partei ihm damals unter den früheren Vorsitzenden Frauke Petry oder Bernd Lucke als "Partei der Vordenker, der Eliten" erschienen ist, sagt der Rentner. Sie repräsentiert für ihn bis heute die politische Kraft mit dem "realistischen Blick".

Früher wählte Frank Johne CDU, war sogar im Wirtschaftsrat der Christdemokraten. Von Bundeskanzler Konrad Adenauer bekam er als kleiner Junge sogar einen Handschlag, blickt Johne stolz zurück. Heute sind ihm die CDUler vor allem auf Bundesebene zu ideologisch. "Mir liegt die Leistungsfähigkeit unseres Volkes am Herzen", bekennt der gestandene Unternehmenssanierer. Er rettete in Westdeutschland mehrere Firmen, die nach seiner Auskunft alle bis heute überleben.

Als Stadtrat mit BRD-Wurzeln kandidiert er erneut für die AfD bei der Kommunalwahl am 9. Juni. Auch, weil er für Kooperation mit Russland ist. Und für raschen Frieden. "Meine Sicht ist: Man darf sich nicht nur auf den Staat verlassen", sagt Frank Johne außerdem. Die Deutschen müssten aus eigener Kraft etwas schaffen. Auch eine Stadt müsse unternehmerisch denken. Dabei sei seine Haltung nicht immer mit der Gesamtpartei identisch.

Was sind die Kernaussagen des Wahlprogramms?

Johne sieht die wirtschaftliche Entwicklung in Großenhain positiv. "Mittelstand stärken - keine Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes", so eine Kernforderung der AfD in der Stadt. Eine gute Wirtschaftsförderung, wie sie in Großenhain bereits betrieben werde, nutze auch das Einstellen auf die Klimaveränderungen, die Prävention, sagt Johne. Mit Solarenergie lasse sich gutes Geld verdienen. Bei Windkraftanlagen spricht sich die AfD für ein klares Nein in gesamten Verwaltungsgebiet aus.

Neue Arbeitsplätze müssten aber geschaffen werden, damit Menschen in der Stadt gern leben. Gerade dafür kann sich der Zschauitzer im Stadtrat jede Kooperation mit anderen Fraktionen vorstellen. Frank Johne setzt sich im Landwirtschaftsausschuss der AfD Sachsen auch für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt ein. Und für eine langfristige, solide Agrarpolitik, zu der die Großenhainer Pflege als Landwirtschaftsgebiet einen großen Bezug hat.

Er selbst möchte sich, wenn er wiedergewählt wird, für mehr direkte Demokratie und Mitbestimmung der Einwohner durch Bürgerentscheide einsetzen. Zum Thema Bildung könnte er sich das vorstellen. Da sieht er viele inhaltliche Verbesserungsmöglichkeiten. Frank Johne will nicht nur die Infrastruktur an Schulen erhalten und verbessern. Sondern auch der Jugend besser beibringen, "wie man siegt oder Niederlagen aushält", sagt der 80-Jährige mit Blick auf seine eigene Lebenserfahrung.

Auch wenn die öffentlichen Angriffe auf die AfD zunehmen, bleibe er ihr treu, so Frank Johne, "damit wir uns gegen vorgefasste Meinungen durchsetzen." Die Nominierung von Barbara Benkstein (Lenk) für den Bundestag sei aber ein Fehler gewesen - "sie könne es nicht". Johne ist auch dagegen, jeden "Meckerer ohne Macherqualitäten" in die AfD aufzunehmen. Er setzt sich in der Gruppe Christen in der AfD für Gerechtigkeit und traditionelle Werte ein.

  • Weitere Kandidaten der Alternative für Deutschland für die Stadtratswahl am 9. Juni: Mario Beger, Brigga Pöschl, Tibor Berta, Jens Haupt, Karlheinz Thielsch, Hendrik Steen, Gerhard Kürbis, Andreas Wabner, Steffen Noack, Dierk Damen.