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Mafa-Park mit Heidenaus erstem Hochhaus

Stararchitekt Peter Kulka sieht in der Brache Heidenaus neues Zentrum.

Blick vom jetzigen Haupteingang: Der künftige Fabrikplatz mit der zum Kultur- und Sportobjekt umgebauten Werkhalle, an deren Ende Heidenaus erstes Hochhaus stehen soll.
Blick vom jetzigen Haupteingang: Der künftige Fabrikplatz mit der zum Kultur- und Sportobjekt umgebauten Werkhalle, an deren Ende Heidenaus erstes Hochhaus stehen soll. © Architekt Peter Kulka

Er ist ein halbes Jahrhundert in seinem Beruf. Der Vater plante das Hygiene-Museum in Dresden mit. Seine Handschrift tragen diverse Kulturstätten, Landtage und Wohngebiete in Städten wie Hamburg, Leipzig, Berlin, Potsdam und Dresden. Und nun hat Peter Kulka den Mafa-Park Heidenau entwickelt. Hier auf der Industriebrache soll Heidenaus neue Mitte für etwa 1.700 Menschen entstehen. Das ist der Plan von Thomas Stern, Vorstand der MEIAG Sächsische Immobilien AG. Er und die Dresden Haus GmbH & Co. KG bilden die Projektgesellschaft BEST MARK Projektgesellschaft mbH & Co. KG, die das Vorhaben Mafa umsetzen will. Nun mit Peter Kulka.

Haben Freude am Entwickeln des Mafa-Areals, auch wenn es weder ihr erstes noch ihr größtes Projekt ist - aber eben gerade deshalb ein Besonderes: Peter Kulka und Katrin Leers-Kulka.
Haben Freude am Entwickeln des Mafa-Areals, auch wenn es weder ihr erstes noch ihr größtes Projekt ist - aber eben gerade deshalb ein Besonderes: Peter Kulka und Katrin Leers-Kulka. © Daniel Schäfer

Kulka hat hier vorgefunden, was die Heidenauer lange geärgert hat und für einen Architekten ein Glück ist: Geschichte. In der Noch-Brache sieht Kulka schon die "mit der Vergangenheit lebende Zukunft". Die alten Gebäude sind die Chance der Mafa. Als Kulka im vergangenen Frühsommer das erste Mal in Heidenau war, fühlte er sich verzaubert und empfand das sympathisch, wofür Heidenau nur Worte wie grässlich, dreckig, schlimm hatte. "Verfallene Orte, Ruinen erzählen was vom Leben, von den Menschen, die dort gelebt und in diesem Fall gearbeitet haben."

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Das Modell von Heidenaus neuer Mitte auf dem einstigen Mafa-Areal. Die dunklen Gebäude sind die, die schon stehen und einbezogen werden.
Das Modell von Heidenaus neuer Mitte auf dem einstigen Mafa-Areal. Die dunklen Gebäude sind die, die schon stehen und einbezogen werden. © Architekt Peter Kulka

Sein Entwurf ist ein Risiko, sagt Kulka. Doch es wäre kein Kulka-Entwurf, wenn er nicht das Risiko beinhalten würde. Das Risiko, wie die Heidenauer darauf reagieren ebenso wie das Risiko, was draus wird und dazwischen ganz viele Risiken, die so ein Vorhaben mit sich bringt. Doch die Chancen überwiegen, sagen die Macher. Manche Ideen sind in Gesprächen mit den Menschen vor Ort entstanden. Zum Beispiel die der Gewächshäuser auf den Dächern. Die hat der Mafa-Park dem Hausmeister zu verdanken, der beim Rundgang auf dem Gelände leidenschaftlich vom gemeinnützigen Tomatenanbau erzählte. Begehbare Dächer und Aussichtsplattformen sind dazu gekommen.

Häuser zur Heinestraße könnten die ersten sein

Zentraler Punkt ist die ehemalige große Werkhalle mit dem Schornstein. Er und die Fassade verschmelzen mit modernen Elementen wie dem neuen Dach und Heidenaus erstem Hochhaus im hinteren Teil zu einer kühnen Philosophie, wie Kulka sie selbst bezeichnet. Eine Philosophie, die Kultur, Öffentlichkeit und Sport Raum geben soll. Auch eine angedachte Schule rechts vom jetzigen Haupteingang soll anders gedacht werden. Nicht nur vom Aussehen, sondern auch inhaltlich. Zum Sport gehen die Kinder in die große Halle, zum Essen in das schon früher als Speiseraum genutzte Gebäude.

Rund um den rechten Baum wird der zentrale Fabrikplatz entstehen. Der Schornstein gehört zur Werkhalle, die erhalten und ergänzt wird. An ihrem Ende soll das Hochhaus stehen. Das linke Gebäude wird ebenfalls in die Neugestaltung einbezogen.
Rund um den rechten Baum wird der zentrale Fabrikplatz entstehen. Der Schornstein gehört zur Werkhalle, die erhalten und ergänzt wird. An ihrem Ende soll das Hochhaus stehen. Das linke Gebäude wird ebenfalls in die Neugestaltung einbezogen. © Daniel Schäfer

Heidenaus erstes Hochhaus hat im Entwurf 15 Etagen. Es können auch 13 oder 17 werden. Es ist zwar das höchste, aber es steht nicht als steiler Zahn allein, sondern wird von vier weiteren, niedrigeren, aber trotzdem noch relativ hohen Gebäuden flankiert, sie bilden ein Ensemble. Zwischen den einzelnen Quartieren gibt es Durchgänge und Verbindungen.

Der Mafa-Park besteht aus acht Quartieren, das heißt Bereichen, die miteinander verbunden sind, aber nicht alle auf einmal gebaut werden sollen. Das neue Quartier an der Heine-Straße zum Beispiel könnte als eines der ersten bebaut werden. Hier werden kleinere Wohnhäuser ähnlich wie die existierenden entstehen. Kulka und die Investoren haben sich für Heidenau entschieden, weil es in ihren Augen hier Leute gibt, die das Vorhaben wollen und an einem Strang ziehen.

Keine Stadt in der Stadt im Mafa-Park

Fitness und Kultur, Supermarkt und Betreutes Wohnen, Arbeit und Freizeit: Im Plan und Modell ist an alles gedacht. Kulka will, dass aus dem Plan ein lebendiges Heidenauer Stadtzentrum wird. Wie die Nutzungen am Ende konkret sein werden, entscheiden auch Nachfrage und Angebot, Interessen und natürlich die Kosten. Vor allem aber die Menschen. Die, die hier wohnen und arbeiten werden, die hier Kultur nutzen, Sport treiben, einkaufen, spazieren gehen. Heidenaus neues Zentrum soll keine abgeschlossene Stadt in der Stadt sein.

Das Hochhaus mit den umliegenden Gebäuden und Wegen aus Richtung Mühlenstraße.
Das Hochhaus mit den umliegenden Gebäuden und Wegen aus Richtung Mühlenstraße. © Architekt Peter Kulka

Wenn Kulka mit seinen Händen und Worten über das Modell spaziert, erwecken die kleinen weißen Formen schon zum Leben. Er spricht von Innen- und Außenbeziehungen, vom Fabrikplatz am Eingang und dem Neuen Platz auf der anderen Seite des Mafa-Parks, von Rad- und Fußwegen auf den alten Bahnschienen. Die im Gelände werden als gestalterisches Element genutzt.

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Kulka und sein Team haben am Ende selbst gestaunt, dass sie einstimmig das von den Investoren durchgeführte Werkstattverfahren für die Mafa-Gestaltung gewonnen haben. Kulka spielt schon ganz lange ganz oben bei den deutschen Architekten mit. Nun hat auch Heidenau die Chance, aufzusteigen. Und das nicht nur wegen des Hochhauses.​

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