merken
PLUS Kamenz

Großröhrsdorf zeigt Dampfmaschinen im Kleinformat

Im Technischen Museum der Bandweberei sind jetzt gut 40 Modelle zu sehen. Wie ein ehemaliger Großröhrsdorfer dazu kam, die alte Technik nachzubauen.

Da staunen sie: Jonathan Franke durfte sich mit seinem Opa, der Mitglied im Verein ist, schon einmal die neue Sonderausstellung im Technischen Museum in Großröhrsdorf anschauen.
Da staunen sie: Jonathan Franke durfte sich mit seinem Opa, der Mitglied im Verein ist, schon einmal die neue Sonderausstellung im Technischen Museum in Großröhrsdorf anschauen. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Die Augen der Fans alter Technik werden strahlen: Denn in der neuen Sonderausstellung im Technischen Museum der Bandweberei in Großröhrsdorf stehen Dampfmaschinen, Heißluftmaschinen und Verbrennungsmaschinen. Nicht in Originalgröße, sondern als Modell.

Der ehemalige Großröhrsdorfer Joachim Schurig hat es sich zur Passion gemacht, solche Maschinen nachzubauen: im Kleinformat, aber originalgetreu. Das Besondere: Sie laufen auch alle. Man kann sehen, wie sich die Kolben bewegen, die wiederum andere Bauteile antreiben. Alles stimmt bis aufs kleinste Detail – wie bei den großen Maschinen.

Anzeige
Die besten Arbeiten aus 2021
Die besten Arbeiten aus 2021

Maler, Tischler und Raumausstatter zeigen in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks ihr ganzes Können: kreativ, innovativ und meisterhaft.

Joachim Schurig arbeitete früher im Bereich der Nähmaschineninstandsetzung im Kombinat Bandtex in Großröhrsdorf. Später zog er nach Niedersachsen. „Da er beruflich mit Nähmaschinen zu tun hatte, beschäftigte er sich intensiver mit dem Thema. So fing er an, historische Nähmaschinen zu sammeln und zu recherchieren, wie sie früher angetrieben wurden“, erzählt Bernd Hartmann, Vorsitzender des Vereins Industrie- und Bandmuseum in Großröhrsdorf. Schurig baute also einen dieser Heißluftmotoren nach und konnte damit eine Nähmaschine zum Laufen bringen. Der Beginn eines Hobbys, das den Bastler bis heute beschäftigt.

Bernd Hartmann ist Vorsitzender des Vereins des Industrie- und Bandmuseums in Großröhrsdorf.
Bernd Hartmann ist Vorsitzender des Vereins des Industrie- und Bandmuseums in Großröhrsdorf. © Matthias Schumann

Joachim Schurig begann, unterschiedliche Maschinen als Modell nachzubauen. Ein Teil davon ist ab Sonntag in der Sonderausstellung zu sehen. Insgesamt sind es 42 Modelle, die als Leihgabe dem Technischen Museum zur Verfügung gestellt werden. Glanzstück ist eine Vier-Säulen-Dampfmaschine „Elegance“ mit einer funktionsfähigen Modell-Maschinenhalle, in der eine Dampfmaschine zehn Bearbeitungsmaschinen antreibt.

Eine funktionierende Riesenmaschine steht nebenan in der Dauerausstellung des Museums. „Diese von der Unesco als Industriedenkmal eingestufte Einzylinder-Dampfmaschine wurde in Pulsnitz von der Firma Mattick gebaut und war zwischen 1896 und 1970 in Großröhrsdorf bei der Bandweberei A. C. Boden im Einsatz“, erklärt Bernd Hartmann.

Es sind aber auch Modelle dabei, die auf Schiffen, in Trinkwasserwerken oder bei Lokomotiven eingesetzt wurden. Es gibt Modelle vom ersten Vier-Takt-Ottomotor oder einem Dürrkopp-Gasmotor. Die Modelle wurden Maschinen nachgebaut, die in Deutschland, England, Holland, Frankreich, aber auch in Amerika im Einsatz waren.

Gunter Tille (l.) vom Verein erklärt Großröhrsdorfs Bürgermeister Stefan Schneider eines der Modelle.
Gunter Tille (l.) vom Verein erklärt Großröhrsdorfs Bürgermeister Stefan Schneider eines der Modelle. © Matthias Schumann

Einer, der sich mit den Modellen und der Funktionsweise bestens auskennt, ist Gunter Tille. Auch er arbeitet im Großröhrsdorfer Verein mit und wird die kleinen Maschinen in der Ausstellung vorführen. Er ist begeistert von der Präzision, mit der Joachim Schurig die Modelle gebaut hat. „Da sitzt jede Schraube, jedes Rad passt zum Original, jeder Kolben arbeitet perfekt“, sagt er. „Er ist schon ein Künstler.“

Weiterführende Artikel

Großröhrsdorf: Verein rettet historischen Webstuhl

Großröhrsdorf: Verein rettet historischen Webstuhl

Die 100 Jahre alte Technik funktioniert wieder. So können Museumsbesucher live erleben, was es mit Kettfäden und Webschützen auf sich hat.

Zur Eröffnung der Sonderschau am Sonnabend kommt Joachim Schurig aus Niedersachsen nach Großröhrsdorf, um sich selbst ein Bild zu machen, wie seine Modelle in der Heimatstadt präsentiert werden. Für die Öffentlichkeit sind sie dann am Sonntag das erste Mal zu sehen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Schurigs Arbeiten in Großröhrsdorf gezeigt werden. Bereits im Jahr 2005 gab es eine Ausstellung.

Die Sonderausstellung mit Kraftmaschinen im Modell ist ab Sonntag zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen: Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

Mehr zum Thema Kamenz