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Hier erinnert Königsbrück an seine besondere Geschichte

Die Stadt war seit dem 19. Jahrhundert ein Militärstandort. Ein Verein sorgt dafür, dass das nicht vergessen wird, - und verwirklich jetzt einen lange gehegten Wunsch.

Die Räume sind fast fertig, die Ausstellung muss noch gestaltet werden. Rainer Böhme (l.) und Ute Steckel vom Geschichtsverein Truppenübungsplatz Königsbrück freuen sich, dass sie Räume für ein Museum gefunden haben.
Die Räume sind fast fertig, die Ausstellung muss noch gestaltet werden. Rainer Böhme (l.) und Ute Steckel vom Geschichtsverein Truppenübungsplatz Königsbrück freuen sich, dass sie Räume für ein Museum gefunden haben. © Matthias Schumann

Königsbrück. Königsbrücker, die nach 1990 geboren wurden, kennen es nur vom Hörensagen: Die Stadt hat eine lange militärische Tradition. Sie reicht bis ins zu Ende gehende 19. Jahrhundert zurück. Das Militär in und um Königsbrück hat das Leben in der Stadt geprägt – im positiven wie im negativen Sinne. Damit diese Informationen nicht verlorengehen, soll jetzt ein Museum entstehen, das die militärhistorische Geschichte zeigt.

Initiator ist der Geschichtsverein Truppenübungsplatz Königsbrück. „Schon seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit der Idee für ein Museum“, erklärt Vereinsvorsitzende Ute Steckel. Schon in der Satzung zur Vereinsgründung im Jahr 1994 steht als Zweck folgender Punkt: „Aufbau eines Museums über die militärisch genutzten Objekte in Königsbrück, einschließlich der neun verlassenen Dörfer“. Jetzt, 27 Jahre später, kann dieses Vorhaben endlich in die Tat umgesetzt werden.

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Die Vereinsmitglieder haben sich in all den Jahren immer darum bemüht, die Militärgeschichte von Königsbrück zu bewahren. Es gab Vorträge, Führungen, und es wurde fleißig Material gesammelt – aus Archiven, von Zeitzeugen, von Bekannten und Bürgern der Stadt. „Doch für ein richtiges Museum fehlten immer die Räumlichkeiten“, erklärt Rainer Böhme, der im Vorstand mitarbeitet.

Räume im alten Garnisonshaus gefunden

Im Jahr 2017 war es fast schon einmal so weit. „Wir hatten im Oktober eine Zusammenkunft mit dem Eigentümer des ehemaligen Offizierskasinos im Neuen Lager, Wolfgang Hausdorf, der uns einen Raum für ein Museum anbot“, erzählt Rainer Böhme. Sogar einen Mietvertrag habe man abgeschlossen. Doch dann zerschlug sich diese Möglichkeit. „Der für den Geschichtsverein vorgesehene Raum im Kasino wurde vollständig durch den ,Armeespaßverein' belegt“, sagt Böhme.

Also musste etwas Neues gesucht werden, und das fand man im alten Garnisonshaus am Via Regia Park. Dort befinden sich das Regionalmanagement Dresdner Heidebogen sowie die Ausstellung der Architekturmodelle von Gebäuden, die entlang der Via Regia stehen. Diese gehören zum Heimatverein. Der Stadt gehört das Gebäude. Nach Gesprächen mit dem Heimatverein und dem Königsbrücker Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU) war klar: Der Geschichtsverein muss die zwei Räume, die zur Verfügung stehen, selbst renovieren. Sie haben eine Größe von reichlich 60 Quadratmetern.

Museum soll schon im September öffnen

Renoviert wurde dann ab Herbst vergangenen Jahres. Etwa 100 Stunden hätten die Vereinsmitglieder mit Maler-, Fußboden- und Maurerarbeiten geleistet. „Für fachspezifische Tätigkeiten wie die Elektrik, Tischler- und Fußbodenarbeiten wurde eine Fachfirma beauftragt“, erklärt Ute Steckel. Rund 4.300 Euro habe die Sanierung gekostet, eine Summe, die aus Vereinsgeldern aufgebracht wurde.

Doch auch die Ausgestaltung des Museums kostet Geld: Vitrinen, Gestaltung von Schautafeln, Präsentation – alles zusammen rund 9.500 Euro. Dafür hat der Verein Fördermittel in der Leader-Region Dresdner Heidebogen beantragt. Mit einem Bescheid rechnet Rainer Böhme bis Ende Juni. Geht alles nach Plan, könnte das neue Museum von Königsbrück bereits zum Denkmalstag im September öffnen.

Doch was soll in dem Museum gezeigt werden? „Die Ausstellung wird in zwei Teile gegliedert sein. Ein Teil befasst sich mit der Militärgeschichte, der andere mit den Dörfern, die aufgrund der militärischen Nutzung verschwunden sind“, erklärt Ute Steckel. Gerade mit Letzteren hat sie sich besonders beschäftigt, sie weiß genau, wo sich welches Dorf befand, welche Gebäude es gab, wer dort gelebt hat. Ihre Oma stammt aus Laußnitz und konnte viel aus früherer Zeit erzählen.

Ein Modell im künftigen Museum in Königsbrück zeigt die Situation auf dem ehemaligen Militärgelände.
Ein Modell im künftigen Museum in Königsbrück zeigt die Situation auf dem ehemaligen Militärgelände. © Matthias Schumann

Aber auch die Familiengeschichte von Rainer Böhme ist eng mit dem ehemaligen Militärgelände verbunden. „Mein Opa väterlicherseits war letzter Bürgermeister von Krakau, dem zentralen Ort, von dem heute nur noch Ruinenreste vorhanden sind “, erzählt er. „Mein Opa mütterlicherseits arbeitete seit dem 1. Weltkrieg als Zielbauer auf dem Truppenübungsplatz und wurde auch von der Sowjetarmee übernommen.“ Als Jugendlicher habe er mit mehreren anderen mal einen sowjetischen Soldaten an einem Grenzposten gefragt, ob er mal zum Dorf darf, erinnert sich Böhme. „Da bin ich nach Krakau gelaufen, der Kirchturm stand noch“, sagt er. Vor zwei Jahren war er noch einmal dort. Da gab es nichts mehr.

Ein besonderes Ausstellungsstück

Das Museum wird aber nicht nur aus Tafeln bestehen, die die Geschichte beschreiben. Es soll auch anschauliche Stücke geben. „Ein Vereinsmitglied geht regelmäßig mit einer Metallsonde über die umliegenden Gebiete und findet immer mal wieder verwertbare Gegenstände“, berichtet Rainer Böhme. So sind dann in der Schau unter anderem Knöpfe von Uniformen, Kochgeschirr, Rucksäcke, Stiefel und alte Schilder zu sehen.

Außerdem besteht Kontakt zum Militärhistorischen Museum in Dresden wegen eines Austausches von Material. Ein Ausstellungsstück wird sicher die Blicke der Besucher auf sich ziehen: Es ist eine alte Tür eines Gefängnisses im sowjetischen Lager. Auf dieser steht ein Satz deutlich lesbar: „Ich will nach Hause“ – natürlich auf Russisch.

Auch diese Tür wird in der Königsbrücker Schau zu sehen sein. Ein sowjetischer Soldat hat hier seinen Wunsch, nach Hause zurückzukehren, eingeritzt.
Auch diese Tür wird in der Königsbrücker Schau zu sehen sein. Ein sowjetischer Soldat hat hier seinen Wunsch, nach Hause zurückzukehren, eingeritzt. © Matthias Schumann

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