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UN-Klimakonferenz in Glasgow ist zu Ende

Abschluss des Gipfels erwartet, Greenpeace fordert mehr Ehrgeiz von deutscher Regierung - unser Newsblog zum Klimagipfel.

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In Glasgow ringen rund 200 Staaten für zwei Wochen darum, wie das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, noch erreicht werden kann. Proteste gibt es auch.
In Glasgow ringen rund 200 Staaten für zwei Wochen darum, wie das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, noch erreicht werden kann. Proteste gibt es auch. © dpa

Weltklimakonferenz in Glasgow - das Wichtigste in Kürze:

  • Entwurf für Abschlusserklärung fordert Kohleausstieg
  • G20 bekräftigt 1,5-Grad-Klimaziel - konkrete Maßnahmen aber unklar
  • Thunberg rechtfertigt radikale Klima-Proteste
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert weltweiten CO2-Preis
  • Die wichtigsten Themen des Klimagipfels im Überblick
  • Ärzte warnen vor Gesundheitsfolgen durch Klimawandel
  • Weltklimakonferenz findet im schottischen Glasgow vom 31. Oktober bis 12. November statt

Sonntag, 10.10 Uhr: Das sind die Ergebnisse des Klimagipfels

Die UN-Klimakonferenz in Schottland hat mit einem als historisch gefeierten Beschluss den weltweiten Abschied von der Kohleverbrennung eingeläutet. Erstmals in der Geschichte der Weltklimagipfel gab es dafür einen Konsens unter den rund 200 Staaten. Der am Samstagabend nach leidenschaftlichen Diskussionen gebilligte "Klimapakt von Glasgow" enthält zudem die Forderung, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens abgeschwächt.

Einen Überblick über die Ergebnisse finden Sie hier.

15.15 Uhr: Plenum auf Weltklimagipfel verschoben

Der britische Präsident des Weltklimagipfels, Alok Sharma, hat das wohl entscheidende Plenum der rund 200 Staaten wegen erhitzter Diskussionen erneut verschoben. Es sei notwendig, den Staaten "noch ein bisschen mehr Zeit zu geben", sagte Sharma am Samstagnachmittag im schottischen Glasgow. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Beginn der vermutlich letzten Sitzung bereits abermals um mehrere Stunden verzögert. Ursprünglich hätte der Gipfel schon am Freitag zu Ende gehen sollen.

Den US-Sondergesandten fürs Klima, John Kerry, sah man am Samstag auf der Konferenz intensiv mit Vertretern anderer Staaten diskutieren. Mehrfach bildeten sich Pulks aus Dutzenden Delegierten, die aufgeregt miteinander im Gespräch waren. Die Weltklimakonferenz hatte zu diesem Zeitpunkt bereits rund 20 Stunden überzogen. Sharma setzte die neue Sitzung für 15.30 Uhr (MEZ) an. Der Brite machte klar, dass er eine weitere Verlängerung in die Nacht unbedingt vermeiden wollte.

Samstag, 8.20 Uhr: Klimagipfel dreht Extrarunde

Verlängerung bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow: Erst frühestens an diesem Samstagnachmittag ist mit einem Abschluss zu rechnen. Dies teilte die Beraterin der britischen COP-Präsidentschaft, Camilla Born, auf Twitter mit. Stundenlange Debatten über ein weltweites Stoppsignal für die Kohle und über mehr Hilfszahlungen an arme Länder hatten den Abschluss des Gipfels ausgebremst. Geplantes Ende war Freitagabend.

Nun soll nach weiteren Verhandlungen über Nacht erst morgens gegen 09.00 Uhr (MEZ) ein neuer Entwurf für die Abschlusserklärung vorliegen. Eine weitere Plenarsitzung werde nicht vor 11.00 Uhr (MEZ) einberufen, und der Abschluss dann für nachmittags angestrebt.

Umweltverbände hatten zuletzt vor Verwässerungen im geplanten Abschlussdokument in letzter Minute gewarnt, forderten mehr Einsatz der Bundesregierung und mahnten, die COP26 dürfe keine "Luftnummer" werden.

13.13 Uhr: Verbände rügen Textentwurf und warnen vor "Luftnummer"

In einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung der Weltklimakonferenz, der wenige Stunden vor Ende des Treffens bekannt wurde, ist die Forderung nach einem beschleunigten Kohleausstieg und einem Ende der Subventionen für fossile Energieträger deutlich verwässert worden. Umweltschutzverbände reagierten am Freitag empört und forderten, nun müsse sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in der Schlussphase der Verhandlungen "reinhängen", damit das UN-Treffen in Glasgow keine Luftnummer werde. Auch Klimaaktivisten wollten noch einmal Druck aufbauen: Auf den Straßen Glasgows kritisierten sie - teilweise als Boris Johnson und andere Politiker verkleidet - die Mächtigen als zündelnde Brandstifter.

Am Ende des Mammutreffens mit rund 40.000 Delegierten - planmäßig für Freitagabend angesetzt - müssen die Vertreter der rund 200 Staaten den endgültigen Text der Erklärung einstimmig beschließen. Alle Konferenzen der vergangenen Jahre wurden ins Wochenende verlängert.

10.41 Uhr: Greenpeace-Chef fordert Deutschland zu mehr Ehrgeiz auf

Im Ringen um den Abschlusstext des Weltklimagipfels hat der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser die Bundesregierung aufgefordert, sich für ehrgeizigere Formulierungen einzusetzen. "Wenn keine klare Aussage zu fossilen Energieträgern reinkommt, droht das Ganze zu einer Luftnummer zu werden", sagte Kaiser am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) müsse sich nun "reinhängen" und gemeinsam mit der EU-Delegation ein starkes Signal setzen. In einem neuen, am Freitagmorgen veröffentlichten Entwurf für die Abschlusserklärung ist die Forderung nach einem Ausstieg aus der Kohle deutlich abgeschwächt worden.

Freitag 9.55 Uhr: Neuer Textentwurf schwächt Forderung zu Kohleausstieg ab

In einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung des Weltklimagipfels in Glasgow ist die Forderung nach einem Ausstieg aus der Kohle deutlich abgeschwächt worden. Das geht aus dem am Freitagmorgen von der COP-Präsidentschaft veröffentlichten Dokument hervor. In einer früheren Fassung war noch davon die Rede, dass die Staaten den "Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen in fossile Energieträger beschleunigen" sollten.

In der aktuellen Fassung heißt es, der Ausbau sauberer Energien solle vorangetrieben werden und die schnelle Abschaltung von Kohlekraftwerken, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, beschleunigt werden. Außerdem sollten lediglich "ineffiziente" Subventionen für fossile Energieträger beendet werden. Am Ende der Weltklimakonferenz, planmäßig für Freitagabend angesetzt, müssen die rund 200 Staaten den finalen Erklärungstext gemeinsam offiziell beschließen.

Frühere Konferenzen waren meist ins Wochenende verlängert worden. Erklärtes Ziel des Gipfels ist, es die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit im Rahmen des Möglichen zu halten.

13.10 Uhr: COP-Präsident Sharma: Verhandlungen über Klima-Finanzierung stocken

Der britische Präsident der Weltklimakonferenz, Alok Sharma, hat bei den Verhandlungen über die strittige Klima-Finanzierung zu mehr Kompromisswillen aufgerufen. In der Arbeitsgruppe, die über finanzielle Zusagen an stark vom Klimawandel betroffene Länder verhandelt, stocke es selbst bei den grundsätzlichsten Aspekten, sagte Sharma am Donnerstag in Glasgow vor Delegierten. "Das kann so nicht weitergehen, liebe Freunde". Bis zum geplanten Ende der COP26 am Freitag müsse noch viel passieren. Die Welt warte und schaue auf die Beschlüsse von Glasgow, erinnerte er erneut. "Wir können uns nicht erlauben, sie zu enttäuschen."

Die Verhandlungen von rund 200 Staaten in Glasgow sind in die entscheidende Phase eingetreten. Derzeit wird um Details einer Abschlusserklärung gefeilt, die das erklärte Ziel hat, die Begrenzung der Erderwärmung bei 1,5 Grad im Rahmen des Möglichen zu halten.

12.18 Uhr: Papst bedauert Fernbleiben von COP26 - "Die Zeit läuft ab"

Papst Franziskus hat nach seinem ausgefallenen Besuch bei der Weltklimakonferenz in Glasgow an die Entscheider vor Ort appelliert. "Die Zeit läuft ab", schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Brief, den der Heilige Stuhl am Donnerstag veröffentlichte. Der 84-Jährige rief dazu auf, dafür zu beten, dass die internationale Gemeinschaft auf dem Gipfel konkrete Entscheidungen für die Klima-Herausforderungen treffe. Diese Gelegenheit dürfe nicht verschwendet werden. Den schottischen Katholiken drückte er sein Bedauern aus, nicht angereist zu sein. "Wie ihr wisst, hatte ich gehofft, am COP26-Treffen in Glasgow teilnehmen zu können und, wenn auch kurz, etwas Zeit mit euch zu verbringen", hieß es in dem auf den 9. November datierten Schreiben.

Papst Franziskus hat nach seinem ausgefallenen Besuch bei der Weltklimakonferenz in Glasgow an die Entscheider vor Ort appelliert.
Papst Franziskus hat nach seinem ausgefallenen Besuch bei der Weltklimakonferenz in Glasgow an die Entscheider vor Ort appelliert. © Grzegorz Galazka/Mondadori Portfolio via ZUMA/dpa

7.53 Uhr: Allianz zum Ausstieg aus Öl und Gas stellt sich vor

Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow formiert sich an diesem Donnerstag eine neue Staatenallianz, die den Ausstieg aus der klimaschädlichen Öl- und Gasproduktion beschleunigen will. Geschmiedet wurde das Bündnis "Beyond Oil & Gas" von Dänemark und Costa Rica, deren Minister mittags vor die Presse treten wollen. Wie viele Staaten mitmachen, war zunächst nicht bekannt.

Die Initiatoren erklärten vorab, es sei nicht akzeptabel, dass nach bisherigen Planungen die weltweite Öl- und Gasproduktion jährlich um zwei Prozent steigen soll. "Das muss sich ändern." Geplantes Ende der COP26 ist am Freitag. Eine Verlängerung war aber in den vergangenen Jahren üblich. Am Mittwoch wurde der erste ausformulierte Entwurf für die Abschlusserklärung veröffentlicht, an der nun weiter gearbeitet wird.

Donnerstag, 6.06 Uhr: USA und China arbeiten im Klimaschutz zusammen - Schub für die COP26?

Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften und Verursacher von Treibhausgasemissionen, die USA und China, verstärken ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen die Erderwärmung. "Wir können unsere Ziele nicht erreichen, wenn wir nicht zusammenarbeiten", sagte der US-Klimaschutzbeauftragte John Kerry am Mittwochabend auf der Weltklimakonferenz in Glasgow. Die USA und China hätten etliche Differenzen. "Aber beim Klima ist das der einzige Weg, diese Aufgabe zu bewältigen."

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, man wolle angesichts der Klimakrise diesen "kritischen Moment" nutzen, um gemeinsam und auch jeder für sich den Umbau hin zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft zu beschleunigen. Dazu werde man noch in diesem Jahrzehnt ehrgeizigere Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Eingesetzt werden soll dazu auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Außerdem wollen die beiden Weltmächte in der ersten Hälfte des kommenden Jahres gemeinsam beraten, wie sie den Methanausstoß verringern können. Dazu hatten die USA und die EU auf der Klimakonferenz Anfang der Woche bereits eine Allianz Dutzender Staaten geschmiedet. Ziel ist es, den Ausstoß des zweitwichtigsten Treibhausgases bis 2030 um 30 Prozent zu senken.

Beobachter stuften die aktuellen Klimaschutzpläne Chinas zuletzt als eher schwach ein. Das Riesenreich will erst 2030 überhaupt anfangen, seine Treibhausgasemissionen zu drosseln.

11.15 Uhr: Deutschland unterzeichnet Erklärung gegen Verbrennerautos nicht

Beim Weltklimagipfel haben 33 Länder und sechs Autohersteller gemeinsam ihre Abkehr vom Verbrennungsmotor angekündigt. Sie schlossen sich einer Initiative der britischen Konferenzpräsidentschaft an, wonach der Verkauf von Verbrenner-Autos und -Kleintransportern spätestens 2040 enden soll. Auf "führenden Märkten" soll der Ausstieg aus dem Verbrenner bereits bis 2035 gelingen, wie es in der am Mittwoch in Glasgow vorgestellten Erklärung heißt. Deutschland hat sich der Initiative nicht angeschlossen.

Zu den beteiligten Autobauern zählen GM, Ford, Mercedes, Volvo, der chinesische Konzern BYD und Jaguar/Land Rover. Angeschlossen haben sich auch 39 Städte und Regionen sowie 13 Investoren. Zu den beteiligten Ländern zählen unter anderen Großbritannien, Indien, Österreich, Polen, Kanada, Kenia und die Türkei.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte am Mittwoch auf der Weltklimakonferenz in Glasgow, Deutschland werde die Erklärung zu Null-Emissions-Autos "heute nicht unterzeichnen". Das sei das Ergebnis der regierungsinternen Prüfung. Weiter sagte er, es bestehe innerhalb der Bundesregierung zwar Konsens, dass bis 2035 nur noch Null-Emissionsfahrzeuge zugelassen werden sollen. "Allerdings besteht nach wie vor keine Einigkeit zu einem Randaspekt der Erklärung, nämlich der Frage, ob aus erneuerbaren Energien gewonnene e-Fuels in Verbrennungsmotoren Teil der Lösung sein können."

Das Umweltministerium halte e-Fuels in Pkw mit Blick auf Verfügbarkeit und Effizienz "genau wie die Unterzeichnerstaaten nicht für zielführend". Hintergrund ist der Widerstand des noch geschäftsführenden Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU). Er hatte dem Vorstoß zuvor schon eine Absage erteilt. Die Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen nicht, rügte er. Deshalb sei sein Ministerium dagegen.

Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.
Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. © Kay Nietfeld/dpa

10.33 Uhr: UN-Klimagipfel: Entwurf für Abschlusserklärung fordert Kohleausstieg

Ein neuer Entwurf der Abschlusserklärung für die Weltklimakonferenz ruft die etwa 200 Staaten dazu auf, den Ausstieg aus der Kohle zu beschleunigen und auch Subventionen für Kohle, Gas und Öl zu streichen. Weiter heißt es in dem am frühen Mittwochmorgen veröffentlichten Dokument, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase schnell, stark und nachhaltig gedrosselt werden muss, und zwar um 45 Prozent bis 2030 und auf netto Null bis zur Mitte des Jahrhunderts. Anders lasse sich die Erderwärmung nicht wie angestrebt auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen. Die Staaten werden daher aufgefordert, bis Ende 2022 ihre bei den UN eingereichten nationalen Pläne zum Klimaschutz für die Zeit bis 2030 "zu überprüfen und zu stärken".

Weiter heißt es, man sei "alarmiert und besorgt", dass menschliche Aktivitäten schon jetzt den Planeten um etwa 1,1 Grad aufgeheizt hätten und die Folgen schon in jeder Region spürbar seien. Betont wird die Dringlichkeit, noch in dieser "kritischen Dekade" schneller und ehrgeiziger beim Klimaschutz voranzukommen, aber auch bei der Anpassung an Klimaschäden und der Finanzierung von Klimahilfen. In diesem Zusammenhang sei es "sehr besorgniserregend", dass die derzeitigen Hilfen zur Anpassung an die Erderwärmung für arme Länder unzureichend seien. Die Industriestaaten werden in dem Dokument aufgefordert, ihre Gelder für die Klimaanpassung "mindestens zu verdoppeln".

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan reagierte mit scharfer Kritik auf den Entwurf. Dies sei kein Plan zur Lösung der Klimakrise.