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Fast fünf Jahre Haft nach Dresdner Krypto-Prozess

Das Strafmaß für den 31-jährigen Drogendealer fällt härter aus als vom Staatsanwalt beantragt.

David R., hier mit seinem Verteidiger Michael Sturm zum Prozessauftakt im Juli, hat am Ende ein umfassendes Geständnis abgelegt.
David R., hier mit seinem Verteidiger Michael Sturm zum Prozessauftakt im Juli, hat am Ende ein umfassendes Geständnis abgelegt. © Arvid Müller

Dresden. Der 31-jährige Fitnesstrainer David R. muss wegen Handels mit Drogen für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Mit seinem Urteil ging das Landgericht Dresden acht Monate über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

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Es ist das erste Urteil in einem sogenannten Encro-Chat-Verfahren am Landgericht Dresden. Die Anklage basiert auf Angaben aus ausgespähten Chatnachrichten des Drogendealers. Der 31-Jährige und seine Lieferanten hatten ihre Geschäfte über vermeintlich sichere Krypto-Handys des Unternehmens Encro-Chat abgewickelt.

2020 war es französischen Ermittlern gelungen, die Kommunikation von Encro-Chat-Kunden für drei Monate zu entschlüsseln. Das führte nach Angaben des Bundeskriminalamtes allein in Deutschland zu mehr als 2.200 Ermittlungsverfahren, vor allem im Rauschgiftbereich. David R. sitzt seit Februar in Untersuchungshaft, sein Prozess begann im Juli.

Tiefe Einblicke

Innerhalb von zwei Monaten hatte er in sechs Fällen mit bis zu 750 Gramm Crystal und 20 Gramm Kokain gehandelt. Sein mutmaßlicher Lieferant steht derzeit ebenfalls vor dem Landgericht. Da sich die Täter sehr sicher fühlten, als sie ihre Geschäfte über Chat-Nachrichten abwickelten, erhielten Ermittler tiefe Einblicke. So kaufte R. Crystal für 30 Euro pro Gramm und verkaufte es für bis zu 37 Euro weiter.

Verteidiger Michael Sturm hatte die Verwertung der in Frankreich erhobenen Beweise angefochten. Weil die Kammer damit jedoch nicht zu beeindrucken war und auch aktuelle Encro-Chat-Entscheidungen deutscher Oberlandesgerichte das Vorgehen der Ermittler stützten, legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab.

Der Vorsitzende Richter Christian Linhardt sagte am Dienstag, ohne Geständnis hätte die Kammer R. wohl zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt. Das Geständnis sei glaubhaft und von Reue getragen, so Linhardt.

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