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Was die Elbe für die Deutsche Einheit bedeutet

Wolfgang Stumph hat einen Film über Menschen an der Elbe gedreht – dem Fluss, der Ost und West verbindet. Jetzt läuft die Doku beim MDR. Hat sie zu viel gewollt?

Wolfgang Stumph mit Schiffsführerin Carina Heckert auf der Elbe bei Dömitz. Acht Elbgeschichten lernt man in der MDR-Doku kennen.
Wolfgang Stumph mit Schiffsführerin Carina Heckert auf der Elbe bei Dömitz. Acht Elbgeschichten lernt man in der MDR-Doku kennen. © NDR Presse und Information

Wer zu DDR-Zeiten in Dresden auf die Elbe schaute, konnte sich schwer vorstellen, wie es an der Flussmündung aussieht. Den Traum von Freiheit hat sich nur der Fluss selbst erfüllt, als er die Grenze in Westbrandenburg passierte. Alle anderen mussten sich mit der braunen Brühe vor Ort begnügen. Knapp 45 Jahre floss die Elbe durch zwei Systeme und trennte Ost und West voneinander.

Heute verbindet sie die Menschen der neuen und alten Bundesländer. Auf über 700 Kilometern schlängelt sich ihr Lauf von Dresden nach Hamburg. Die Geschichten entlang dieses Weges könnten dabei kaum unterschiedlicher sein.

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MDR-Doku mit Wolfgang Stumph

Der bekannte Dresdner Schauspieler Wolfgang Stumph ist mit Regisseurin Jana von Rautenberg in das Leben am Fluss eingetaucht. „Unsere Elbe“ ist seine sechste Fernsehproduktion. Auf dem Boot und an Land trifft der 75-Jährige Menschen, die am Morgen mit der Elbe aufstehen, von ihr leben und den Feierabend an ihren Sandstränden verbringen. Alteingesessene Campingplatzbetreiber, landliebende Großstädter und heimatverbundene Frauenkraft – Stumph bringt sie alle mit direkten und überraschenden Fragen dazu, ihre Lebensgeschichte geradeheraus zu erzählen.

Tourismus, Naturschutz, Fußball, Dialekt, Schifffahrt, Wendezeit – die Doku mit dem Untertitel „Flussgeschichten mit Wolfgang Stumph“ will viele Aspekte abdecken. Sie erzählt in 90 Minuten acht Alltagsgeschichten, eingerahmt von eigenen Anekdoten Stumphs, der nun seine zweite Heimat in Hamburg gefunden hat. Schön ist dabei, dass der Film die Konflikte entlang der Elbe sanft streift, ohne sie in den Vordergrund zu stellen.

Niedrigwasser und Flutkatastrophen

Was bedeuten die Niedrigwasser für die Schifffahrt? Wie sah der Neuanfang nach der Grenzöffnung 89 sowie nach den Hochwasserkatastrophen aus? Warum kehrt die junge Generation der ländlichen Elbe den Rücken zu? Und was heißt es, in Freiheit zu leben, ob in Hamburg oder in Dresden? Der Begriff Heimat spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Was der Film jedoch nicht schafft, ist die Verbindung zwischen den acht Geschichten herzustellen. Nur die Elbe als erzählerische Klammer reicht nicht aus, wenn man wie Stumph den Anspruch hat, „eine gesamtdeutsche Bilanz und Sichtweise“ zu vermitteln. Die Geschichten reihen sich willkürlich aneinander, es ist nicht ersichtlich, warum gerade diese acht Menschen, bei so vielen interessanten Elbgeschichten, ausgewählt wurden. Es geht nicht stromaufwärts oder -abwärts, der Film springt von Geschichte zu Geschichte ohne klar erkennbare Dramaturgie.

Was bedeutet Freiheit in Dresden und in Hamburg? Das fragt Wolfgang Stumph den SPD-Politiker Arne Platzbecker.
Was bedeutet Freiheit in Dresden und in Hamburg? Das fragt Wolfgang Stumph den SPD-Politiker Arne Platzbecker. © MDR/DOKfilm

Ein Marketing-Film für die Elbe?

Die Absicht des Films geht offenbar nicht darüber hinaus, neugierig auf die Menschen an der Elbe zu machen. Wie ein Marketing-Film, der für einen Radurlaub wirbt und dazu animieren möchte, selbst einmal von Dresden nach Hamburg zu fahren. Möglicherweise hätte „Unsere Elbe“ auf zwei Episoden verzichten können, um den anderen Elbgeschichten mehr Zeit und auch mehr Tiefe zu gönnen.

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Der Dresdner Kultschauspieler hat sein ganzes Leben am Fluss verbracht - und reiste nun für eine Dokumentation am Ufer entlang bis in seine zweite Heimat.

Dennoch schafft es die Dokumentation auf unterschwellige Weise, das Anklingen der alten Ost-West-Klagelieder zu vermeiden. Sie zeigt vielmehr: Jammern hilft nicht, es geht weiter – nicht nur bei den alten, auch bei den jungen Leuten. Denn Wolfgang Stumph holt alle Generationen vor die Kamera, Frauen wie Männer.

Der Mitteldeutsche und der Norddeutsche Rundfunk strahlen „Unsere Elbe“ zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober aus. Um 20.15 Uhr, in direkter Konkurrenz zum „Tatort“. Schon jetzt kann man die Doku in der ARD-Mediathek sehen.

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